• 10.11.2013
      21:45 Uhr
      Günther Jauch Großbordell Deutschland - muss Prostitution verboten werden? | Das Erste
       

      Was bis 2002 gesetzlich verboten war, sollte das Prostitutionsgesetz ändern. Sex gegen Geld, ganz legal, mit Sozial- und Krankenversicherung für die Prostituierten. Doch noch immer sind viele Frauen abhängig von Zuhältern oder Bordellbesitzern. Deswegen diskutieren jetzt Union und SPD über schärfere Vorschriften. Wer profitiert von der Legalisierung der Prostitution? - Zu Gast bei Günther Jauch:

      • Charlotte Britz, SPD, Oberbürgermeisterin Saarbrücken
      • Jürgen Rudloff, Bordellbetreiber
      • Lena Morgenroth, Sexarbeiterin
      • Uwe Dörnhöfer, Kriminalpolizei München
      • Rita Knobel-Ulrich, Journalistin

      Sonntag, 10.11.13
      21:45 - 22:45 Uhr (60 Min.)
      60 Min.

      Was bis 2002 gesetzlich verboten war, sollte das Prostitutionsgesetz ändern. Sex gegen Geld, ganz legal, mit Sozial- und Krankenversicherung für die Prostituierten. Doch noch immer sind viele Frauen abhängig von Zuhältern oder Bordellbesitzern. Deswegen diskutieren jetzt Union und SPD über schärfere Vorschriften. Wer profitiert von der Legalisierung der Prostitution? - Zu Gast bei Günther Jauch:

      • Charlotte Britz, SPD, Oberbürgermeisterin Saarbrücken
      • Jürgen Rudloff, Bordellbetreiber
      • Lena Morgenroth, Sexarbeiterin
      • Uwe Dörnhöfer, Kriminalpolizei München
      • Rita Knobel-Ulrich, Journalistin

       

      Willkommen im größten Puff Europas, willkommen im Großbordell Deutschland: Schätzungen zufolge bieten bis zu 400.000 Prostituierte hierzulande ihre Dienste an, mehr als eine Million Männer nehmen diese täglich in Anspruch. In keinem europäischen Land ist es so leicht, ein Bordell zu betreiben, nirgendwo sonst arbeiten so viele Frauen im Rotlichtmilieu. Das Geschäft mit dem Sex boomt. Das Ergebnis sind jährliche Rekordumsätze in zweistelliger Milliardenhöhe.

      Diejenigen, die ihren Körper zur Verfügung stellen, profitieren allerdings am wenigsten vom Erfolgsmodell Prostitution. Zuhälter und Bordellbesitzer streichen zumeist den größten Teil des Geldes ein, viele Prostituierte sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Denn obwohl 2002 mit dem Prostitutionsgesetz Prostituierte aus der Illegalität und Rechtlosigkeit geholt werden sollten, ist das Milieu weiterhin geprägt von Macht, Kriminalität und Zwang.
      Würde ein Verbot helfen?

      Sex gegen Geld ist seit 2002 ein legales Geschäft. Dass sich Frauen und auch Männer häufig nicht freiwillig prostituieren, ist schon lange bekannt: Schleuser bringen Frauen aus Osteuropa nach Deutschland und zwingen sie zum Sex gegen Geld. Loverboys - wie im aktuellen Schimanski-Film - gaukeln jungen Mädchen die große Liebe vor, machen sie nach und nach gefügig und zwingen sie schließlich zur Prostitution. Zuhälter schicken ihre Frauen auf den Straßenstrich, schüchtern sie ein und kassieren ab.

      "Gut gemeint - aber schlecht umgesetzt" lautet daher auch das Urteil vieler Experten und Politiker elf Jahre nach Einführung des Prostitutionsgesetzes. Denn von den Vorteilen profitieren offenbar nur wenige. Immer lauter werden die Stimmen, die eine Überarbeitung des Gesetzes fordern. In den Koalitionsverhandlungen diskutieren Union und SPD bereits wieder schärfere Vorschriften. Und eine Kampagne der Zeitschrift "Emma" fordert langfristig die Bestrafung von Freiern und eine Abschaffung des "Systems Prostitution".

      Wer profitiert von der Legalisierung der Prostitution? Wie geraten Mädchen und Frauen in die Fänge von Loverboys und Zuhältern? Hilft ein Totalverbot der Prostitution gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution? Darüber diskutiert Günther Jauch mit seinen Gästen.

