• 14.07.2018
      07:30 Uhr
      Sehen statt Hören Wochenmagazin für Hörgeschädigte | Radio Bremen TV
       

      Gehörlos geboren in den 70ern - Susanne Pufhan - Porträt einer ungewöhnlichen Familie

      Die Eltern von Susan sind geschockt, als bei ihrer Tochter Taubheit diagnostiziert wird. Gebärdensprache war damals verpönt. Beratung gab es keine. Die Kommunikation mit Susan bleibt auf lange Zeit stark eingeschränkt, die Eltern sollen sie lautsprachlich fördern. Ohne eine Möglichkeit, sich zu äußern und verständlich zu machen, wird Susan ein schwieriges und aggressives Kind. Durch Zufall kommt Susans Mutter in Kontakt mit Gebärdensprache: der Schlüssel zur Kommunikation. Ein langer, steiniger und für die damalige Zeit ungewöhnlicher Weg ...

      Samstag, 14.07.18
      07:30 - 08:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      VPS 07:29

      Gehörlos geboren in den 70ern - Susanne Pufhan - Porträt einer ungewöhnlichen Familie

      Die Eltern von Susan sind geschockt, als bei ihrer Tochter Taubheit diagnostiziert wird. Gebärdensprache war damals verpönt. Beratung gab es keine. Die Kommunikation mit Susan bleibt auf lange Zeit stark eingeschränkt, die Eltern sollen sie lautsprachlich fördern. Ohne eine Möglichkeit, sich zu äußern und verständlich zu machen, wird Susan ein schwieriges und aggressives Kind. Durch Zufall kommt Susans Mutter in Kontakt mit Gebärdensprache: der Schlüssel zur Kommunikation. Ein langer, steiniger und für die damalige Zeit ungewöhnlicher Weg ...

       
      • Gehörlos geboren in den 70ern - Susanne Pufhan - Porträt einer ungewöhnlichen Familie

      Die Eltern von Susan Pufhan sind geschockt, als bei ihrer Tochter 1972 Taubheit diagnostiziert wird. Gebärdensprache war damals verpönt. Beratung gab es auch keine. Die Kommunikation mit Susan bleibt auf lange Zeit stark eingeschränkt, die Eltern sollen sie lautsprachlich fördern. Ohne eine Möglichkeit, sich zu äußern und verständlich zu machen, wird Susan ein schwieriges und aggressives Kind. Durch Zufall kommt Susans Mutter in Kontakt mit Gebärdensprache: für sie der Schlüssel zur Kommunikation. Ein langer, steiniger und für die damalige Zeit ungewöhnlicher Weg beginnt.

      Susanne reagierte nicht auf laute Geräusche, war in sich gekehrt - im Gegensatz zu ihrem großen Bruder Christian. Da machte sich ein Verdacht breit bei ihren Eltern Ulrich und Barbara.

      Und tatsächlich wurde bei Susanne im Alter von vier Monaten eine "an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit" festgestellt. Die Kommunikation mit Susanne bleibt auf lange Zeit stark eingeschränkt - denn die Empfehlung damals lautete, auf keinen Fall Gebärdensprache zu benutzen. Doch genau das war es, was Susanne in den nächsten Jahren zum "schwierigen Kind" werden ließ.

      "Es gab nur Körpersprache auf einfachstem Niveau wie man das so kennt: Jemanden an der Hand führen und auf etwas zeigen und so weiter. Aber irgendwann spürt man: das ist nicht genug. Mit der Zeit reagierte ich aggressiv. Klar, ich war kreuz-unzufrieden, denn keine meiner Botschaften kam an - ich kam nicht durch! Ich sah, wie mein hörender Bruder problemlos mit den Eltern sprechen konnte und bekam die Wut! Meine Eltern waren ratlos ..." Susanne Pufhan

      Durch Zufall zur Gebärdensprache

      Susannes Eltern wollen sich mit den damaligen Verhältnissen nicht abfinden. Sie suchen nach Mitteln und Wegen, eine Kommunikation zu ihrer Tochter aufzubauen. Zufällig lernt ihre Mutter eine Lehrerin kennen, die einen gehörlosen Pflegesohn hatte - und ganz selbstverständlich die Gebärdensprache benutzte. Über sie bekam Barbara Pufhan Kontakt zu anderen Eltern hörbehinderter Kinder und einer Mütter-Gruppe. Das brachte die Wende.

