• 02.03.2019
      19:20 Uhr
      Gelbe Wut Frankreichs Intellektuelle und die Gelbwesten | 3sat
       

      Seit Mitte November erschüttert der Aufstand der Gelbwesten Frankreich in seinen Grundfesten - und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie konnte es soweit kommen? Und welche Auswege gibt es? Mit einem klassisch roten Peugeot 205 fahren Daniel Böhm und sein Kamerateam quer durch Frankreich, sprechen mit wütenden Demonstranten, befragen Intellektuelle zu ihrer Haltung und begleiten Präsident Macron bei dem Versuch, mit Bürgern in den Dialog zu kommen.

      Samstag, 02.03.19
      19:20 - 20:00 Uhr (40 Min.)
      40 Min.
      Stereo

      Seit Mitte November erschüttert der Aufstand der Gelbwesten Frankreich in seinen Grundfesten - und ein Ende ist nicht in Sicht. Wie konnte es soweit kommen? Und welche Auswege gibt es? Mit einem klassisch roten Peugeot 205 fahren Daniel Böhm und sein Kamerateam quer durch Frankreich, sprechen mit wütenden Demonstranten, befragen Intellektuelle zu ihrer Haltung und begleiten Präsident Macron bei dem Versuch, mit Bürgern in den Dialog zu kommen.

       

      Die geballte Wut, die Frankreichs Straßen erfasst hat, spaltet auch Frankreichs Künstler und Intellektuelle wie nie zuvor. Während sich renommierte Autoren wie Annie Ernaux und Édouard Louis mit den Gelbwesten solidarisieren, warnen Ex-68er wie Daniel Cohn-Bendit vor einer reaktionären und gefährlichen Bewegung. Und auf der Straße gibt es mit den Rotschals seit kurzem ein kleines Zeichen Andersdenkender. Keiner hat diese Spaltung Frankreichs so pointiert dargestellt, wie der Rapper D'Ace, der in einem millionenfach geklickten Song beide Positionen gegenüberstellt. Der Musiker mit malischen Wurzeln erklärt aber auch, warum vor allem in den Banlieues die Gelbwestenbewegung nur wenig Zulauf bekommt.

      Um zu verstehen, warum die chaotische Protestbewegung dennoch so eine Durchschlagskraft hat, begibt sich der Film dorthin, wo der Aufstand begonnen hat: an den Rand des Landes. In Lothringen trifft das Team den Schriftsteller Nicolas Mathieu. Sein Roman "Leurs enfants apres eux" erhielt im November den ältesten und wichtigsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt. Mathieu beschreibt darin den Niedergang der Industriestadt Hayange - mit Landflucht, De-Industrialisierung und Verarmung. Doch auch hier geht es den Gelbwesten, den Gilets Jaunes, nicht nur um fehlende Jobs. Ihre Wut richtet sich gegen die Elite. Und die rätselt im fernen Paris über die Gründe des Aufstands.

      Für den Geographen Christophe Guilluy ist er das Resultat einer schon lange gespaltenen Gesellschaft. Auch die ehemalige linke Kulturministerin und Autorin Aurélie Filippetti glaubt, Frankreich fehle es an Demokratie. Sie, die sich selbst als Arbeiterkind bezeichnet, beklagt die Arroganz der politischen Kaste. An der Universität SciencesPo, wo viele Präsidenten und Minister einst ihre Karrieren begannen, schwanken Schüler und Professoren zwischen Selbstkritik und Verständnis.

      Welche Auswege aus der andauernden Gewalt gibt es? Kann Präsident Emmanuel Macron die Gemüter mit seinem nationalen Dialog wirklich beruhigen? Viele Gelbwesten wollen weiter demonstrieren. Andere suchen Wege in die Politik, so wie Jacline Mouraud, die den Aufstand mit einem Facebook-Video losgetreten hatte. In Orléans gründet sie jetzt ihre eigene Partei. Auch hier ist das Kamerateam für diesen Film mit vor Ort. Am Ende dieser spannenden Drehreise ist noch immer offen, wohin Frankreich letztendlich steuert. Klar aber ist, der Aufstand hat das Land in seinen Grundfesten erschüttert - und wird die Republik verändern.

      Film von Daniel Böhm

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      Samstag, 02.03.19
      19:20 - 20:00 Uhr (40 Min.)
      40 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 24.06.2019