      Die Gäste:

      • Charlotte Britz, SPD, Oberbürgermeisterin von Saarbrücken

      Charlotte Britz wurde 1958 in Ottweiler im Saarland geboren. Von 1975 bis 1978 machte sie eine Ausbildung zur Erzieherin und studierte anschließend Sozialarbeit in Koblenz und Frankfurt. 1984 begann Britz ihre Arbeit als Sozialarbeiterin im Frauenhaus in Saarbrücken und war bis 1988 in der therapeutischen Schülerhilfe der Stadt tätig. Zwischen 1988 und 1991 war sie im Sozialdienst der Justiz angestellt, anschließend arbeitete sie in der Frauenabteilung des Ministeriums für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales. Seit Oktober 2004 ist Britz Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Saarbrücken. Sie war eine der Erstunterzeichnerinnen des Appells der Zeitschrift "Emma", in dem unter anderem eine Verschärfung des Prostitutionsgesetzes gefordert wird.

      • Uwe Dörnhöfer, Kriminalpolizei München

      Uwe Dörnhöfer wurde 1969 geboren und wuchs in der Nähe von Kulmbach auf. Er studierte an der Fachhochschule des Bundes beim Bundeskriminalamt und wurde Kriminalbeamter. Die ersten Jahre seines Berufslebens verbrachte er in Würzburg, Wiesbaden, Bonn und Berlin. Von 2005 bis 2007 war Dörnhöfer im Bereich Sexualdelikte tätig, seit 2008 ist er in München Erster Kriminalhauptkommissar im Dezernat für Organisierte Kriminalität, Bereich Prostitution.

      • Lena Morgenroth, Sexarbeiterin

      Lena Morgenroth wurde 1984 in Coburg geboren. Nach dem Abitur begann sie ein Informatikstudium, welches sie zunächst mit einem Stipendium finanzierte. Als das Stipendium auslief, begann Morgenroth, ihr Geld mit Tantramassagen zu verdienen und arbeitete gelegentlich auch in einem Hamburger SM-Studio. 2011 schloss Morgenroth ihr Informatikstudium ab und machte sich als Sexarbeiterin selbstständig. In Berlin arbeitet sie seit 2012 in einem Erotik-Studio, seit 2013 engagiert sich Morgenroth beim kürzlich gegründeten "Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen".

      • Jürgen Rudloff, Bordellbetreiber

      Jürgen Rudloff wurde 1953 in Stuttgart geboren. Der gelernte Kaufmann hat in seiner langen Berufskarriere bereits in unterschiedlichen Branchen gearbeitet - vom Profifußball über die Textilwirtschaft bis hin zum Immobiliengeschäft. Im Jahr 2000 begann Rudloff, sich unternehmerisch im Erotikgewerbe zu engagieren. Er gründete eine "Wellnessoase für Männer" und eröffnete 2008 den Bordellclub "Paradise" in Stuttgart - eines der größten Bordelle Europas. Mittlerweile hat sein Wellnessoasen-Konzept Ableger in ganz Deutschland und Österreich. Rudloff beschäftigt laut eigenen Angaben etwa 220 Mitarbeiter in seinen Clubs, bis 2014 sollen es 350 sein. Er ist Vizepräsident des Bundesverbandes des deutschen Erotikgewerbes (BDDE).

      • Rita Knobel-Ulrich, Journalistin

      Rita Knobel-Ulrich wurde 1950 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Leningrad und Moskau. Zwischen 1976 und 1984 war Knobel-Ulrich als freie Journalistin unter anderem für den NDR, den Deutschlandfunk und die "Frankfurter Rundschau" tätig. Anschließend wechselte sie als Nachrichtenredakteurin zu Sat.1 und arbeitete ab 1988 wieder für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Seit 1997 ist Knobel-Ulrich selbstständig und produzierte seitdem als Autorin und Filmemacherin zahlreiche Reportagen. Für zwei TV-Dokumentationen zum Thema Prostitution recherchierte Knobel-Ulrich monatelang in Bordellen in Deutschland und Osteuropa, sprach mit Schleusern, Freiern und Prostituierten.

      Der Polittalk aus dem Herzen der Hauptstadt - Günther Jauch empfängt interessante Gäste aus Politik und Gesellschaft, um mit ihnen über das Thema der Woche zu diskutieren. Aktuell soll es sein, für die Zuschauer relevant, emotional bewegend.

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