• 05.02.2014
      18:00 Uhr
      Wer pflegt unsere Eltern? Personalnotstand im Seniorenheim | phoenix
       

      Schon das fünfte Vorstellungsgespräch an diesem Tag. Heidi Obermeier braucht jetzt erst einmal eine Zigarette, dann geht es gleich weiter. Sie sucht Pflegekräfte für die Seniorenheim-Kette "Münchenstift" der bayerischen Landeshauptstadt: Azubis und examinierte Altenpflegerinnen. Ein Fulltimejob ist das und ein ungeheurer Kraftakt. "Wir haben immer freie Stellen", sagt Heidi Obermeier. "Immer." Doch in Deutschland finden sich nicht genügend Bewerber, und so muss sie hinaus in die Welt. Personal-Akquise in Spanien, Rumänien, Bosnien. "Ohne ausländische Mitarbeiter müssten wir ganze Etagen schließen."

      Mittwoch, 05.02.14
      18:00 - 18:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Schon das fünfte Vorstellungsgespräch an diesem Tag. Heidi Obermeier braucht jetzt erst einmal eine Zigarette, dann geht es gleich weiter. Sie sucht Pflegekräfte für die Seniorenheim-Kette "Münchenstift" der bayerischen Landeshauptstadt: Azubis und examinierte Altenpflegerinnen. Ein Fulltimejob ist das und ein ungeheurer Kraftakt. "Wir haben immer freie Stellen", sagt Heidi Obermeier. "Immer." Doch in Deutschland finden sich nicht genügend Bewerber, und so muss sie hinaus in die Welt. Personal-Akquise in Spanien, Rumänien, Bosnien. "Ohne ausländische Mitarbeiter müssten wir ganze Etagen schließen."

       

      Das Wort vom "Pflege-Notstand" macht die Runde. Immer mehr Menschen werden immer älter, immer mehr werden zu Pflegefällen. 2,5 Millionen sind es heute, 2050 werden es über vier Millionen sein, schätzen Experten. "Schon jetzt fehlen mindestens 30 000 Beschäftigte", sagt der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann. Bis 2030, so der Pflegereport der Bertelsmann-Stiftung, könnten bundesweit bis zu 500 000 Altenpfleger fehlen.

      Für Djordje Krstic würde sich ein Traum erfüllen, wenn er in Deutschland arbeiten dürfte. Examinierte Pflegefachkraft, Grundkenntnisse in Deutsch - der junge Serbe erfüllt alle Kriterien, die die Stellenanzeige forderte. Und so ist er an diesem Morgen aus seinem Dorf in die Hauptstadt Belgrad gereist und hat sich in die lange Schlange all derer gereiht, die auf ihr Vorstellungsgespräch mit den Deutschen warten.

      Die Vermittlung soll drei Seiten Vorteile bringen: Serbien hätte einen Arbeitslosen weniger, Deutschland einen Altenpfleger mehr, und Djordje Krstic eine Zukunft. Er liebe sein Heimatland, sagt er, aber er habe dort keine Chance. "In Serbien bekommt nur derjenige Arbeit, der schmiert. Unter 5000 Euro für eine Stelle geht gar nichts." Werden die deutschen Arbeitsvermittler Djordje eine Stelle anbieten? Vielleicht sogar eine in München? Das wäre nicht gar so weit weg von zuhause.

      85 Bosnier sind schon da. Heidi Obermeier hat sie eingestellt - Fachkräfte und Azubis. Das entspannt die Dienstpläne in den Pflegeheimen der "Münchenstift", doch es reicht bei weitem nicht. "Wir müssen hinter den Kulissen gewaltig rotieren, damit wir keinen Pflegebedürftigen abweisen müssen, weil wir ihn nicht versorgen können", sagt sie. "Der Konkurrenzkampf um Personal ist groß. In ganz Deutschland fehlen Pflegekräfte, in England, in Schweden, überall." Und so plant sie schon die nächste Rekrutierungsreise. Dieses Mal heißt ihr Ziel Georgien.

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      Mittwoch, 05.02.14
      18:00 - 18:30 Uhr (30 Min.)
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