• 13.03.2018
      22:05 Uhr
      Hitler und die Kinder vom Obersalzberg Film von Robert Altenburger | 3sat
       

      Der Berghof, als Sommerresidenz Adolf Hitlers gedacht, wird ab 1933 zum zweitem Regierungssitz neben Berlin ausgebaut. Zur Parallelität von Idylle und Schrecken gehört auch die in "Wochenschau"-Filmen, aber vor allem via Fotos reproduzierte Inszenierung des volksnahen und vermeintlich kinderliebenden "Führers". Mit propagandistischer Perfektion bedient sich Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann der Motive der heilen Bergwelt. Mehr als 4,3 Milliarden Fotos dieser Art gelangen so in Umlauf. Um gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen, können diese Bilder in eigens dafür gedruckte Sammelalben eingeklebt werden.

      Dienstag, 13.03.18
      22:05 - 22:55 Uhr (50 Min.)
      50 Min.

      Der Berghof, als Sommerresidenz Adolf Hitlers gedacht, wird ab 1933 zum zweitem Regierungssitz neben Berlin ausgebaut. Zur Parallelität von Idylle und Schrecken gehört auch die in "Wochenschau"-Filmen, aber vor allem via Fotos reproduzierte Inszenierung des volksnahen und vermeintlich kinderliebenden "Führers". Mit propagandistischer Perfektion bedient sich Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann der Motive der heilen Bergwelt. Mehr als 4,3 Milliarden Fotos dieser Art gelangen so in Umlauf. Um gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen, können diese Bilder in eigens dafür gedruckte Sammelalben eingeklebt werden.

       

      Wo der "Führer" wohnt, dort wollen auch die Paladine residieren: neben Hitlers Sekretär Martin Bormann auch Luftwaffenchef Hermann Göring, der Architekt und spätere Rüstungsminister Albert Speer. Daher müssen Familien in der Umgebung ihre Häuser verlassen. Wer nicht spurt, dem droht Konzentrationslager.

      Ein Zeitzeuge berichtet über die brutalen Methoden und die Drohungen Bormanns, der die Leitung des Projekts innehatte. Der Film zeigt auch die bislang wenig bekannten Dimensionen des Berghofs und seiner Umgebung. Denn zusätzlich wurde eine SS-Kaserne errichtet, in weiterer Folge entstanden ein Gewächshaus, ein Gästehaus, eine Theaterhalle, ein Kindergarten, ein Teehaus und das "Kehlsteinhaus" auf 1834 Metern Höhe. Zwischen 1933 und 1945 leben und arbeiten bis zu 20 000 Menschen auf dem Obersalzberg.

      Hinzu kommen noch Hunderte Zwangsarbeiter aus Italien und Tschechien, die an der Errichtung der Gebäude und der riesigen unterirdischen Bunkeranlagen beteiligt sind. Etwa Zdenek Hulka aus der tschechischen Stadt Cheb, in den Jahren 1943 bis 1944 zur Zwangsarbeit für den Bunkerbau eingeteilt. Er berichtet von den lebensbedrohlichen Arbeitsbedingungen: Fast täglich gibt es Tote und Verletzte. Auch die Angst vor der Deportation in ein KZ ist ständiger Begleiter, denn man weiß von den systematischen Morden im nahegelegenen KZ Dachau.

      Zur Parallelität von Idylle und Schrecken gehört auch die in "Wochenschau"-Filmen, aber vor allem via Fotos reproduzierte Inszenierung des volksnahen und vermeintlich kinderliebenden "Führers". Mit propagandistischer Perfektion bedient sich Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann der Motive der heilen Bergwelt, um Hitler mit Erwachsenen und Kindern in dieser Kulisse zu inszenieren. Mehr als 4,3 Milliarden Fotos dieser Art gelangen so in Umlauf. Um gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen, können diese Bilder in eigens dafür gedruckte Sammelalben eingeklebt werden.

      Als Fotomotiv diente damals auch Gerhard Bartels, Jahrgang 1932. Sein Onkel war Hitlers Feldwebel während des Ersten Weltkriegs. Hitler besucht die Familie schon vor 1933 regelmäßig. "Was hat denn der Führer gesagt?", wurde Bartels damals gefragt. ",Nix Gescheites', hab ich gesagt. Ich hab damals schon einen Weitblick gehabt", erzählt er im Interview mit Robert Altenburger.

      Der Salzburger Rupert Zückert, Jahrgang 1931, gehörte zu jenen, die nach der Auslöschung Österreichs im März 1938 mit den Eltern zum "Führer Schauen" auf den Obersalzberg pilgern. Er wird aus der Menge herausgeholt, um mit Adolf Hitler für Fotos zu posieren. Viele der bislang kaum bekannten Schilderungen von Zeitzeugen aus Österreich und Bayern ermöglichen neue Einblicke in das Leben im sogenannten Führersperrgebiet, das bis nach Salzburg reichte.

      Als am 16. Oktober 1944 die ersten Bomben auf die Mozartstadt fallen und Herbert Holzer die ersten Toten in den Straßen Salzburgs liegen sieht, weicht die Begeisterung rasch der Ernüchterung über die Nazizeit. Der Film thematisiert auch, wie mit dem NS-Erbe umgegangen wurde. Hitlers Berghof wird zwar 1952 gesprengt. Doch bis heute sind Ruinen und erhaltene Gebäude wie die "Kleine Reichskanzlei" in Berchtesgaden oder das "Kehlsteinhaus" Anziehungspunkt für Touristen, aber auch für Ewiggestrige.

      aus der ORF-Reihe "Menschen & Mächte"

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