• 04.07.2013
      12:00 Uhr
      THEMA: Machtkampf in Ägypten Moderation: Stephan Kulle | phoenix
       

      In Ägypten spitzt sich die Lage zu: Wohin treibt das bevölkerungsreichste Land Arabiens? PHOENIX zeigt die Hintergründe der aktuellen politischen Auseinandersetzung und fasst die Entwicklungen der letzten Stunden aktuell zusammen.

      Donnerstag, 04.07.13
      12:00 - 13:15 Uhr (75 Min.)
      75 Min.
      Stereo

      In Ägypten spitzt sich die Lage zu: Wohin treibt das bevölkerungsreichste Land Arabiens? PHOENIX zeigt die Hintergründe der aktuellen politischen Auseinandersetzung und fasst die Entwicklungen der letzten Stunden aktuell zusammen.

       
      • Mursi vom Militär abgesetzt

      Das ägyptische Militär hat den gewählten Präsidenten Mohammed Mursi abgesetzt. Am Abend sind vereinzelt gepanzerte Fahrzeuge in Kairo aufgefahren, insbesondere in den Hochburgen der Anhänger der Muslim-Brüder, aus deren Reihen Mursi als Präsident nach der Wahlen vor einem Jahr hervorgegangen war.

      Auf dem Tahrir-Platz in Kairo feierte eine große Menschenmenge die Entscheidung des Generalstabes unter dem Verteidigungminister Abdel Fattah al-Sisi. Mursi war es in seiner einjährigen Regierungszeit nicht gelungen, das Vertrauen seines Volkes zu erlangen. Im Gegenteil: Auch viele seiner früheren Wähler zeigten sich enttäuscht, weil sie den Eindruck hatten, Mursi und den Muslim-Brüdern sei es vor allem um die Festigung der eigenen Macht gegangen und nicht um das Wohl Ägyptens.

      Al-Sisi hatte in einer Erklärung des Militärs im ägyptischen Fernsehen gegen 21.30 Uhr bekannt gegeben, dass die Verfassung außer Kraft gesetzt sei und eine Übergangsregierung unter der Leitung des Präsidenten des Verfassungsgerichtes gebildet werden solle. Er kündigte baldige (Neu-)Wahlen an. Ziel des Eingreifens der Armee sei es, einen Ausgleich zwischen den gesellschaftlichen Gruppen Ägyptens herbeizuführen.

      Der Erklärung vorausgegangen waren Gespräche mit wichitigen Vertretern der politischen und religiösen Gruppen Ägyptens, zu denen auch die Vertreter der Muslim-Brüder eingeladen waren, die diese Einladung jedoch ausgeschlagen hatten. Im Fernsehen traten neben Al-Sisi auch Ahmed al-Tajjib, der Großscheich der Al-Azhar-Universiität und damit höchste religiöse Autorität des sunnitischen Islams, und der koptische Papst Tawadros II. auf, die beide die Argumente des Militärs stützten und eine Aussöhnung der Gesellschaft erwarteten.

      Agenturberichten zu Folge sichert das Militär auf verschiedene Weise das Gelingen dieses Putsches ab, der von großen Teilen der Bevölkerung gut geheißen wird. Der vermutete Aufenthaltsort von Mursi soll von Armeeeinheiten abgeriegelt sein. Rund um die Versammlungen von Mursis Anhängern sei eine hohe Militärpräsenz zu beobachten und die islamistischen und salafistischen Fernsehsender seien abgeschaltet worden, berichten unter anderem reuters und dpa.

      Ein Vertrauter Mursis sagte der Nachrichtenagetur AFP, der Präsident rufe zu friedlichem Widerstand gegen seine Absetzung auf.

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