• 03.06.2020
      23:50 Uhr
      Waldheims Walzer Dokumentarfilm Österreich 2018 | arte
       

      1986 sorgte die Waldheim-Affäre für internationales Aufsehen: Der ehemalige UN-Generalsekretär und Anwärter für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim hatte seinen Führungsposten in der Wehrmacht verschwiegen. Ruth Beckermann war damals Teil einer Protestbewegung gegen Waldheims Kandidatur. 30 Jahre später dokumentiert die Filmemacherin mit eigenen Aufnahmen und geschickt ausgewähltem Archivmaterial, wie der Jüdische Weltkongress in New York und internationale Medien die Lücken in Waldheims Kriegsbiografie aufdeckten. Ein Film über die Mobilisierung hetzerischer Gefühle, Wahrheit und "alternativer Fakten".

      Mittwoch, 03.06.20
      23:50 - 01:25 Uhr (95 Min.)
      95 Min.

      1986 sorgte die Waldheim-Affäre für internationales Aufsehen: Der ehemalige UN-Generalsekretär und Anwärter für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim hatte seinen Führungsposten in der Wehrmacht verschwiegen. Ruth Beckermann war damals Teil einer Protestbewegung gegen Waldheims Kandidatur. 30 Jahre später dokumentiert die Filmemacherin mit eigenen Aufnahmen und geschickt ausgewähltem Archivmaterial, wie der Jüdische Weltkongress in New York und internationale Medien die Lücken in Waldheims Kriegsbiografie aufdeckten. Ein Film über die Mobilisierung hetzerischer Gefühle, Wahrheit und "alternativer Fakten".

       

      Stab und Besetzung

      Regie Ruth Beckermann

      "Waldheim nein, Waldheim nein!" skandiert eine Menschenmenge 1986 auf den Straßen Wiens. Die Filmemacherin Ruth Beckermann ist eine der AktivistInnen. Mit Kamera und Mikrofon bewaffnet will sie die Wahl Kurt Waldheims zum österreichischen Bundespräsidenten verhindern.

      Mehr als 30 Jahre später analysiert sie mit ihren eigenen Aufnahmen und einer Fülle von Archivmaterial die Waldheim-Affäre als einen Wendepunkt der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Sie rekonstruiert, wie der Jüdische Weltkongress in New York und internationale Medien nach und nach die Lücken in der Kriegsbiografie des ehemaligen österreichischen Außenministers und UN-Generalsekretärs aufdeckten: Waldheim hatte seine Tätigkeit als Offizier der Wehrmacht von 1942 bis 1944 stets verschwiegen und bestritt jede Beteiligung an NS-Verbrechen, ja selbst die damalige Kenntnis davon. Doch je massiver die Vorwürfe wurden, desto mehr verstärkte sich in Österreich die Mobilisierung eines dumpfen Wir-Gefühls mit antisemitischen Untertönen. Obwohl eigentlich alle die Wahrheit kannten, war das Land bis dahin geschickt darin gewesen, sich selbst und der Welt vorzutäuschen, Österreich sei das "erste Opfer der Nazis" gewesen.

      Auch wenn Waldheim am Ende tatsächlich zum Bundespräsidenten gewählt wurde und bis 1992 im Amt blieb, leitete sein Sieg aus heutiger Sicht seine eigentliche Niederlage ein. Er blieb während seiner gesamten Amtszeit international isoliert, und das offizielle Österreich öffnete sich endlich der längst überfälligen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

      "Waldheims Walzer" ist ein Film über Lügen, Wahrheit und "alternative Fakten". Und er zeigt die Mechanismen der Mobilisierung hetzerischer Gefühle - damals wie heute.

      Der Film wurde auf der Berlinale 2018 mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. 2019 erhielt er den Österreichischen Filmpreis.

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