      "Dann bin ich erstmal allein dorthin gegangen und im Internat habe ich gesehen, dass alle gebärden. Alle benutzen Gebärdensprache, auch die Erzieherinnen können gebärden. Das war für mich ein totaler Türöffner und dann habe ich angefangen Gebärden zu lernen." - Mutter Barbara Pufhan

      Gebärdensprachkurse gab es damals nicht, also organisiert sie Privatunterricht. Denn Barbara Pufhan ist davon überzeugt, dass die Gebärdensprache der Schlüssel zu einer erfolgreichen Kommunikation mit ihrer Tochter ist. Und sie soll recht behalten: Als sie erste Gebärden einsetzt, saugt Susanne diese wie ein Schwamm auf. Endlich ist eine erste Verständigung möglich. Barbara ermöglicht ihrer Tochter Kontakt mit anderen Gehörlosen, Susan lernt gebärden und kann sich endlich verständigen und verständlich machen.

      Noch ein "Bruder"
      Als Susanne acht Jahre alt war, bekam die Familie noch einmal Zuwachs - in Form eines Pflegekindes: Detlef kam als Siebenjähriger in Susannes Internat. Klein war er und schmächtig. Als die Erzieher Susans Eltern erzählten, dass Detlef in ein Waisenhaus gehen muss, weil seine Eltern verstorben waren, reagierten die beiden sehr spontan.

      Heute selbst Mutter - und sehr engagiert
      Heute ist Susanne selbst Mutter: Sie ist mit dem ebenfalls gehörlosen Tomato verheiratet und hat mit ihm drei hörbehinderte Kinder. Susanne ist Gruppenleiterin in einer Kindertagesstätte, unterstützt hier die hörbehinderten Kinder. Doch immer noch läuft nicht alles rund für Gehörlose - auch wenn sich seit Susannes Kindheit schon enorm viel getan hat. Deshalb engagiert sich Susanne Pufhan, wie zuvor schon ihre Eltern, im Bundeselternverband gehörloser Kinder. Dort arbeitet sie nun als Gehörlose im Vorstand mit - und hat schon einiges bewegt.

      Ihren Eltern ist sie für ihr Engagement für die Gebärdensprache in liebevoller

      Dankbarkeit verbunden.

      Willkommen bei "Sehen statt Hören" - der einzigen Sendereihe in der deutschen Fernsehlandschaft, die im Bild sichtbar macht, was man sonst nur im Ton hört! Nicht im "Off", sondern im "On" werden hier die Inhalte präsentiert - mit den visuellen Mitteln des Fernsehens, Gebärdensprache und offenen Untertiteln.

      Zielpublikum sind vor allem die etwa 300.000 gehörlosen, spätertaubten oder hochgradig schwerhörigen Zuschauerinnen und Zuschauern in der Bundesrepublik, die ein solches Programm benötigen, das ihren Kommunikationsbedürfnissen entspricht und ihnen optimale Verständlichkeit ermöglicht, aber auch alle anderen, die sich von den Themen und der ungewöhnlichen Machart angesprochen fühlen.

      In wöchentlich 30 Minuten bringt das vom BR produzierte und in allen Dritten Programmen ausgestrahlte Magazin Informationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, von Arbeitswelt, Familie, Freizeit, Sport über Kunst, Kultur, Bildung, Geschichte bis hin zu politischen, sozialen, rechtlichen und behindertenspezifischen Themen.

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