• 06.05.2013
      10:15 Uhr
      Atomfriedhof Arktis Dokumentation Deutschland 2013 | arte
       

      Radioaktive Abwässer, strahlenden Abfall und brisanten Atommüll entsorgte Russland bis 1992 ganz regulär in der Arktischen See. Und auch die marode Nordmeerflotte wurde hier samt eines nicht mehr brauchbaren Atom-U-Bootes versenkt. Bis heute liegt es neben zwei weiteren, bei Unglücken gesunkenen Booten samt gefährlicher radioaktiver Atomwaffen rostend auf dem Grund der Arktis. Sie bilden eine atomare Zeitbombe, auch wenn offizielle russische Stellen eine akute Gefahr hartnäckig leugnen.

      Montag, 06.05.13
      10:15 - 10:40 Uhr (25 Min.)
      25 Min.
      Stereo HD-TV

      Radioaktive Abwässer, strahlenden Abfall und brisanten Atommüll entsorgte Russland bis 1992 ganz regulär in der Arktischen See. Und auch die marode Nordmeerflotte wurde hier samt eines nicht mehr brauchbaren Atom-U-Bootes versenkt. Bis heute liegt es neben zwei weiteren, bei Unglücken gesunkenen Booten samt gefährlicher radioaktiver Atomwaffen rostend auf dem Grund der Arktis. Sie bilden eine atomare Zeitbombe, auch wenn offizielle russische Stellen eine akute Gefahr hartnäckig leugnen.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Thomas Reutter

      Die Arktische See ist das weltweit wichtigste Fanggebiet für Kabeljau. Von hier kommt auch Fisch nach Europa. Doch auf dem Meeresboden lauern Gefahren. Versunkene Atom-U-Boote liegen hier, Tausende Metallkisten voller radioaktiver Abfälle, ganze Kernreaktoren, manche davon noch mit abgebrannten Brennelementen bestückt. Die russische Nordmeerflotte entsorgte ihre Nuklearabfälle im Eismeer in geringen Tiefen. Weit ab von jeder kritischen Öffentlichkeit verschwand das strahlende Erbe des Atomzeitalters in den Fjorden zwischen Norwegen und Russland. Wahrscheinlich wurde nicht einmal alles verzeichnet, was bei den geheimen, militärischen Verklappungsaktionen auf den Grund der Arktischen See befördert wurde.

      Internationale Wissenschaftlerteams versuchen inzwischen, die Versenkungsstellen zu orten und Karten zu erstellen. Das Gefährlichste sind wohl drei alte sowjetische Atom-U-Boote, die hier auf Grund liegen. Die Außenhüllen der U-Boote rosten erschreckend schnell. Unterwasseraufnahmen zeigen Risse in den Bordwänden. An vielen Stellen kann das aggressive Salzwasser in die Boote eindringen. Messungen zeigen: Schon seit langem entweicht Radioaktivität. Sollte Wasser in die heiße Zone der Reaktoren eindringen, so warnen russische Experten, könnte es zu einer nicht mehr kontrollierbaren Kettenreaktion kommen.

      Russische Beamte haben in einem Bericht, der nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, empfohlen, zwei der drei Atom-U-Boote bis spätestens 2014 zu bergen. Aber geht das überhaupt so schnell? Der Aufwand wäre enorm, die Aktion riskant. Wenn der Rumpf bricht, könnten die Reaktoren beschädigt werden. Doch bis heute liegt kein Auftrag der russischen Regierung für eine Bergung vor. Es bestehe "keine akute Gefahr", so die amtliche Sprachregelung. Doch interne russische Regierungsdokumente zeigen: In Wahrheit steht eine Umweltkatastrophe bevor.

      Vor den Küsten Europas tickt eine Zeitbombe. 114.726 Tonnen Atommüll liegen dort - ein Endlager auf dem Meeresgrund. Amtliche Dokumente belegen, dass an 15 Stellen 222.732 Fässer verklappt wurden. Bis 1982 versenkten neun europäische Staaten schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Nordostatlantik, darunter auch Deutschland. Der Themenabend zeigt die Stellen, an denen die atomaren Altlasten liegen, und deckt auf, was aus dem vergessenen Endlager im Meer geworden ist.
      Außerdem wirft er einen Blick auf den "Atomfriedhof Arktis" und dokumentiert, dass Russland bis 1992 hoch radioaktiven Atommüll und sogar ein ausrangiertes Atom-U-Boot samt Kernwaffen an Bord im Eismeer versenkte.

      Aus heutiger Sicht ist es die wohl größte Umweltsünde in Europa, die je von Regierungen begangen wurde. Die Verklappung von Atommüll, also dessen Verbringung in Gewässer, war nicht nur legal, sondern galt sogar als sicheres "Entsorgungskonzept". Die Verantwortlichen gingen davon aus, dass der radioaktive Abfall in 4.700 Metern Tiefe sicher "beseitigt" sei. Man nahm an, dass eventuell ausdringende, radioaktive Stoffe im Ozean "verdünnt" würden. Heute ist die "Verdünnung" von radioaktiven Abfällen verboten, weil die Radioaktivität dabei nicht verringert, sondern unkontrolliert verteilt wird. Freigesetzte Isotope gelangen über die Nahrungskette auch aus einer Tiefe von mehr als 5.000 Metern hinauf in Fischfangzonen. Seit 1995 ist das Versenken von Atommüll weltweit verboten. Inzwischen wurde in den Versenkungsgebieten in Wasserproben Plutonium 238 nachgewiesen. Wenige Millionstel Gramm Plutonium im Körper sind für den Menschen tödlich. Welche Gefahren gehen heute von diesen Fässern aus?

      Auch die Russen versenkten strahlenden Abfall und radioaktive Abwässer ganz regulär in der Arktischen See, bis 1992 auch hoch radioaktiven Atommüll. Die Nordmeerflotte der Roten Armee entledigte sich sogar eines Atom-U-Bootes mit havariertem Reaktor. Und zwei sowjetische Atom-U-Boote versanken darüber hinaus bei Unglücken im Eismeer. Alle drei Boote liegen bis heute auf dem Grund der Arktis. Unterwasseraufnahmen belegen: Rost zernagt die Schutzhüllen. Das Salzwasser dringt in das Innere ein. Offiziell räumt der Kreml keine akute Gefahr ein, doch intern schlagen russische Regierungsbeamte Alarm: Die Zeit drängt. Die versenkten Hinterlassenschaften der atomgetriebenen Nordmeerflotte drohen wichtige Fischgründe radioaktiv zu verseuchen.

      Der Themenabend nimmt sich dieser von West wie Ost begangenen Umweltsünden an.

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