• 15.11.2014
      14:40 Uhr
      Fremd im eigenen Land - Sinti in Deutschland ARD-Themenwoche "Toleranz" | WDR Fernsehen
       

      "Wir Sinti wollen nicht länger fremd im eigenen Land sein", sagt Ricardo Laubinger. Seine Heimat ist Hildesheim, wo die Sinti 1407 erstmals urkundlich erwähnt wurden. Die Laubingers sind seit vielen Generationen in dieser Gegend ansässig, "Harz- und Heide-Zigeuner", wie sie sich früher nannten. Im Sommer gingen sie auf Reisen, um als Händler und Handwerker ihren Lebensunterhalt zu verdienen, auch der 1959 geborene Ricardo ging noch hausieren. Seit der Wende 1989, mit dem Zustrom der Roma aus Südosteuropa, sind sie neuen rassistischen Angriffen ausgesetzt.

      Samstag, 15.11.14
      14:40 - 15:25 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo HD-TV

      "Wir Sinti wollen nicht länger fremd im eigenen Land sein", sagt Ricardo Laubinger. Seine Heimat ist Hildesheim, wo die Sinti 1407 erstmals urkundlich erwähnt wurden. Die Laubingers sind seit vielen Generationen in dieser Gegend ansässig, "Harz- und Heide-Zigeuner", wie sie sich früher nannten. Im Sommer gingen sie auf Reisen, um als Händler und Handwerker ihren Lebensunterhalt zu verdienen, auch der 1959 geborene Ricardo ging noch hausieren. Seit der Wende 1989, mit dem Zustrom der Roma aus Südosteuropa, sind sie neuen rassistischen Angriffen ausgesetzt.

       

      "Wir Sinti wollen nicht länger fremd im eigenen Land sein", sagt Ricardo Laubinger. Seine Heimat ist Hildesheim, wo die Sinti 1407 erstmals urkundlich erwähnt wurden. Die Laubingers sind seit vielen Generationen in dieser Gegend ansässig, "Harz- und Heide-Zigeuner", wie sie sich früher nannten. Im Sommer gingen sie auf Reisen, um als Händler und Handwerker ihren Lebensunterhalt zu verdienen, auch der 1959 geborene Ricardo ging noch hausieren. Seit der Wende 1989, mit dem Zustrom der Roma aus Südosteuropa, sind sie neuen rassistischen Angriffen ausgesetzt. "Sinti und Roma" heißt es allüberall. "Wir sind Sinti!", sagt Ricardo Laubinger, "Deutsche! Wir leben seit 600 Jahren hier und möchten, dass die Mehrheitsgesellschaft dies versteht."

      Er und seine Frau Orchidea und drei weitere deutsche Sinti - die Berlinerin Petra Rosenberg, der Pfälzer Schmitto Kling und der Düsseldorfer Rigoletto Mettbach - erzählen ihre Geschichte: von einer armen und doch glücklichen Kindheit, vom Aufwachsen in der Sprache und Kultur der Sinti und der Diskriminierung in der Schule. Vom Trauma ihrer Eltern, das ihr eigenes Leben bis heute überschattet. Das WDR-Team begleitet Petra Rosenberg auf ihrer ersten Reise nach Auschwitz, auf den Spuren ihres Vaters Otto, der als einziger von elf Geschwistern überlebte.

      1945 gingen die Überlebenden meist in ihre Heimat zurück. "Wohin sonst?" Sie lebten abseits der anderen Deutschen - im Wald, am Ortsrand nahe der Müllkippe, am Bahndamm. Man schlug sich durch: mit Hausieren, Körbe flechten, Möbel restaurieren, Musizieren. Immer wieder wurden sie verjagt, drangsaliert von der Polizei.

