• 04.07.2020
      19:20 Uhr
      Effi Briest oder die Elastizität des Herzens 3sat
       

      "Effi Briest" ist der wohl bekannteste Roman von Theodor Fontane. Er wurde fünfmal verfilmt, so oft, wie kein anderer deutschsprachiger Roman. Jede Zeit hatte dabei ihre eigene, sehr spezifische Effi-Interpretation. Die Dokumentation zeigt, wie Fontane mit Effi eine emblematische Frauenfigur erschaffen hat, die auch in Zukunft keine Generation ganz unberührt lassen wird. Mehrere Generationen haben Effi durch die unterschiedlichen Verfilmungen kennengelernt. Was erzählen diese unterschiedlichen Verfilmungen über das jeweilige historische Frauenbild?

      Samstag, 04.07.20
      19:20 - 20:00 Uhr (40 Min.)
      40 Min.
      Stereo HD-TV

      "Effi Briest" ist der wohl bekannteste Roman von Theodor Fontane. Er wurde fünfmal verfilmt, so oft, wie kein anderer deutschsprachiger Roman. Jede Zeit hatte dabei ihre eigene, sehr spezifische Effi-Interpretation. Die Dokumentation zeigt, wie Fontane mit Effi eine emblematische Frauenfigur erschaffen hat, die auch in Zukunft keine Generation ganz unberührt lassen wird. Mehrere Generationen haben Effi durch die unterschiedlichen Verfilmungen kennengelernt. Was erzählen diese unterschiedlichen Verfilmungen über das jeweilige historische Frauenbild?

       

      Stab und Besetzung

      Autor Norbert Busè

      Längst ist "Effi Briest" Teil unseres kulturellen Erbes geworden. Wie ist Fontanes eigene Haltung zu ihr, warum beschäftigte sie ihn so? Kann man den Dichter mit der Liebe zu den ausdifferenzierten Frauenfiguren vielleicht sogar als einen frühen Wegbereiter weiblicher Emanzipationsbemühungen verstehen?

      Die erste "Effi Briest"-Verfilmung fiel in die Zeit des Nationalsozialismus: Gustav Gründgens inszenierte den Stoff 1939 in seinem Privatschloss in Zeesen mit seiner Frau Marianne Hoppe in der Hauptrolle. Die nächste "Leinwand-Effi" ist eine der Wirtschaftswunderzeit. Auf dem Rittergut Besenhausen setzte Regisseur Rudolf Jugert 1955 die junge Ruth Leuwerik in "Rosen im Herbst" in Szene.

      Ende der 1960er-Jahre widmeten sich in der DDR die DEFA-Studios dem Stoff, in der Hauptrolle Angelika Domröse. 1974 spielte Hanna Schygulla Effi, Regie führte Rainer Werner Fassbinder. Drehort war Schloss Breedeneck in Norddeutschland. Schließlich die jüngste Verfilmung: Hermine Huntgeburth inszeniert Effi Briest auf Schloss Marquardt bei Potsdam. Die Effi von 2009, dargestellt von Julia Jentsch, erlebt auf der Leinwand sowohl Vergewaltigung als auch sexuelle Erfüllung.

      Fünfmal "Effi Briest" - und eine spannende Zeitreise zu den ehemaligen Drehorten, mit Filmausschnitten und Dokumenten, die das jeweilige Frauenbild widerspiegeln. Expertinnen begleiten diese filmische Reise. Darunter die Leiterin des Potsdamer Filmmuseums Ursula von Keitz, die sich intensiv mit den Effi-Filmen beschäftigt hat. Die junge Dresdner Historikerin Jessica Bock erklärt, warum die spezifischen Rollenbesetzungen so viel über das jeweils herrschende Frauenbild preisgeben. Die Lyrikerin Nora Gomringer schwärmt von ihrer Lieblingsverfilmung des Effi-Stoffes und in der noch unglaublich gut erhaltenen Fontane-Apotheke erklärt Regina Dieterle, die Zürcher Biografin Fontanes, warum der Dichter immer schon einen besonderen Zugang zu Frauen hatte.

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