• 14.04.2018
      23:15 Uhr
      Blaues Blut und rote Fahnen - Ruth Mayenburg Lebensgeschichte einer Kommunistin | 3sat
       

      Bereits bei der Ausrufung der Ersten Republik 1918 verlangte die KPÖ, eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt, die Errichtung einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild. Ein Jahr zuvor war in Russland der Zar gestürzt und unter Lenin eine Diktatur des Proletariats begründet worden. Ihre Erfahrungen als Studentin im "Roten Wien" machten Ruth Mayenburg zur Sozialdemokratin: "Es war natürlich, dass die jungen Leute nach links rückten!" Wie viele Sozialdemokraten schließt sich die österreichische Publizistin, Schriftstellerin und Übersetzerin nach der Zerstörung der Demokratie und dem Bürgerkrieg 1934 dem Kommunismus an.

      Samstag, 14.04.18
      23:15 - 00:05 Uhr (50 Min.)
      50 Min.

      Bereits bei der Ausrufung der Ersten Republik 1918 verlangte die KPÖ, eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt, die Errichtung einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild. Ein Jahr zuvor war in Russland der Zar gestürzt und unter Lenin eine Diktatur des Proletariats begründet worden. Ihre Erfahrungen als Studentin im "Roten Wien" machten Ruth Mayenburg zur Sozialdemokratin: "Es war natürlich, dass die jungen Leute nach links rückten!" Wie viele Sozialdemokraten schließt sich die österreichische Publizistin, Schriftstellerin und Übersetzerin nach der Zerstörung der Demokratie und dem Bürgerkrieg 1934 dem Kommunismus an.

       

      Bereits bei der Ausrufung der Ersten Republik 1918 verlangte die KPÖ, eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt, die Errichtung einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild.

      Ein Jahr zuvor war in Russland der Zar gestürzt und unter Lenin eine Diktatur des Proletariats begründet worden. Ihre Erfahrungen als Studentin im "Roten Wien" machten Ruth Mayenburg zur Sozialdemokratin: "Es war natürlich, dass die jungen Leute nach links rückten!

      "Wie viele Sozialdemokraten schließt sich die österreichische Publizistin, Schriftstellerin und Übersetzerin nach der Zerstörung der Demokratie und dem Bürgerkrieg 1934 dem Kommunismus an. Ihre Tochter Marina Fischer-Kowalski erinnert sich: "Für meine Mutter war die Sowjetunion das einzige Land, das dem Faschismus ernsthaft die Stirn bot!

      "Ruth Mayenburg arbeitete in den 1930er-Jahren als sowjetische Spionin gegen Nazi-Deutschland, bei Kriegsbeginn als Komintern-Mitarbeiterin in Moskau, dann als Agitatorin in der deutschsprachigen Sektion von Radio Moskau, danach an der Front und in den deutschen Kriegsgefangenenlagern. 1945 kehrte sie mit der Roten Armee nach Österreich zurück. In den langen und oft blutigen Jahren des Kampfes im Widerstand und im Exil hatten viele Kommunisten auf ein vom Faschismus befreites Österreich gehofft. Die kommunistische Widerstandskämpferin Maria Cäsar erzählt im Film von der Gestapo-Haft: "Ich bin fünfzehneinhalb Monate eingesperrt gewesen im Grazer Landesgericht!"

      Lisa Schüller, die spätere Russischlehrerin im ORF, erinnert sich an ihre Jugend im Hotel Lux in Moskau: "1945 war endlich der Krieg vorbei - und wir haben die Hakenkreuzfahnen auf dem Roten Platz verbrannt!" Walter Stern aus einer Wiener jüdischen Familie war britischer Soldat und Dolmetscher in Kriegsverbrecher-Prozessen 1945: "Das Überleben hat sich gelohnt - aber das Österreich nach 1945 war auch nicht so, wie wir es uns gedacht haben."

      Elfriede Stern erzählt vom Überleben als "halbjüdisches" Kind in Wien und von der Freude der Befreiung 1945: "Österreich ist frei! - Das haben wir Kommunisten nicht erst 1955 gesagt, sondern schon 1945!"Es folgten lange Jahre der Diskussionen über das Ausmaß des Massenmords unter Stalin und die Menschenrechtsverletzungen der Sowjetunion bei der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes 1956 genauso wie des Prager Frühlings 1968.

      Ruth Mayenburg distanzierte sich bereits in den 1950er-Jahren vom Kommunismus sowjetischer Prägung: "Diese kritische Distanz ist immer größer geworden. Ich bin jetzt eine kritische Linke ohne Partei." Ihr erster Ehemann Ernst Fischer brach 1968 völlig mit der KPÖ. Viele andere verließen die Partei oder wurden ausgeschlossen. Die KPÖ selbst aber blieb Moskau-treu, bis zum Ende der Sowjetunion.

      In den 1970er-Jahren waren vor allem Studenten wieder fasziniert von den Schriften von Marx und Engels - ohne sich deshalb der Sowjetunion verpflichtet zu fühlen. Klaus Eberhartinger, später Sänger der österreichischen Pop-Rock-Band Erste Allgemeine Verunsicherung, wollte der teilweise rechtsradikalen Stimmung, die er während seiner Studentenzeit in Graz erlebte, etwas entgegensetzen. Bereits nach einem ersten Auftritt in der DDR ging er aber wieder auf Distanz zum Kommunismus. Wie viele andere sieht er seine jugendliche Überzeugung heute so: "Wer mit 20 nicht Kommunist ist, der hat kein Herz! Aber wer mit 40 immer noch Kommunist ist, der hat kein Hirn!"

      1981 zog Ruth Mayenburg auch öffentlich eine klare Trennlinie zum Sowjetkommunismus. Bereits schwerkrank, erlebte sie noch den Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1989, bevor sie 1993 in Wien starb.

      Lebensgeschichte einer Kommunistin; Film von Robert Gokl; (aus der ORF-Reihe "Menschen & Mächte"); Erstsendung 18.10.2017

      Dokumentation

      Erstsendung 18.10.2017

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