• 14.05.2018
      21:05 Uhr
      NETZ NATUR Schildkröten - der Charme des Alters | 3sat
       

      Schildkröten gibt es seit 200 Millionen Jahren auf der Erde. Sie strahlen Gelassenheit aus und werden sprichwörtlich alt. Doch darüber hinaus birgt ihr Leben viele dramatische Geschichten.

      Montag, 14.05.18
      21:05 - 22:00 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo HD-TV

      Schildkröten gibt es seit 200 Millionen Jahren auf der Erde. Sie strahlen Gelassenheit aus und werden sprichwörtlich alt. Doch darüber hinaus birgt ihr Leben viele dramatische Geschichten.

       

      Die Geschichte der Schildkröte beginnt in der Schweiz: Bei Ebnat-Kappel im Kanton St. Gallen grub der Paläontologe Urs Oberli in einem Sandsteinbruch den versteinerten Panzer einer Landschildkröte aus, die vor rund 28 Millionen Jahren lebte.

      Auch auf der Mittelmeerinsel Sardinien gab es schon viel früher Schildkröten als Menschen. Doch die Eiszeiten brachten diese Vorkommen immer wieder zum Verschwinden. Die drei Arten, die Sardinien heute noch besiedeln, wurden vor Jahrtausenden von Menschen auf die Insel gebracht. So etwa haben genetische Studien gezeigt, dass vor rund 3000 Jahren eine kleine Anzahl großer Breitrandschildkröten aus derselben Population aus Griechenland nach Sardinien eingeführt wurde. Möglicherweise haben die damaligen Inselbewohner, das Volk der bronzezeitlichen Nuragher-Kultur, aus ihren Panzern Klangkörper für Saiteninstrumente wie die Lyra oder frühe Gitarren hergestellt.

      Heute müssen sich Schildkröten auf Sardinien vor diesem Ende nicht mehr fürchten. Sobald sie die Frühlingswärme nach der Winterruhe zu neuem Leben erweckt und die ganze Insel als bunter Blumenteppich erblüht, können sich die gepanzerten Reptilien wie im Schlaraffenland fühlen - denn frische Blumen gehören zu ihren Lieblingsspeisen. Und mit dem Appetit erwacht auch die Leidenschaft: Mit ungeahntem Temperament werben Männchen um die Weibchen und klopfen mit ihren Panzern heftig bei ihren Auserwählten an, bis diese schließlich stillhalten und die Männchen zur Paarung aufsteigen können. Danach legen die Weibchen an warmen Plätzen im sandigen Boden mehrmals Eier ab, die sie zehn bis 15 Zentimeter tief eingraben.

      Mit zunehmender Sommerhitze wird das Leben im dichten Macchia-Busch für die urtümlichen Reptilien beschwerlicher und das Futter durch die Trockenheit knapp. Viele Schildkröten verziehen sich dann in einen Sommerschlaf, der bis zu den ersten Regenfällen zu Beginn des Herbstes anhält. Der Sommer ist in vielen Mittelmeergebieten auch die Zeit dramatischer Buschfeuer, die jedes Jahr riesige Flächen der spindeldürren Macchia und Wälder vernichtet - eine existenzielle Bedrohung für tausende von Schildkröten.

      Es gibt noch weitere Gefahren für die Tiere: Die Polizei beschlagnahmt immer wieder Schildkröten, die illegal gefangen und international gehandelt werden. Um für den Schutz der Tiere zu sensibilisieren, lädt die Forstpolizei gelegentlich Schulklassen zum Zuschauen und Mitmachen ein, wenn diese Tiere in die Natur zurückgebracht werden.

      Noch in den 1970er-Jahren wurden Landschildkröten aus Südeuropa und Nordafrika wie Salatköpfe in Kisten gestapelt in die Schweiz importiert und als gutartige Heimtiere verkauft. Die meisten dieser Tiere gingen bald ein. Doch einige, die gut gepflegt wurden, haben bis heute überlebt und bezaubern ihre Besitzerinnen und Besitzer über mehrere Generationen mit dem Charme des Alters.

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