• 02.08.2010
      00:15 Uhr
      Emil Nolde - Farbe und Landschaft eines Malers arte
       

      Als sei er eben nur mal schnell zum Meer spaziert oder Farben holen gegangen - diesen Eindruck hat jeder Besucher im Haus und im Garten Emil Noldes in Seebüll, jenem kleinen Flecken in der nördlichsten Ecke Deutschlands.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 02.08.10
      00:15 - 00:40 Uhr (25 Min.)
      25 Min.
      Neu im Programm
      Stereo

      Als sei er eben nur mal schnell zum Meer spaziert oder Farben holen gegangen - diesen Eindruck hat jeder Besucher im Haus und im Garten Emil Noldes in Seebüll, jenem kleinen Flecken in der nördlichsten Ecke Deutschlands.

       

      Es sind Bilder, die ohne die abseits gelegene Heimat Emil Noldes und die tief erlebte Landschaft nicht zu denken wären und die diese in immer neuen Variationen und Farbkompositionen zeigen: die Marsch und das Meer Nordfrieslands, der Kindheitsort Noldes nahe der dänischen Stadt Tondern, die Insel Alsen, das Dorf Rutebüll an der deutsch-dänischen Grenze und gleich daneben sein schleswig-holsteinischer Wohn- und Schaffensort Seebüll.
      Vor allem Noldes tiefe seelische Krisen, ausgelöst durch lange Armut und fehlende Anerkennung, haben ihn künstlerisch beeinflusst und reifen lassen. Seine bedeutendsten Motive neben den Porträts sind bis ins hohe Alter das Meer, der Himmel und die Landschaften im Norden - sowie die Blumen in seinem Garten, die in wahren Farborgien Gestalt finden.
      Nolde sieht sich als Teil einer großen Natur. Er spürt die besondere Kraft der Farben, sie sind die eigentliche Substanz seiner Bilder. Das Intellektuelle in der Kunst lehnt er ab. Er malt, mehr nicht. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Ada, die ihn 50 Jahre lang durch Höhen und Tiefen begleitete.
      Seine fratzenhaften Menschen und Dämonenwesen, seine gegen 1915 noch als blasphemisch eingestuften Christus- und Kreuzigungsbilder und viele seiner späteren von Zwergen und Elfen behausten Blumenaquarelle zeigen ein von tiefer Entwurzelung geprägtes Menschenbild und eine Sehnsucht nach einem fast animalischen Urzustand.
      Nolde, gemeinhin der Künstlergruppe "Brücke" und den Expressionisten zugerechnet, bleibt zeit seines Lebens ein malerischer Außenseiter. Seine großen Landschafts- und Mythenbilder der 20er und 30er Jahre entstehen in einer Zeit der Umwälzung. Mit den weltberühmten Blumen- und Dorfgemälden der Spätphase "Dahlien und Sonnenblumen", "Schwüler Abend", "Der große Gärtner" und "Großer Mohn (rot, rot, rot)" - seinem eigentlichen Hauptwerk - nimmt er die Herausforderung an, eine sich wandelnde Welt als Realität und als Vision einer besseren Existenz des Menschen auf die Leinwand zu bringen.
      Er versteht sich als "urdeutscher" Künstler, der für das "Schöne und Edle kämpft", gegen "Überfremdung und Bevormundung". So begeistert er sich anfangs für den Nationalsozialismus und wird 1934 Mitglied der "Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig". Doch völlig unverständlich für Nolde werden 1937 knapp 30 seiner Werke in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt und über tausend seiner Bilder aus den Museen beschlagnahmt, darunter seine Hauptwerke. 1941 erhält Nolde Malverbot. In der Abgeschiedenheit des Seebüller Ateliers entstehen - trotz ständiger Gestapobeobachtung - heimlich die sogenannten "Ungemalten Bilder": auf schlechtem Papier und mit wenigen komplementären Farben gemalte Aquarelle, wie "Meer mit roter Sonne", "Tier und Frau", "Tanzende unter großer Blüte". Sie zählen heute zu den wichtigsten Werken Noldes.

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