• 02.03.2018
      20:15 Uhr
      Leben unter der Tarnkappe - Wie der Zeugenschutz die Existenz zerstört Ein Film von Christoph Goldbeck | 3sat
       

      Um organisierte Kriminalität und Terrorismus effektiv zu bekämpfen, gibt es in Deutschland ein Zeugenschutzprogramm. Aussagewillige Kronzeugen sollen damit vor Racheakten derer, die sie verraten, geschützt werden. Auf Kosten des Staates bekommen die Zeugen einen neuen Namen, neue Dokumente, eine neue Identität. Doch was das Leben unter der Tarnkappe konkret für sie bedeutet, das begreifen viele der Betroffenen erst, wenn sie nicht mehr zurück können.

      Freitag, 02.03.18
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Um organisierte Kriminalität und Terrorismus effektiv zu bekämpfen, gibt es in Deutschland ein Zeugenschutzprogramm. Aussagewillige Kronzeugen sollen damit vor Racheakten derer, die sie verraten, geschützt werden. Auf Kosten des Staates bekommen die Zeugen einen neuen Namen, neue Dokumente, eine neue Identität. Doch was das Leben unter der Tarnkappe konkret für sie bedeutet, das begreifen viele der Betroffenen erst, wenn sie nicht mehr zurück können.

       

      Um organisierte Kriminalität und Terrorismus effektiv bekämpfen zu können, gibt es in Deutschland ein Zeugenschutzprogramm. Es soll aussagewillige Kronzeugen vor Racheakten schützen.

      Ein Jahr lang hat Autor Christoph Goldbeck für diese Dokumentation über den Zeugenschutz recherchiert, Zeugen ausfindig gemacht, um ihr Leben in der Schattenwelt festzuhalten. Nur wenige waren bereit, über das Zeugenschutzprogramm zu sprechen.

      Geheimhaltung ist Teil des Vertrages, den die Zeugen eingehen. Auf Kosten des Staates bekommen sie einen neuen Namen, neue Dokumente, eine neue Identität. Doch was das Leben unter der Tarnkappe konkret für sie bedeutet, das begreifen viele der Betroffenen erst, wenn sie nicht mehr zurück können.

      Aber: "Der Staat hat mich in die Gosse fallen lassen", sagt Doris Glück, die anders hieß, als Christoph Goldbeck sie das erste Mal traf. Der Mann, den sie ahnungslos geheiratet hatte, entpuppte sich als "Gotteskrieger" - er wurde zur rechten Hand Osama bin Ladens. Sie wurde von heute auf morgen ins Zeugenschutzprogramm gedrängt. Immer wieder half sie dem Staat, Top-Terroristen zu identifizieren. Ihren guten Job und ihr gewohntes Leben mit Familie, Freunden und einer vertrauten Umgebung musste sie aufgeben, bekam neue Namen, zog immer wieder um. Keiner durfte wissen, wer sie war. Die Angst vor Rache ist sie nicht mehr losgeworden.

      Auch der Kleinkriminelle "Jerome B." war vier Jahre im Zeugenschutz. Seine Aussage half, die Strukturen der Hells Angels aufzudecken und eine albanische Einbrecherbande auffliegen zu lassen. Wenn er gewusst hätte, was mit dem Zeugenschutzprogramm auf ihn zukam, hätte er sich anders entschieden. "Wie ein nasser Sack wird man vor die Tür gestellt, nachdem man seine Aussage gemacht hat", sagt "Jerome" ernüchtert.

      Im Zeugenschutzprogramm werden falsche Versprechen gemacht, Hoffnungen geweckt, die nicht erfüllbar sind, Kronzeugen alleingelassen. Politisch kontrolliert wird das Zeugenschutzprogramm nicht. Und es ist auf Zeit gedacht - am Ende muss der Betroffene seinen alten Namen und seine Identität wieder zurücknehmen. Doch das ist in Zeiten des Internets schwierig: Arbeitgeber, Banken, Vermieter glauben dann an Betrug. Mit Jobverlust, sozialem Abstieg, Einsamkeit und Angst müssen die Betroffenen allein fertig werden.

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