• 21.02.2018
      22:45 Uhr
      Sophie Scholl - Allen Gewalten zum Trotz ... Dokumentation Deutschland 2005 | BR Fernsehen
       

      Die 1921 geborene Sophie Scholl könnte heute noch leben, wenn sie ein "normales" Studentenleben im Zweiten Weltkrieg geführt hätte. Doch Sophie hatte nicht weggesehen und weggehört. Krieg, Terror gegen die eigene Zivilbevölkerung, Euthanasie und Holocaust waren nicht zu übersehen, wohl aber zu verdrängen. Sophie hat mit ihrem Bruder Hans und ihren Freunden von der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" den Kampf gegen ein Terrorregime aufgenommen. Am 18. Februar 1943 wurde die 21-Jährige zusammen mit ihrem Bruder verhaftet und vier Tage danach, am 22. Februar, hingerichtet.

      Mittwoch, 21.02.18
      22:45 - 23:45 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      Die 1921 geborene Sophie Scholl könnte heute noch leben, wenn sie ein "normales" Studentenleben im Zweiten Weltkrieg geführt hätte. Doch Sophie hatte nicht weggesehen und weggehört. Krieg, Terror gegen die eigene Zivilbevölkerung, Euthanasie und Holocaust waren nicht zu übersehen, wohl aber zu verdrängen. Sophie hat mit ihrem Bruder Hans und ihren Freunden von der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" den Kampf gegen ein Terrorregime aufgenommen. Am 18. Februar 1943 wurde die 21-Jährige zusammen mit ihrem Bruder verhaftet und vier Tage danach, am 22. Februar, hingerichtet.

       

      Sie war die einzige Frau der "Weißen Rose", die ermordet wurde. Der Publizist und Buchautor Ulrich Chaussy, der sich seit vielen Jahren mit der "Weißen Rose" befasst, hat im Rahmen seiner historischen Recherche für den Regisseur des Kinofilms, Marc Rothemund, und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer auch Interviews vor laufender Kamera geführt. Er hat neue Zeitzeugen entdeckt und Fotos und Dokumente zusammengetragen, die teilweise noch unveröffentlicht waren. Dieses Material haben Ulrich Chaussy und die Regisseurin Marieke Schroeder zu einem Dokumentarfilm verarbeitet und durch weitere, eigens für ihren Film geführte Interviews ergänzt.

      Sophie Scholl steht im Zentrum des Dokumentarfilms, der nicht nur ihren familiären Hintergrund ausleuchtet, sondern auch ihr Umfeld und ihr Beziehungsgeflecht. Erfreulicherweise leben noch Zeitzeugen, die sie und ihre Welt kannten, Menschen, die zur "Weißen Rose" gehörten und nur ein Quäntchen mehr Glück hatten als die Ermordeten. Der Dokumentarfilm beginnt mit einem Foto der Familie Scholl aus glücklichen Tagen. Sophie sprüht darauf vor Lebensfreude, verbringt sie doch eine unbeschwerte Jugend in einer bürgerlichen, intakten Familie: Die Mutter ist religiös, der Vater ein überzeugter Demokrat, der seinen Kindern ungewöhnliche Freiheiten lässt und auf ihre Selbstverantwortung setzt.
      Der Film schildert den Konflikt der Geschwister Scholl mit dem Vater, als sie gegen seinen Willen in die Hitlerjugend eintraten - zusammen mit den meisten ihrer Freunde. Doch diese jungen Leute haben damals nicht weggesehen oder verdrängt. Sie verließen die Hitlerjugend, in der sie wegen "bündischen", nicht an die HJ angepassten Verhaltens aneckten. Die Geschwister Scholl wurden zum ersten Mal von der Gestapo verhaftet und verhört. Dann folgten die Militär- und Studienjahre und der Entschluss, etwas aktiv gegen das System zu unternehmen, die Flugblätter, die Verhaftung der Geschwister und vieler Freunde - darunter des am selben Tag wie Hans und Sophie hingerichteten Christoph Probst.

      Sophies jüngste Schwester, Elisabeth Hartnagel, ist eine der wichtigsten Zeitzeuginnen. Sie hat noch nie zuvor ein so ausführliches Interview vor laufender Kamera gegeben. Und noch heute, mehr als 60 Jahre nach den Ereignissen, kann sie Tränen, Trauer und Verzweiflung über den Tod ihrer Geschwister nicht verbergen.
      Susanne Zeller-Hirzel, eine enge Freundin von Sophie, und Franz Müller, ein Schulfreund aus Ulm, haben selbst vor dem Volksgerichtshofs des Dr. Roland Freisler gestanden. Sie berichten über Sophie, ihren Bruder Hans und über ihren eigenen Weg in den Widerstand und die Haft.
      Anneliese Knoop-Graf, die Schwester des ebenfalls hingerichteten Willi Graf, war zwar selbst nicht eingeweiht, wurde aber dennoch von der Gestapo vernommen - von Robert Mohr, demselben Mann, der Sophie endlosen Verhören unterzog. Sie saß in derselben Zelle wie Sophie - zusammen mit Else Gebel, die diese Zelle mit Sophie während ihrer letzten Tagen teilte. Anneliese Knoop-Graf berichtet aus eigener Anschauung über Sophie, die sie in München kennengelernt hatte, und über die beiden Menschen, die Sophies Leben in ihren letzten Tagen geprägt haben, bevor sie vor Freislers Tribunal gezerrt wurde.

      Die letzten Tage werden auch von Zeitzeugen beleuchtet, die bisher unbekannt waren: dem Sohn von Robert Mohr und dem Neffen von Else Gebel, der Zellengenossin von Sophie. Walter Gebel berichtet von Erzählungen seiner Tante Else über Sophie nach dem Krieg. Er erinnert sich daran, dass seine Tante einen minutiösen Bericht über ihre Zeit mit Sophie abfasste und deren Eltern zuschickte. Willi Mohr, ein Jahr jünger als Sophie Scholl, nimmt eine distanziert kritische Haltung zu seinem Vater ein, den er "Freislers Vorarbeiter" nennt. Über die Interviews hinaus, ist das dokumentarische Material des Film angereichert mit Ausschnitten aus dem Kinofilm, wobei sichtbar wird, wie präzise sich der Kinofilm an die recherchierten Fakten hält.

      Dokumentarfilm von Marieke Schroeder und Ulrich Chaussy

      3sat zeigt den Dokumentarfilm "Sophie Scholl - Allen Gewalten zum Trotz ..." zum 75. Todestag von Sophie Scholl am 22. Februar

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