• 09.11.2018
      20:15 Uhr
      100 Jahre Weimarer Republik Zeitenwende 1918 - phoenix-Thema: "100 Jahre Weimarer Republik - Zeitenwende 1918" | PHOENIX
       

      100 Jahre nach der ersten deutschen Demokratie begibt sich Fernsehhistoriker Prof. Guido Knopp auf Spurensuche an geschichtlich bedeutsame Orten in Deutschland. In ausführlichen Gesprächen mit Fachleuten und Nachfahren von politischen Akteuren möchte er mehr über die erste deutsche Republik erfahren: Wie wird die Weimarer Republik heute in der Gesamtschau der deutschen Geschichte bewertet? Was erinnert heute noch an die Weimarer Republik? Was verbindet uns mit der ersten deutschen Demokratie? Und welche Aktualität hat die Geschichte der Weimarer Republik? Haben wir vielleicht wieder "Weimarer Verhältnisse"?

      Freitag, 09.11.18
      20:15 - 21:15 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      100 Jahre nach der ersten deutschen Demokratie begibt sich Fernsehhistoriker Prof. Guido Knopp auf Spurensuche an geschichtlich bedeutsame Orten in Deutschland. In ausführlichen Gesprächen mit Fachleuten und Nachfahren von politischen Akteuren möchte er mehr über die erste deutsche Republik erfahren: Wie wird die Weimarer Republik heute in der Gesamtschau der deutschen Geschichte bewertet? Was erinnert heute noch an die Weimarer Republik? Was verbindet uns mit der ersten deutschen Demokratie? Und welche Aktualität hat die Geschichte der Weimarer Republik? Haben wir vielleicht wieder "Weimarer Verhältnisse"?

       

      Am 9. November 1918 ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die erste deutsche Republik aus. Der junge Staat befindet sich von Anbeginn in einer Dauerkrise: Straßenkämpfe, politische Morde, Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit bestimmen den Alltag. Hinzu kommen die Reparationszahlungen an die Siegermächte des Ersten Weltkrieges, die die wirtschaftliche Lage Deutschlands massiv beeinflussen. Und nicht zuletzt sind die ständigen Regierungswechsel denkbar schlechte Voraussetzungen für ein Gelingen des ersten demokratischen "Experiments" auf deutschem Boden. Die Folge: Nur 14 Jahre nach ihrer Gründung endet die Weimarer Republik in der nationalsozialistischen Diktatur.

      Im Nationaltheater in Weimar schildert der Politologe Prof. Michael Dreyer (Universität Jena, Forschungsstelle Weimarer Republik) die schwierigen Anfänge des jungen Staates, die gewaltige Hypothek des Kaiserreiches und des Ersten Weltkrieges. Mit der Enkelin des ehemaligen Reichskanzlers und Friedensnobelpreisträgers Gustav Stresemann, Dr. Christine Stresemann, spricht Guido Knopp über den Einfluss der Weimarer Verfassung auf das Grundgesetz der Bundesrepublik. Die heutige Bundesrichterin nennt Parallelen, aber auch bedeutende Unterschiede in den beiden Verfassungen. Wie sich zum Beispiel die Rollen des jeweiligen Staatsoberhauptes in der Weimarer Republik und in der Bundesrepublik unterscheiden erläutert der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff ebenfalls im Interview mit Knopp.

      Während die phoenix-"Zeitreise" in der Heidelberger Friedrich-Ebert-Gedenkstätte bei einem Besuch der Geburtswohnung die Herkunft des ersten deutschen Reichspräsidenten erfahrbar macht, ist das kulturelle Erbe Weimars im Filmstudio Babelsberg noch immer zu spüren. Am Drehort für die Fernsehserie "Babylon Berlin" beschreibt Regisseur Henk Handloegten die Inspiration der Weimarer Zeit auf das filmische Großprojekt.

      Wie wichtig und wertvoll die Weimarer Republik für die deutsche Demokratiegeschichte ist, wird im Laufe der phoenix-Zeitreise verdeutlicht. Ihr Schicksal mahnt, wie fragil Demokratie und Freiheit sind - Fragen, Themen und Probleme, die auch heute von großer Aktualität sind.

      phoenix-Thema: "100 Jahre Weimarer Republik - Zeitenwende 1918"

      Der 9. November ist ein geschichtsträchtiges Datum in der deutschen Vergangenheit: Ausrufung der Weimarer Republik 1918, Reichspogromnacht 1938, Fall der Berliner Mauer 1989. Jetzt blickt phoenix in einer aufwendig produzierten "Zeitreise" mit Guido Knopp auf die besondere historische Epoche der Weimarer Republik. Anette Kothe, Autorin des Dokumentarfilms, im Interview.

      Wie kam es dazu, diesen Film zusammen mit Guido Knopp zu machen?

      Anlass für die ausführliche Beschäftigung mit der ersten deutschen Demokratie war nicht nur der 100. Jahrestag der Ausrufung der Republik. Immer häufiger werden ja jetzt vermeintliche Parallelen zur Weimarer Republik entdeckt und Vergleiche gezogen: Sei es bei der langwierigen Regierungsbildung im vergangenen Jahr, durch eine neu in den Bundestag gewählte rechtspopulistische Partei oder durch die stark zunehmende Kritik an Parteien, demokratischen Institutionen und den etablierten Medien. Nicht zuletzt haben die Ausschreitungen in Chemnitz die Diskussionen um die Stabilität und Wehrhaftigkeit unserer Demokratie als ein Dauerthema fortgeführt. Dem wollten wir genauer auf den Grund gehen.

      Da phoenix das Format "Zeitreise" schon zu den historischen Themen "100 Jahre Erster Weltkrieg", "Stunde Null" (1945) und "Rätsel RAF-Terror" mit Professor Knopp produziert hatte, lag es nahe, auch diese Ausgabe mit dem bekannten und versierten TV-Historiker zu realisieren.

      Was sind die wichtigsten Lehren aus der Zeit der Weimarer Republik, aus den Zeiten der "Weimarer Verhältnisse"?

      Der Film verdeutlicht, dass die Weimarer Republik ein wichtiger und wertvoller Teil der deutschen Demokratiegeschichte ist. Das Schicksal der Weimarer Republik zeigt, wie fragil Demokratie und Freiheit sind - und wie wichtig das Engagement jedes Einzelnen hierfür ist, gerade auch heute.

      In den Jahren des Scheiterns der Weimarer Republik erfuhren rechte politische Strömungen starken Zuspruch der Bevölkerung. Weshalb sahen die Menschen damals in der etablierten politischen Klasse keine Zukunft?

      Das ist ein weites Feld, es gibt zu der Geschichte der Weimarer Republik rund 7000 Bücher.

      Die junge Republik befindet sich schon von Anbeginn in einer Dauerkrise. Aufstände von links und rechts, Reparationszahlungen an die Siegermächte des Ersten Weltkrieges, Hyperinflation, Massenarbeitslosigkeit und ständige Regierungswechsel bestimmten den Alltag. Auf diesem Nährboden konnten dann extremistische Strömungen und Propaganda gedeihen. In der Dokumentation stellt Professor Dreyer von der Uni Jena heraus, dass vor allem eine mangelnde Unterstützung der Eliten die Republik und Demokratie zerstört hat. Dies ist zum Glück in der heutigen Bundesrepublik anders.

      Film von Anette Kothe

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 14.11.2018