• 16.10.2010
      21:05 Uhr
      Die großen Schlachten 1631 - Das Massaker von Magdeburg | arte
       

      Im Jahr 1631 tobte in Deutschland der Dreißigjährige Krieg. Magdeburg, die reiche Stadt an der Elbe, wurde schon seit Monaten belagert. In den frühen Morgenstunden des 20. Mai 1631 wurde das Signal zum Angriff gegeben.

      Samstag, 16.10.10
      21:05 - 22:00 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo

      Im Jahr 1631 tobte in Deutschland der Dreißigjährige Krieg. Magdeburg, die reiche Stadt an der Elbe, wurde schon seit Monaten belagert. In den frühen Morgenstunden des 20. Mai 1631 wurde das Signal zum Angriff gegeben.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Hannes Schuler
      Anne Roerkohl

      Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch das protestantische Magdeburg belagert. Etwa 30.000 Menschen waren in der Stadt eingeschlossen. Ihnen stand ein etwa gleich großes Heer gegenüber, das aus ungarischen, kroatischen, polnischen, italienischen, spanischen, französischen und deutschen Söldnern bestand, die für den katholischen Kaiser kämpften und seit Jahren nichts anderes mehr kannten als den Krieg. Sie waren nicht aus Überzeugung oder Frömmigkeit in diesen Glaubenskrieg gezogen, sondern um Beute zu machen. "Der Krieg ernährt den Krieg" hieß die Regel. Zahlten die besetzten Gebiete keine Kontribution, so wurden sie zur Plünderung freigegeben. Zurück blieben zerstörte Landschaften, abgebrannte Höfe und Dörfer.
      In den frühen Morgenstunden des 20. Mai 1631 wurde das Signal zum Angriff auf Magdeburg gegeben. In nur vier Tagen wurde die stolze Hansestadt restlos vernichtet. 20.000 Einwohner wurden niedergemetzelt oder starben einen qualvollen Tod in den Flammen einer sich ausbreitenden Feuersbrunst.
      Der zwölfjährige Daniel Friese, Sohn des Stadtschreibers, erlebte mit seiner Familie die Erstürmung seiner Heimatstadt. Auf der anderen Seite stand Georg Ackermann, 28 Jahre alt, Kapitän im angreifenden Söldnerheer. Er war im ersten Sturm dabei und erlebte den erbitterten Widerstand der Magdeburger Bürgerschaft. Einige gossen siedendes Wasser aus den Fenstern in die engen Gassen, andere schossen aus Kellern auf die Feinde. Viele Angreifer erlagen dem Steinhagel der wütenden Bevölkerung. Die kaiserlichen Soldaten stürmten die Häuser und töteten Zivilisten. Der katholische Feldherr Tilly erwiderte auf das Flehen einiger katholischer Offiziere, die Gräuel zu stoppen, nur knapp: "Der Soldat muss etwas haben für seine Gefahr und Mühsal." Für die katholische Seite wurde es ein Sieg der verbrannten Erde, der "Magdeburger Asche", wie die Zeitgenossen es nannten.
      Mit dem Massaker von Magdeburg wurde im Dreißigjährigen Krieg eine letzte moralische Grenze überschritten. Die Menschen in ganz Europa waren schockiert. Für Generationen war die Erstürmung Magdeburgs zum Sinnbild für die Leiden der Zivilbevölkerung und für die Verrohung der Soldaten geworden. So beispiellos war das Geschehene, dass man ein neues Wort dafür erfand: "Magdeburgisieren" wurde zum Begriff für das Grauen.

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      Samstag, 16.10.10
      21:05 - 22:00 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo

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