• 08.07.2018
      10:05 Uhr
      Mit Büchern auf der Flucht Film von Miriam Jakobs und Gerhard Schick | 3sat
       

      Was nimmt man mit, wenn man gezwungen ist, in ein fremdes Land auszuwandern? Für viele Juden in den 1930er-Jahren war die Antwort klar: Bücher. Der Film erzählt drei Bücher-Geschichten.

      Sonntag, 08.07.18
      10:05 - 11:00 Uhr (55 Min.)
      55 Min.

      Was nimmt man mit, wenn man gezwungen ist, in ein fremdes Land auszuwandern? Für viele Juden in den 1930er-Jahren war die Antwort klar: Bücher. Der Film erzählt drei Bücher-Geschichten.

       

      Was nimmt man mit, wenn man gezwungen ist, in ein fremdes Land auszuwandern? Für viele Juden in den 1930er-Jahren war die Antwort klar: Bücher. Der Film erzählt drei Bücher-Geschichten.

      Es hätten auch feste Schuhe, eine gute Jacke oder praktische Gegenstände sein können. Doch viele der jüdischen Emigranten wählten deutschsprachige Kultur- und Geistesgeschichte: Goethe, Schiller, Heine, Schnitzler, Rilke und natürlich Theodor Herzl.

      In Israel wurden die neuen Einwanderer belächelt, doch die Entscheidung für ihre Bücher war von großer Ernsthaftigkeit: Sie trugen die deutsche Sprache und Kultur im Herzen und konnten nicht von ihr lassen, obwohl ihre Heimat sie mit Füßen getreten hatte.

      Was stellten die aus Berlin und Wien vertriebenen Juden mit ihrem Goethe in der Wüste an? Und was geschieht mit den Büchern heute? Von der Generation, die ihre Bibliotheken unter großen Entbehrungen mit sich auf die Reise nahm, wird bald niemand mehr am Leben sein. Ihre Kinder und Enkel haben keinen Bezug mehr zur Literatur der Länder, die ihre Eltern ausrotten wollten. Und doch leben die Bücher fort. Manche treten gar den Rückweg in die alte Heimat an - und landen zum Beispiel in einer Wiener Schule.

      Abraham Frank aus Flacht füllte sein Jerusalemer Haus mit einer riesigen Bibliothek mit Tausenden von Bänden. Doch was soll mit den wertvollen Büchern geschehen, nun, da er ins Altersheim umziehen muss? Frank schickt die Werke an Jugendliche in Deutschland und Österreich, wo sie Zeugnis ablegen über die Geschichte ihrer Besitzer - und bei Schülern des Döblinger Gymnasiums in Wien eine erstaunliche Resonanz auslösen.

      Ury Eppstein aus Saarbrücken rettete 1948 als israelischer Soldat im Unabhängigkeitskrieg eine wertvolle vollständige Goethe-Ausgabe vor der sicheren Vernichtung. Ein ganzes Leben lang bewahrte er die kostbaren Bücher auf, bis er sich im hohen Alter entscheidet, sie den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. Doch diese befinden sich in Jordanien - in einem Land, gegen das er selbst noch kämpfte. Er bricht zu einer riskanten Reise auf.

      Eva Avi-Jonah aus Wien spricht mit Goethes Geist. Bei einer Séance in Tel Aviv gab dieser sich der damals 52-jährigen Eva zu erkennen. Und nicht nur das, er machte ihr gleich Avancen - mit einem Liebesgedicht von Heine. Seitdem stehen die beidem in regem Austausch.

      Eva Avi-Jonah und Abraham Frank sind während der Dreharbeiten zu diesem Film verstorben.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 19.11.2018