• 23.10.2020
      00:25 Uhr
      Zeit des Aufbruchs Fernsehfilm Frankreich 2017 | arte Tipp
       

      "Wenn man dir glauben soll, musst du sterben oder verreisen." Die Wahrheit in diesem arabischen Sprichwort erlebt der irakische Literaturprofessor Abdul am eigenen Leib. Nach der Ermordung seiner Familie durch IS-Kämpfer kommt er selbst auf der Flucht fast um. In Paris angekommen, beantragt Abdul Asyl, doch sein Antrag wird aus Mangel an Glaubhaftigkeit abgelehnt. Als Flüchtling war auch die inzwischen 35-jährige Sira als Kind aus Afrika nach Frankreich gekommen. Nun arbeitet sie für die Behörde Ofpra, das Amt für Migration, als Übersetzerin. Skrupellos lässt sie sich von Flüchtlingen für gefälschte Papiere bezahlen.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 23.10.20
      00:25 - 02:00 Uhr (95 Min.)
      95 Min.

      "Wenn man dir glauben soll, musst du sterben oder verreisen." Die Wahrheit in diesem arabischen Sprichwort erlebt der irakische Literaturprofessor Abdul am eigenen Leib. Nach der Ermordung seiner Familie durch IS-Kämpfer kommt er selbst auf der Flucht fast um. In Paris angekommen, beantragt Abdul Asyl, doch sein Antrag wird aus Mangel an Glaubhaftigkeit abgelehnt. Als Flüchtling war auch die inzwischen 35-jährige Sira als Kind aus Afrika nach Frankreich gekommen. Nun arbeitet sie für die Behörde Ofpra, das Amt für Migration, als Übersetzerin. Skrupellos lässt sie sich von Flüchtlingen für gefälschte Papiere bezahlen.

       

      In der Pariser Ofpra-Behörde, dem Amt für Migration, kommen die Mitarbeiter den Asylanträgen der vielen Flüchtlinge kaum hinterher. Die 35-jährige Sira ist selbst als junges Mädchen aus Afrika geflohen und arbeitet nun als Dolmetscherin im Amt. Doch hauptsächlich verdient sie Geld damit, Flüchtlingen neue Lebensläufe zu erfinden, damit deren Asylanträge genehmigt werden.
      Auch der Literaturprofessor Abdul aus Bagdad stellt einen Asylantrag. Bei Attentaten von IS-Kämpfern hat er seine Familie verloren und ist auf der Flucht fast selbst umgekommen. Minuziös erzählt er alle Einzelheiten der belastenden Ereignisse, aber die Ofpra-Sachbearbeiterin hält seine Geschichte vom gutherzigen Schlepper und dem unbeschadet überlebten Kugelhagel für inkohärent. Als Abdul bei seinem Bekannten, bei dem er zunächst untergekommen war, nicht mehr bleiben kann und die Ablehnung seines Asylantrags erhält, scheint er verloren in dem Land, das er aus der Ferne immer so liebte.

      Sira rät Abdul, seine Geschichte den Ofpra-Regeln entsprechend "anzupassen". Aber der Literaturprofessor weigert sich, zu lügen, und ist überzeugt, dass ein so aufgeklärtes Land wie Frankreich ihn doch aufnehmen muss.

      Gleichzeitig bittet der Malier Modibo Sira um Hilfe für sich und seine 8-jährige Tochter Assa. Er war mit dem Mädchen geflohen, um ihre Beschneidung zu verhindern. Als jedoch Assas Vater in Abschiebehaft kommt, sieht sich Sira gezwungen, das alleingelassene Mädchen aufzunehmen. Doch setzt sie alles daran, das Kind so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Sie versucht, die junge und erfolgreiche Anwältin Louise Elaoudi für Modibos Verteidigung zu gewinnen. Louise, die selbst Tochter eines algerischen Vaters ist, praktiziert aber nur Strafrecht und will den Fall des Flüchtlings nicht übernehmen.

      Durch einen Mordfall, in dem Louise den vermeintlich kurdischen Tatverdächtigen vertritt, kommt die aufstrebende Anwältin Siras gefälschten Asylanträgen auf die Spur. Doch die Aufdeckung von Siras Geschäften könnte auch Louises eigene Karriere gefährden.
      Als dann Assa, die Sira mittlerweile ans Herz gewachsen ist, vor der Polizei fliehen muss, ist es ausgerechnet Abdul, dem das kleine Mädchen in die Arme läuft ...

      Der in Zeiten der Flüchtlingskrise höchst aktuelle Fernsehfilm "Zeit des Aufbruchs" erzählt mit einem ungewöhnlichen und sensiblen Blick die Geschichte seiner drei Protagonisten, die den Aufbruch in ein neues Leben wagen. Regisseurin Virginie Sauveur erhielt bereits für ihren ersten Langfilm "Unter uns" 2003 mehrere wichtige Preise, unter anderem auf dem Festival von Saint-Jean-de-Luz. Sauveurs Film "Zeit des Aufbruchs" erhielt 2018 den FIPA-Publikumspreis in Biarritz und wurde auf dem Fernsehfestival von Luchon als bester Spielfilm ausgezeichnet. Auch das Drehbuch von Gaëlle Bellan und die Musik von Nathaniel Méchaly wurden in Luchon prämiert.

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