• 02.07.2012
      20:15 Uhr
      Sarajevo, 28. Juni 1914 Der Untergang des alten Europa - "20 Tage im 20. Jahrhundert" | ARD-alpha
       

      Ausgehend von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie von Hohenberg am 28. Juni 1914 in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo als Auslöser vollzieht die Dokumentation Ursachen, Verlauf und Folgen des Ersten Weltkrieges nach.

      Montag, 02.07.12
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Ausgehend von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie von Hohenberg am 28. Juni 1914 in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo als Auslöser vollzieht die Dokumentation Ursachen, Verlauf und Folgen des Ersten Weltkrieges nach.

       

      Der Sommer verspricht schön zu werden. Unter den Linden in Berlin, auf den Champs Elysées in Paris, vor den Cafés in Wien oder St. Petersburg, überall genießt man die lauen Abende. Am 28. Juni 1914 tickern in allen Pressebüros die Telegrafen: Franz Ferdinand, der Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie, ist in Sarajewo ermordet worden.

      Fünf Wochen später steht Europa am Rande des Abgrunds. Mit unglaublicher Leichtfertigkeit haben die europäischen Politiker und Monarchen den Mechanismus der gegenseitigen Drohungen, Ultimaten und Mobilmachungen in Gang gesetzt, der den Kontinent in den Untergang führt, in einen Krieg, wie ihn die Menschen niemals zuvor kannten. Die Militärs und Politiker erkennen zwar in letzter Stunde, daß es sich um einen "Sturz ins Ungewisse" handelt, um einen Krieg, den niemand gewinnen kann. Aber "da es nun einmal beschlossen ist, kann es nicht mehr geändert werden" (Moltke). Am 3. August 1914, als deutsche Truppen bereits das neutrale Belgien überfallen haben, sagt der britische Außenminister, Sir Edward Grey: "In diesem Moment gehen in Europa die Lichter aus. Wir alle werden sie in unserem Leben nie wieder leuchten sehen."

      Die Bürger Europas, von ihren Kaisern und Präsidenten manipuliert und belogen, begrüßen den Konflikt begeistert als "Stunde des Vaterlands" oder als "nationale Wiedergeburt". Zehn Millionen Männer werden den "frischen, fröhlichen Krieg" (Wilhelm II.) mit ihrem Leben bezahlen. Die großen Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn und Rußland brechen 1917/18 zusammen. Dem Krieg folgt das "Zeitalter der Extreme" (Faschismus und Bolschewismus), der verdeckte Bürgerkrieg der 20er Jahre, die revanchistischen Ressentiments, die schließlich in den nächsten Weltkrieg führen werden.

      Die Dokumentation beschreibt die große Katastrophe zum ersten Mal aus einem gesamteuropäischen Blickwinkel. Mit historischem Filmmaterial aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Rußland, Frankreich, England, Italien und den USA und mit der Perspektive neuester Forschungsergebnisse wird der "Untergang des alten Europa" dargestellt. Es zeigt sich dabei, daß die Stimmungslage und die ungelösten Spannungen vor 1914 in Europa längst auf Krieg deuteten. Das Attentat von Sarajewo war nicht mehr als ein willkommener Anlaß, diesen schon lange geplanten Krieg auszulösen. Vor allem die überlebten und zur Veränderung unfähigen Monarchien in Berlin, Wien und St. Petersburg brauchten ihn: er war, wie Historiker sagen, eine Art "Selbstmord aus Angst vor dem Tod".

      Themenschwerpunkt "Europas letzter Sommer 1914"

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      Montag, 02.07.12
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
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