• 26.04.2018
      21:00 Uhr
      scobel - Geschäfte mit der Hausarbeit 3sat
       

      Früher hieß sie "Hausarbeit", heute "generative Sorgearbeit" oder "Care-Arbeit". Sie wird immer mehr von Dienstleistern erledigt - weiterhin vornehmlich von Frauen - und schlecht bezahlt. Kochen, putzen, einkaufen, waschen, Kinder erziehen - und dann noch die häusliche Pflege, die der Staat zunehmend an die Familien abschiebt, die häufig darunter zerbrechen: Wie kann die Gesellschaft alle Arten von Arbeit auf alle Geschlechter verteilen?

      Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen:

      • Bernhard Emunds, Theologe und Ökonom
      • Uta Meier-Gräwe, Familiensoziologin
      • Dorothea Voss, Soziologin und Volkswirtin

      Donnerstag, 26.04.18
      21:00 - 22:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo HD-TV

      Früher hieß sie "Hausarbeit", heute "generative Sorgearbeit" oder "Care-Arbeit". Sie wird immer mehr von Dienstleistern erledigt - weiterhin vornehmlich von Frauen - und schlecht bezahlt. Kochen, putzen, einkaufen, waschen, Kinder erziehen - und dann noch die häusliche Pflege, die der Staat zunehmend an die Familien abschiebt, die häufig darunter zerbrechen: Wie kann die Gesellschaft alle Arten von Arbeit auf alle Geschlechter verteilen?

      Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen:

      • Bernhard Emunds, Theologe und Ökonom
      • Uta Meier-Gräwe, Familiensoziologin
      • Dorothea Voss, Soziologin und Volkswirtin

       

      Früher hieß sie "Hausarbeit", heute "generative Sorgearbeit" oder "Care-Arbeit". Sie wird immer mehr von Dienstleistern erledigt - weiterhin vornehmlich von Frauen - und schlecht bezahlt. Kochen, putzen, einkaufen, waschen, Kinder erziehen - und dann noch die häusliche Pflege, die der Staat zunehmend an die Familien abschiebt, die häufig darunter zerbrechen: Wie kann die Gesellschaft alle Arten von Arbeit auf alle Geschlechter verteilen?

      Die bundesdeutsche Gesellschaft hat einen tiefgreifenden Strukturwandel hinter sich: von der fordistischen Industriegesellschaft hin zu einer wissensbasierten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft im 21. Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen verschiedene Facetten der Thematik haushaltsnaher Dienste: Gleichstellungs- und rechtspolitische Aspekte der Regulierung des Arbeitsplatzes Privathaushalt sind inzwischen ebenso in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtung gerückt wie sozialhistorische und beschäftigungsrelevante Perspektiven.

      Hausarbeit stellt einen erheblichen ökonomischen Faktor da - wird aber bislang von Wirtschaft, Politik und anderen Bereichen der Gesellschaft kaum wahrgenommen. "Das bisschen Arbeit" könne man doch nebenbei machen. "Man" - das sind, wie Untersuchungen zeigen, in erster Linie Frauen, denen die sogenannte "generative Sorgearbeit" nebenbei und ohne Bezahlung aufgebürdet wird. Der sogenannte "Gender-Care-Gap", also die ungleiche Verteilung von Hausarbeit zu Lasten der Frauen, führt letztlich auch noch dazu, dass Frauen nach der Verrentung im Schnitt 53 Prozent weniger Geld zur Verfügung haben als Männer - und das, obwohl sie mehr gearbeitet haben.

      Diese Situation stellt die Gesellschaft nicht nur vor große, bislang kaum wahrgenommene Probleme mit Blick auf Kindererziehung, häusliche Pflege und vieles andere, sondern bedeutet auch eine erhebliche Belastung für heutige Paarbeziehungen und Familien. Gerade gesellschaftlich ist Deutschland weit von einer geschlechtergerechten Verteilung und Bewertung von Arbeit entfernt.

      In einer Zeit, in der häusliche Pflege zwar moralisch die Norm darstellt, die Überlastung des familiären Pflegesystems aber immer weiter zunimmt, stellt sich die Frage, wie häusliche Pflege ohne reale Überforderung und wirtschaftliche Benachteiligung für die Betroffenen gestaltet werden kann. Denn auch diejenigen, die von "außen" als sogenannte "Live-ins" im Haushalt arbeiten, müssen dies häufig unter illegalen Bedingungen tun, die sie in den systematischen Burn-out treiben. Es scheint höchste Zeit, diese Krise wissenschaftlich aufzuarbeiten und gesellschaftliche Antworten zu finden.

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