• 13.11.2016
      10:45 Uhr
      Gratwanderung. Erinnerungen an Jewgenia Ginsburg Kulturmatinée | SWR Fernsehen RP
       

      Es gilt als eines der frühesten Zeugnisse der stalinistischen Schreckensherrschaft: das autobiografische Werk der russischen Autorin Jewgenia Ginsburg. Sie schilderte in "Marschroute eines Lebens" und "Gratwanderung" hautnah, was es hieß, unter Stalin politisch verfolgt zu werden. Ihre Adoptivtochter, Antonia Axenova, lebt heute in Frankfurt. Im Spätsommer 2014 reist sie die Stationen ihrer Mutter nach.

      Sonntag, 13.11.16
      10:45 - 11:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Es gilt als eines der frühesten Zeugnisse der stalinistischen Schreckensherrschaft: das autobiografische Werk der russischen Autorin Jewgenia Ginsburg. Sie schilderte in "Marschroute eines Lebens" und "Gratwanderung" hautnah, was es hieß, unter Stalin politisch verfolgt zu werden. Ihre Adoptivtochter, Antonia Axenova, lebt heute in Frankfurt. Im Spätsommer 2014 reist sie die Stationen ihrer Mutter nach.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Mario Damolin

      Es gilt als eines der frühesten Zeugnisse der stalinistischen Schreckensherrschaft: das autobiografische Werk der russischen Autorin Jewgenia Ginsburg. Sie schilderte in "Marschroute eines Lebens" und "Gratwanderung" hautnah, was es hieß, unter Stalin politisch verfolgt zu werden. Beinahe zwei Jahrzehnte verbrachte sie in den berüchtigten sowjetischen Arbeitslagern und in Verbannung.

      Ihre Adoptivtochter, Antonia Axenova, lebt heute in Frankfurt und arbeitet als Schauspielerin und Theaterpädagogin. Seit Jahren sammelt sie Fotos, Schriften und weiteres Archivmaterial zum Leben ihrer Adoptivmutter. Im Spätsommer 2014 reist Axenova, im Alter von 68 Jahren, die Stationen ihrer Mutter nach. Sie besucht jene Plätze, die den Leidensweg von Jewgenia Ginsburg markieren, beginnend im ost-sibirischen Magadan, der Hauptstadt des ehemaligen Kolyma-Gulag. Dort wurde Axenova geboren, lernte ihre leibliche Mutter aber nie kennen. In einem Kinderheim kommt sie mit Jewgenia Ginsburg in Kontakt, die sich mit ihrem Ehemann des kleinen Mädchens annimmt und fortan zu dritt in der Verbannung leben.

      Die Nagajewo-Bucht in Magadan war der Ankunftsort für Hunderttausende von Gefangenen, die mit Schiffen dorthin gebracht und dann zur Zwangsarbeit weiter nach Norden deportiert wurden. So auch nach Jagodnoje, 500 Kilometer weiter nördlich Richtung Polarkreis, einst Verwaltungssitz des Dalstroj Gulags, wo sie Gold für Stalin schürften, Wälder rodeten, Straßen bauten. Auch Ginsburg schuftete hier, ohne ausreichend Nahrung, bei minus 40 Grad im Winter. Im Kontrast zum Schrecken der Vergangenheit steht das heutige Naturidyll: Drohnenaufnahmen zeigen eine zerklüftete Landschaft, Felsen, Laubwälder, die weiten Mäander des Flusses Kolyma.

      Axenova besucht dort unter anderem eine Goldmine, die heute noch in Betrieb ist. Begleitet wird sie von dem Heidelberger Dokumentarfilmer Mario Damolin, der diese Fahrt in die Vergangenheit zum Anlass für ein filmisches Porträt der Autorin Jewgenia Ginsburg nimmt - und gleichermaßen die "stalinistische Hölle" im Gulag erfahrbar macht. Die Dokumentation ist umrahmt von einer seit 1989 aufgeführten Theaterinszenierung des Ginsburg'schen Buches "Marschroute eines Lebens" im Moskauer Sowremennik-Theater - und spiegelt somit auch eine zweite, eine heutige Gratwanderung, bei der es siebzig Jahre später nicht mehr um Leben und Tod geht, sondern um das Erinnern, Vergessen und Verdrängen.

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