• 05.03.2014
      10:30 Uhr
      Profit auf Rezept Ein Film von Klaus Balzer | ONE
       

      Manfred L. lebte jahrelang sehr gut mit seinem Blutverdünner. Dann verschrieb ihm sein Internist ein neues Präparat. Der 74-Jährige bekam Hautausschlag, schlechte Nierenwerte und Nasenbluten. Auf Anraten seiner Hausärztin setzte er das neue Medikament sofort ab, seitdem ist alles wieder in Ordnung. "45 Min" zeigt, wie Ärzte auf Kongressen beeinflusst werden, schildert die mitunter gesundheitsgefährdenden Folgen bei der Verschreibung neuer Medikamente, spricht mit Staatsanwälten, niedergelassenen Ärzten und der AOK. Nur die Vertreter der Pharmaindustrie waren bis zum Redaktionsschluss nicht bereit, vor der Kamera Auskunft zu geben.

      Mittwoch, 05.03.14
      10:30 - 11:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Manfred L. lebte jahrelang sehr gut mit seinem Blutverdünner. Dann verschrieb ihm sein Internist ein neues Präparat. Der 74-Jährige bekam Hautausschlag, schlechte Nierenwerte und Nasenbluten. Auf Anraten seiner Hausärztin setzte er das neue Medikament sofort ab, seitdem ist alles wieder in Ordnung. "45 Min" zeigt, wie Ärzte auf Kongressen beeinflusst werden, schildert die mitunter gesundheitsgefährdenden Folgen bei der Verschreibung neuer Medikamente, spricht mit Staatsanwälten, niedergelassenen Ärzten und der AOK. Nur die Vertreter der Pharmaindustrie waren bis zum Redaktionsschluss nicht bereit, vor der Kamera Auskunft zu geben.

       

      Manfred L. hatte seinem Internisten vertraut. Was er nicht wusste: Das neue Präparat ist 18-mal teurer als sein altes Medikament.

      Neue Medikamente, so Kritiker, würden oft mit aller Macht von den Pharmaunternehmen auf dem Markt gedrückt und mithilfe einiger Ärzte den Patienten verschrieben, nicht immer zu deren Vorteil.

      Vom Einfluss der Pharmaindustrie auf die Ärzteschaft berichtet dieser Film. NDR-Autor Klaus Balzer hat u. a. einen Anästhesisten-Kongress auf Sylt besucht. Mehr als 1000 Mediziner wurden schon am Eingang vom wuchtigen Infostand eines Pharma-Riesen empfangen, mit Werbegeschenken. Kugelschreibern, Taschen, Schreibblöcken - alles versehen mit dem Aufdruck eines Medikaments, an das sich die Ärzte in der Praxis erinnern sollen. Viele Ärzte griffen zu.

      "Man darf die Wirkung dieser Werbekampagnen nicht unterschätzen", warnt Prof. Arnold Ganser, Chefarzt für Onkologie in der Medizinischen Hochschule Hannover. Er selbst hat sich früher auch von Pharmaunternehmen zu Kongressen einladen lassen, bis er merkte, dass dahinter ein fragwürdiges System steckt. Mittlerweile engagiert Ganser sich in der pharmakritischen Mediziner-Organisation MEZIS ("Mein Essen zahl ich selbst"). Pharmavertreter haben auf seiner Station keinen Zutritt mehr.

      Konzerne lassen sich ihre Kampagnen viel kosten. Die Marketingetats sind oft dreimal höher als die Investitionen in die Forschung. Außerdem erhalten Ärzte, die neuartige Medikamente verschreiben, mitunter für die Beobachtung der Wirkung eines Medikaments bis zu 600 Euro pro Patient. "Allein dafür, dass sie einen von der Industrie erstellten, völlig nutzlosen Beobachtungsbogen ausfüllen", moniert Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

      2012 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Kassenärzte, die Geld als Gegenleistung für die Verschreibung von Arzneimitteln nehmen, sich nicht wegen Bestechlichkeit strafbar machen. Grund: Kassenärzte seien keine Amtsträger wie Beamte oder angestellte Ärzte von Universitätskliniken, insofern greife hier das Strafgesetzbuch nicht. Der BGH hat den Gesetzgeber aber aufgefordert, entsprechende Regelungen auch für niedergelassene Ärzte zu schaffen - bisher ohne Ergebnis.

      Aus der Reihe "45 Min"

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