• 29.10.2021
      18:30 Uhr
      nano - Die Abschaffung der Zeit 3sat
       

      Nichts ist selbstverständlicher und erfahrbarer als das Verrinnen der Zeit. Aber ist auf die menschliche Wahrnehmung wirklich Verlass? Ist das Zeitempfinden vielleicht nur eine Konstruktion des Gehirns? Kurz vor Umstellung auf Sommerzeit beschäftigt sich der Autor und Moderator des 3sat-Wissenschaftsmagazins "nano", Ingolf Baur, in dem Film "nano: Die Abschaffung der Zeit" mit der Wahrnehmung von Zeit.

      Freitag, 29.10.21
      18:30 - 19:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Nichts ist selbstverständlicher und erfahrbarer als das Verrinnen der Zeit. Aber ist auf die menschliche Wahrnehmung wirklich Verlass? Ist das Zeitempfinden vielleicht nur eine Konstruktion des Gehirns? Kurz vor Umstellung auf Sommerzeit beschäftigt sich der Autor und Moderator des 3sat-Wissenschaftsmagazins "nano", Ingolf Baur, in dem Film "nano: Die Abschaffung der Zeit" mit der Wahrnehmung von Zeit.

       

      Nichts ist für uns klarer, selbstverständlicher und erfahrbarer, als dass die Zeit gleichmäßig verrinnt. Von der Vergangenheit in die Zukunft. Doch wer versucht, vor dem Spiegel zu verfolgen wie der Blick von einem Auge zum anderen wandert, merkt, dass unser Gehirn unser Zeitempfinden sehr phantasievoll manipuliert. Wir sehen keine Augenbewegung, diese Zeitspanne wird einfach ausgelöscht. Aber es kommt noch heftiger. Da die wichtigste Aufgabe unseres Gehirns darin besteht, ein konsistentes Bild der Welt zu liefern, muss es permanent Sinneswahrnehmungen zeitlich verschieben: Unsere Augen sehen etwa wie unser Fuß berührt wird, diese Wahrnehmung muss jedoch warten, bis das langsamere Berührungssignal im Gehirn gelandet ist. Die Folge: Wir leben tatsächlich etwa 1/10 Sekunde in der Vergangenheit. Und große Menschen de facto noch mehr. Länger dürfte die Zeitlücke nicht sein, sonst hätte uns der Tiger gefressen, bevor wir merken, dass er da ist. In Experimenten lässt sich das Gehirn sogar so weit bringen, dass es Ursache und Wirkung umdreht: Wir erleben, dass etwas bereits passiert, bevor wir es auslösen. Vielleicht ist das Zeitempfinden nur eine Konstruktion unseres Gehirns. Was dann? Die Stunde Zeitumstellung spielt dann jedenfalls keine Rolle mehr.

      Die Physik ist schon längst an diesem Punkt. Sie kennt keine absolute Zeit. Schon die Frage, wie schnell die Zeit denn vergehe, führt die Naturwissenschaft in die Absurdität. Mit einer Sekunde pro Sekunde etwa? Die physikalischen Gleichungen der Relativitätstheorien beschreiben, dass sich spätere Zustände der Welt von früheren unterscheiden lassen, einen besonders ausgezeichneten gegenwärtigen Moment oder einen Fluss der Zeit gibt es aber nicht. Ist die Zeit also einfach nur eine Konstruktion, damit nicht alles auf einmal da ist? Zeit als etwas, das die Beschreibung der Welt erleichtert, aber nicht eigenständig existiert? Klingt alles sehr verrückt - auch für viele Physiker. In der Gemeinde tobt daher ein Streit, ob die aktuelle Weltbeschreibung nicht Wesentliches unterschlägt.

      In „Die Abschaffung der Zeit“ startet nano auf eine filmische Reise, die schwindelig macht. Das vermeintliche sichere Fundament unseres Zeitgefühls wird in Frage gestellt: Mit Versuchen, die unsere Wahrnehmung von Ursache und Wirkung umdrehen, sowie Methoden, wie etwa Meditation, die jegliches Zeitempfinden ausschalten können.

      Und was folgt daraus, wenn sich der Zeitfluss tatsächlich als Illusion entlarven lässt? Vielleicht müssten wir uns dann nicht länger Sorgen um die Zukunft machen oder die Vergangenheit betrauern. Wär doch was.

      Film von und mit Ingolf Baur

      Das 3sat-Wissenschaftsmagazin berichtet werktäglich ausführlich, verständlich und aktuell über Technik, Medizin, Wissenschaft und Forschung."nano" macht Zukunftsvisionen sichtbar und erfahrbar. Durch eine unterhaltsame, spannende und informative Mischung von Wissenschaftsfilmen macht "nano" seine Zuschauer fit für die Welt von morgen."nano" ist ein aktuelles Magazin und enthält Studio- und Schaltgespräche. Regelmäßig werden Schwerpunkte gesetzt und wissenschaftlich beleuchtet.

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