• 13.06.2021
      23:30 Uhr
      Don't Come Knocking Spielfilm Deutschland / Frankreich / USA 2005 - Thema: Hommage an Wim Wenders | SWR Fernsehen BW
       

      Der alternde Film-Cowboy Howard galoppiert auf seinem Mustang durch die Wüste von Nevada; er ist mal gerade eben abgehauen vom Set seines neuen Films. Verfolgt von dem penetranten Versicherungsagenten Sutter, besucht er nach 30 Jahren das erste Mal seine Mutter, die ihm erzählt, dass er ein Kind hat. Die Suche nach diesem "Kind", das mittlerweile ein junger Mann ist, wird zu einer turbulenten Suche nach sich selbst. Bald entdeckt er, dass der eigentliche Grund für seinen "Ausflug" die eine große Angst vor Einsamkeit und Heimatlosigkeit war - und dass er gar nicht so allein auf der Welt ist, wie er dachte ...

      Sonntag, 13.06.21
      23:30 - 01:30 Uhr (120 Min.)
      120 Min.
      VPS 00:00
      Stereo

      Der alternde Film-Cowboy Howard galoppiert auf seinem Mustang durch die Wüste von Nevada; er ist mal gerade eben abgehauen vom Set seines neuen Films. Verfolgt von dem penetranten Versicherungsagenten Sutter, besucht er nach 30 Jahren das erste Mal seine Mutter, die ihm erzählt, dass er ein Kind hat. Die Suche nach diesem "Kind", das mittlerweile ein junger Mann ist, wird zu einer turbulenten Suche nach sich selbst. Bald entdeckt er, dass der eigentliche Grund für seinen "Ausflug" die eine große Angst vor Einsamkeit und Heimatlosigkeit war - und dass er gar nicht so allein auf der Welt ist, wie er dachte ...

       

      Mitten in den Dreharbeiten zu seinem neuesten Western verlässt der alternde Star Howard nach einer durchzechten Nacht das Filmset und fährt zu seiner Mutter, die immer noch in seiner Heimatstadt Elko in Nevada lebt. Dort erfährt er, vor gut 30 Jahren Vater geworden zu sein. Howard, vom Alkohol gezeichnet, seiner Karriere überdrüssig, entschließt sich, nach Butte in Montana zu fahren, um seinen Sohn zu finden. Dort hatte seine Karriere mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Western begonnen, und dort hatte er eine Affäre mit der Kellnerin Doreen, die er nach Drehschluss nie wiedergesehen hat.

      Earl, der längst kein Kind mehr ist, wird durch die Begegnung mit seinem leiblichen Vater ziemlich aus der Bahn geworfen. Inzwischen ist auch das Mädchen Sky in Butte angekommen, die dort die Asche ihrer Mutter beerdigen will. Auch sie ist ein Kind Howards, von dem er nichts wusste, da er ihre Mutter nur für eine Nacht getroffen hatte. Doch bevor er sich seinen beiden Kindern annähern kann, wird er von dem Versicherungs-Detektiv Sutter gefunden, der sich sofort nach seinem Verschwinden an die Verfolgung gemacht hatte, denn die Versicherungssumme für einen ausgefallenen Hauptdarsteller ist ein kleines Vermögen. Sutter entführt ihn kurzerhand und bringt ihn zurück ans Set. Doch Howard hat durch den Umstand, plötzlich der Vater zweier erwachsener Kinder zu sein, seine Lebenskrise überwunden und nimmt mit Kraft die unterbrochenen Dreharbeiten wieder auf. Er ist kein verzweifelter Mann mehr.

      Wim Wenders sagt selbst, dass er am meisten aus der Malerei schöpfe. Seine Affinität zu stilistisch perfektionierten Bildern zeigt sich stets, doch "Don't Come Knocking" ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark sich Wenders auf die Visualität etwa eines Edward Hoppers beruft. Er erzählt weniger eine Geschichte mit Bildern, als dass er dem Zuschauer ein visuell-narratives Kunstwerk vorführt. "Don't Come Knocking", 2005 nominiert für die Goldene Palme und den Europäischen Filmpreis, macht vor allem mit seiner außergewöhnlichen Farbigkeit und den ikonenhaften Bildeinstellungen auf sich aufmerksam.

      Zum 70. Geburtstag des Regisseurs - dessen letzter Film "Every Thing Will Be Fine" alles andere als ein müdes Alterswerk ist - zeigt ARTE einige seiner wichtigsten Filme und zwei seiner kürzesten: "Silver City" über den Sommer '68 in München, und "Polizeifilm", bereits ein typischer Wenders, insofern als er von eigenen Vorlieben ausgeht - hier: das Comic-Lesen, um Kritik an den Methoden der bayerischen Polizei zu üben.

      "Im Lauf der Zeit" wird vom 1. Juli bis 31. Oktober 1975 entlang der DDR-Grenze gedreht von Lüneburg nach Hof. Das in Schwarz-Weiß gedrehte Roadmovie handelt außer von Männerfreundschaft und der Auseinandersetzung mit der Kindheit auch vom Kinosterben im Zonenrandgebiet und Wenders persönlichen Kinovorlieben, schreibt also auch eine subjektive Geschichte des Films von der Stummfilmzeit an.

      Mit seiner neuen Firma Road Movies dreht Wenders 1977 "Der amerikanische Freund" nach einem Roman von Patricia Highsmith. Darin lässt er seine von Bruno Ganz und Dennis Hopper gespielten Figuren sich aufreiben in einem atemlose Hin- und Her zwischen Hamburg, Paris und New York. Diese Hommage an das amerikanische Gangsterkino ist Wenders' internationaler Durchbruch. Wenders zieht daraufhin nach Amerika.

      Der mit der Goldenen Palme ausgezeichnete "Paris, Texas" (1984) steht am Ende dieser Zeit und reflektiert Wenders' Erfahrungen mit dem Filmemachen in der Traumfabrik Hollywood. "Paris, Texas" vereint die kühle Distanz des Denkens deutscher Autorenfilmer mit der intensiven Nähe der Gefühle des Hollywoodfilms - und ist keine Spur gealtert, geht immer noch unter die Haut.

      Wie die meisten Regisseure des Neuen deutschen Films war Wenders zunächst Filmkritiker. 1985 reist er nach Tokio auf den Spuren des von ihm verehrten Yasujiro Ozu und verfasst ein "filmisches Tagebuch" (Wenders), einen Essay-Film über das Filmemachen, in dem auch Werner Herzog und Chris Marker vorkommen: "Tokyo-Ga" (1985).
      "Don't Come Knocking" (2005) ist nach "Paris, Texas" eine neue Zusammenarbeit mit Sam Shepard, der das Buch schreibt und gleich selbst die Hauptrolle eines alternden Cowboy-Darstellers spielt, der sich aufmacht, seine Familie zu suchen. Der Film, dessen Stoff dem eines Dramas gereichen würde, überrascht durch seine Situationskomik. Der Soundtrack spiegelt Wenders' Begeisterung für die Musik und die ikonenhaften Einstellungen von ungewöhnlicher Farbigkeit, für die Kameramann Franz Lustig den Europäischen Filmpreis erhielt. Die poetischen Bilder sind eine Hommage von Wenders an die Malerei im Allgemeinen und Edward Hopper im Besonderen.

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      23:30 - 01:30 Uhr (120 Min.)
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