      Mit dem Wirtschaftswunder kam das Ende ihrer alten Lebensweise, ihre Berufe und Talente wurden nicht mehr gebraucht. Bis auf die Musik, der Geiger Schmitto Kling und der Gitarrist Rigoletto Mettbach erlebten gute Jahre. Gypsy Swing gehörte, wie die Beatles, zum Sound einer neuen freieren Zeit. Marianne Rosenberg stieg zum Schlagerstar der 70er Jahre auf - dass sie eine Sintizza ist, wusste niemand. Währenddessen verelendete ein Großteil der etwa 50.000 Sinti. Der Staat schickte Sozialarbeiter, baute Siedlungen, die Düsseldorfer Mettbachs zogen 1983 aus dem Wohnwagen in ein festes Haus um. Eine Bürgerrechtsbewegung entstand, ihre Themen: Entschädigung der NS-Opfer, Kampf gegen den Antiziganismus, gesellschaftliche Teilhabe. Und die Frage "Wer sind wir? Was bleibt von unserer Tradition?" Ein berührender Film über ein unbekanntes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte.

      Die ARD-Themenwoche widmet sich in diesem Jahr dem Thema "Toleranz"

      Die Tage vom 15. bis 21. November 2014 stehen in den ARD-Programmen ganz im Zeichen der Toleranz. Unter dem Motto "Anders als Du denkst" werden im Ersten, in allen Dritten Fernsehprogrammen sowie den Hörfunkwellen und Onlineangeboten der ARD die unterschiedlichsten Facetten des Themas Toleranz beleuchtet. Die Federführung der ARD-Themenwoche liegt in diesem Jahr beim Bayerischen Rundfunk. Seit 2006 werden im Rahmen der ARD-Themenwoche regelmäßig gesellschaftlich relevante Themen eingehend behandelt.

      Toleranz und Konflikte
      Die Frage nach der Toleranz stellt sich immer dann, wenn es zu Konflikten mit der eigenen Anschauung kommt und persönliche Überzeugungen oder gesellschaftliche Normen auf die Probe gestellt werden. Sie betrifft jeden Einzelnen von uns im Alltag, in der Familie und am Arbeitsplatz. In der öffentlichen Debatte über Toleranz geht es schnell um Themen wie Integration und Migration, das Ringen von sozial und wirtschaftlich Schwachen, um Anerkennung und Gleichbehandlung, den Status religiöser und politischer Minderheiten, Fragen der sexuellen Orientierung oder den Umgang der Gesellschaft mit behinderten Menschen. Diesen Bereichen wird sich die ARD-Themenwoche intensiv widmen, sie wird aber auch auf den ersten Blick vielleicht fernliegende Aspekte der Toleranz beleuchten und damit die hohe Relevanz des Themas für das gesellschaftliche Zusammenleben verdeutlichen.

      Wilhelm: "Toleranz darf auch Grenzen haben"
      Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks: "Jeder Mensch hat seine Herkunft, seine ganz persönliche Prägung, seine Sicht der Dinge. Das Miteinander in unserer Gesellschaft kann nur gelingen, wenn sich jeder Einzelne Ansichten oder Handlungsweisen anderer Menschen bewusst macht und diese dann auch gelten lässt - selbst wenn er persönlich ganz anders denken oder fühlen mag. Toleranz darf aber auch Grenzen haben, beispielsweise dort, wo die Intoleranz eines Anderen überhand nimmt. Wie vielfältig und komplex das Thema Toleranz ist, möchten wir mit der ARD-Themenwoche zeigen. Wir freuen uns darauf, eine intensive Diskussion anzustoßen."

      Roter Faden durch alle ARD-Programme
      Tradition der ARD-Themenwochen ist es, dass sich der Leitgedanke in der Sendewoche wie ein roter Faden durch alle ARD-Programme und Sendeformate zieht. Komplettiert wird das trimedial angelegte Angebot durch einen Aktionstag unter dem Motto "#Redefreiheit der Toleranz-Slam!". An diesem Tag werden in Radio und TV sowie in Schulen, Universitäten, Jugendzentren, Gemeindesälen, Cafés, Theatern und vielen anderen Orten kurze, selbst geschriebene Texte einem Publikum vorgetragen. So entsteht eine öffentlichkeitswirksame, bundesweite Aktion für Toleranz. Auch die 2013 und 2014 mit dem Deutschen Bildungsmedien-Preis Digita ausgezeichnete "Aktion Schulstunde" wird es in diesem Jahr wieder geben.

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