• 24.02.2015
      15:15 Uhr
      Wir Kriegskinder Wie die Angst in uns weiter lebt | PHOENIX
       

      "Ich finde meine Mutter. Sie blutet am Kopf und das Blut läuft an ihr runter und sie liegt da. Die Tür geht auf und die Russen kommen schon wieder rein. Ich muss meine Mutter schnell retten." Urplötzlich, von einem Tag auf den anderen, bricht der Kriegsschrecken erneut mit aller Macht über Elfriede herein. Die 80-Jährige war noch ein Kind im Zweiten Weltkrieg. Ihre traumatischen Erfahrungen verdrängte sie jahrzehntelang, denn sie musste funktionieren als Mutter und Ehefrau. Da war kein Platz für Vergangenheitsbewältigung. Elfriede ist eines von vielen Kriegskindern, bei denen das alte Trauma im hohen Alter wieder aufbricht.

      Dienstag, 24.02.15
      15:15 - 16:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      "Ich finde meine Mutter. Sie blutet am Kopf und das Blut läuft an ihr runter und sie liegt da. Die Tür geht auf und die Russen kommen schon wieder rein. Ich muss meine Mutter schnell retten." Urplötzlich, von einem Tag auf den anderen, bricht der Kriegsschrecken erneut mit aller Macht über Elfriede herein. Die 80-Jährige war noch ein Kind im Zweiten Weltkrieg. Ihre traumatischen Erfahrungen verdrängte sie jahrzehntelang, denn sie musste funktionieren als Mutter und Ehefrau. Da war kein Platz für Vergangenheitsbewältigung. Elfriede ist eines von vielen Kriegskindern, bei denen das alte Trauma im hohen Alter wieder aufbricht.

       

      Man nennt sie Trigger - Alltagserfahrungen, die die schrecklichen Bilder und beängstigenden Gefühle auslösen: Gerüche, Töne, Berührungen oder auch verunsichernde Lebensveränderungen machen den Weg frei für das verdrängte Leid. Angehörige und Pfleger in Seniorenheimen stehen diesen Retraumatisierungen oft hilflos gegenüber. "Wir hatten mal eine Bewohnerin, die hat bei der Intimpflege immer 'Nicht schon wieder! Nicht schon wieder' geschrien. Ich denke, die ist im Krieg vergewaltigt worden", erzählt eine Altenpflegerin.

      Ein Drittel der deutschen Rentner wurde im Krieg schwer traumatisiert. Viele von ihnen sind den im Alter wieder auftauchenden Bildern und Kriegserinnerungen hilflos ausgeliefert. Aber nicht nur die Kriegskinder haben mit den Erlebnissen aus dem zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Auch deren Kinder, die so genannten Kriegsenkel, bleiben nicht verschont. "Ich glaube, dass mein Vater das, was er als Kind erleiden musste, unbewusst an mich weitergetragen hat." Frank und seine Schwestern sind sich sicher, dass das Kriegstrauma des Vaters die Familie geprägt und über Jahrzehnte unbemerkt schweren Schaden angerichtet hat. Der Vater wie auch die Kinder leiden unter Angststörungen und Depressionen. Wissenschaftliche Studien belegen die Hypothese der Geschwister: Die Ursache für psychische Erkrankungen bei Kindern können die Kriegserlebnisse ihrer Eltern sein. Das Trauma der beiden Weltkriege wird vererbt und prägt seit Jahrzehnten deutsche Familien.In eindringlichen Gesprächen mit den Betroffenen zeigt die Autorin Dorothe Dörholt die späten Folgen des Krieges in deutschen Familien. Wie haben die grausamen Erfahrungen die deutsche Psyche geprägt?

      "Wir Kriegskinder" dokumentiert jedoch auch Wege aus dem Trauma und zeigt Familie Schulz auf ihrer emotionalen Reise in die Vergangenheit ins ehemalige Ostpreußen. Die Kamera ist ein stiller Beobachter, wenn Elfriede von Ängsten überwältigt wird und in einer Trauma-Behandlung mit einer Psychologin die grausamen Erlebnisse neu durchleben muss. Der Film zeigt, dass das Leben von uns allen, die wir im 20. Jahrhundert geboren wurden, überschattet ist vom Trauma des Zweiten Weltkrieges, auch wenn wir ihn nicht am eigenen Leib erfahren haben. Denn in den Seelen der Nachkommen ist der Krieg noch nicht vorbei.

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      Dienstag, 24.02.15
      15:15 - 16:00 Uhr (45 Min.)
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