• 18.05.2018
      20:15 Uhr
      die nordstory - Die Schwentineflotte Kapitäne gegen den Strom | Radio Bremen TV
       

      Das Wort "Aussteiger" hören die Menschen, die zwischen alten Kieler Werften und dem Nord-Ostsee-Kanal im Hafen von Stickenhörn auf Wohnbooten leben, gar nicht gern. Lieber sehen sie sich als Kapitäne. Sie steuern zumeist ihre letzte Lebenshälfte an. Und dazu haben sie Haus, Hof, Familie, Karriere, vor allem aber den Mainstream verlassen. Hinter der Schwentineflotte steckt eine Vision, die einmal als Protestbewegung begann, nun aber mit allem Stolz sagen kann: Es ist der einzige Hafen mit einem legalen Wohnrecht in Deutschland.

      Freitag, 18.05.18
      20:15 - 21:15 Uhr (60 Min.)
      60 Min.

      Das Wort "Aussteiger" hören die Menschen, die zwischen alten Kieler Werften und dem Nord-Ostsee-Kanal im Hafen von Stickenhörn auf Wohnbooten leben, gar nicht gern. Lieber sehen sie sich als Kapitäne. Sie steuern zumeist ihre letzte Lebenshälfte an. Und dazu haben sie Haus, Hof, Familie, Karriere, vor allem aber den Mainstream verlassen. Hinter der Schwentineflotte steckt eine Vision, die einmal als Protestbewegung begann, nun aber mit allem Stolz sagen kann: Es ist der einzige Hafen mit einem legalen Wohnrecht in Deutschland.

       

      Etwa zehn Menschen leben dauerhaft im Hafen von Stickenhörn an der Kieler Förde auf zum Teil recht alten und klapprigen Schiffen. Wer sie als "Aussteiger" betitelt, dem begegnen sie mit einem abweisenden Stirnrunzeln. Wer sie für Exoten hält, dem geben sie stillschweigend Recht.

      Aber auch ein paar Dutzend Sympathisanten schwimmen in ihrem Kielwasser. Die bunte Armada trägt noch immer den Namen Schwentineflotte, obwohl sie schon lange nicht mehr am anderen Kieler Ufer an der Schwentine-Seite vor Anker liegt.

      Die Menschen hinter der Schwentineflotte sind öffentlichkeitsscheu, aber beileibe nicht auf den Mund gefallen. Tatsächlich fühlen sich viele wie Kapitäne. Sie steuern zumeist sehr gezielt ihre letzte Lebenshälfte an. Noch dazu haben sie Haus, Hof, Familie, Karriere, vor allem aber den Mainstream verlassen. Ohne dogmatisch zu sein, glauben viele Flottenbewohner, vom Boot aus ein besseres Leben zu führen. Fast alle entsagen dem Materialismus, dem Konkurrenzdenken oder dem Sozialneid.

      Die Boote, für viele das einzige Hab und Gut, sind so unterschiedlich wie ihre Besitzer. Die meisten tragen Spuren einer bewegten Vergangenheit am Bootsrumpf, die Menschen in der Biografie. Reinhard zum Beispiel hat sich von den Verlockungen des Geldes freigesprochen. Gemeinsam mit seiner Frau Addi lebt er mittlerweile seit 30 Jahren ausschließlich an Bord und verdient seinen Lebensunterhalt auf Flohmärkten.

      Oder Ben, der Wissenschaftler in der Flotte: Er kann durchaus auf ein etabliertes Landleben mit etwas Wohlstand zurückblicken. Das Leben aber lehrte ihn, Ballast abzuwerfen. Heute bewohnt er eine alte Schute, die er selbst umgebaut hat, und engagiert sich für Flüchtlinge auf einem Gelände in der Nachbarschaft.

      Flo ist einer der jüngsten Bewohner in der Schwentineflotte. Von Segeln hatte der bekennende Hippie, der im Handwerk auf der Karriereleiter war, keine Ahnung. Für seinen neuen Lebensweg kaufte er sich ein kleines Fahrtensegelschiff und bewohnt es nun mit seinem Hund.

      Einen Chef hat die Flotte auch: Doddel. In früheren Jahren war er Erzieher für auffällig gewordene Jugendliche. Ein weit gereister Seebär und Tischler. Von Autorität hält Doddel nicht viel, aber Typen wie er halten die schrägen Vögel vom Kieler Hafen auf ganz natürliche Art und Weise zusammen. Er ist ein Flottenmann der ersten Stunde. Damals, als in Kiel die Hausbesetzerszene rebellierte und Freunde alter Schiffe einen Liegeplatz fürs Leben suchten, war er dabei.

      In diesem Jahr feiert die Schwentineflotte ihr 20-jähriges Jubiläum. Und das mit einer gehörigen Portion Stolz. Denn in ihren Anfangszeiten war die Crew rund um die altersschwachen Boote in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins gar nicht gern gesehen. Die Schwentineflotte ließ sich in ihrem Kampf um Daseinsberechtigung nicht unterkriegen, eroberte die Herzen ihrer ehemaligen, behördlichen Gegner und verpasste sich ein besonderes Prädikat: Sie wurde der erste Hafen in Deutschland mit legalem Wohnrecht.

      Für die nordstory öffneten die kauzigen Kapitäne ein paar Luken und Kajüten mit ihren persönlichen Lebenskapiteln. Erzählt wird deren Geschichte von Schauspieler Axel Prahl.

      Film von Andrea Jedich, Marc Schulz und Hauke Wendt

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