• 08.09.2013
      23:35 Uhr
      Wut Fernsehfilm Deutschland 2005 | Das Erste
       

      Als feinsinniger Teenager mit bildungsbürgerlichem Hintergrund ist Felix Laub für den jungen Berliner Türken Can und seine Gang ein willkommenes Opfer. Hilflos und ängstlich erträgt der Schüler und Hobby-Cellist Cans Schikanen, bis sein Vater Simon Laub bemerkt, was Felix durchmacht. Nagelneue Schuhe hatte Felix an den Anführer der Gang abtreten müssen; eine solche Frechheit will der angehende Universitätsprofessor Simon nicht so einfach durchgehen lassen. Angetrieben auch durch seine Frau Christa, stellt er sich sofort schützend vor seinen Sohn - um festzustellen, dass die Sache so einfach nicht aus der Welt zu schaffen ist.

      Sonntag, 08.09.13
      23:35 - 01:08 Uhr (93 Min.)
      93 Min.

      Als feinsinniger Teenager mit bildungsbürgerlichem Hintergrund ist Felix Laub für den jungen Berliner Türken Can und seine Gang ein willkommenes Opfer. Hilflos und ängstlich erträgt der Schüler und Hobby-Cellist Cans Schikanen, bis sein Vater Simon Laub bemerkt, was Felix durchmacht. Nagelneue Schuhe hatte Felix an den Anführer der Gang abtreten müssen; eine solche Frechheit will der angehende Universitätsprofessor Simon nicht so einfach durchgehen lassen. Angetrieben auch durch seine Frau Christa, stellt er sich sofort schützend vor seinen Sohn - um festzustellen, dass die Sache so einfach nicht aus der Welt zu schaffen ist.

       

      Im ersten direkten Gespräch mit Can zeigt sich dieser von den klaren Worten des schöngeistigen Akademikers wenig beeindruckt, Simons nachfolgende Unterredung mit Cans strengem, gläubigem Vater (Demir Gögköl) bringt allenfalls einen Teilerfolg.

      Zwar beugt sich Can dem Willen seines Vaters und bringt Simon die Schuhe seines Sohnes wieder zurück - dafür aber wächst jetzt in Can die Wut auf Felix' Vater. Längst schon ist Can für Simon zum Angst einflößenden Eindringling in seine Welt geworden, jetzt aber trifft Can bei seinem Rachefeldzug Simon an seinen empfindlichsten Stellen. So platzt er zum Beispiel ausgerechnet in Simons Antrittsvorlesung als Germanistik-Professor - und sorgt dort mit seinem Wissen, dass Simon mit der dort anwesenden Studentin Dominique (Melika Foroutan) eine Affäre hat, für einen Eklat.

      Jetzt unterminiert Can sogar die berufliche Existenz des Mannes, für den der gewaltbereite Jugendliche längst zum Albtraum seines Lebens geworden ist - und dem in dieser Situation auch in der Familie mehr und mehr der Rückhalt fehlt. Seine offene Beziehung mit der Immobilienmaklerin Christa funktioniert längst nicht mehr, alles sieht danach aus, dass ihr gemeinsamer Freund Michael (Ralph Herforth), ein bodenständiger und praktischer Typ, für Christa mehr ist als eine kurze Affäre. Gleichzeitig gerät Felix verstärkt unter Cans Einfluss, was dessen ohnehin zwiespältiges Verhältnis zum Vater zusätzlich belastet - und die Sorge der Eltern um ihren Sohn nicht mindert.

      In dieser Situation entschließt sich Simon, endlich die Polizei einzuschalten, um Can endgültig außer Gefecht zu setzen. Aber dadurch kann er die Lage nicht entschärfen. Im Gegenteil. Jetzt droht Can wegen Drogenhandels der Prozess, gleichzeitig wird er von seinem Vater wegen seines unehrenvollen Verhaltens verstoßen. Derart in die Enge getrieben, wird Cans Hass auf Simon und seine saturierte Welt nur noch größer.

      Aber auch in Simon hat sich im Verlaufe der Entwicklung ein gefährliches Gemisch aus Wut, Demütigung und Ohnmacht angestaut: Jetzt ist er bereit, seine ursprünglichen Prinzipien gänzlich über Bord zu werfen und mit ganz anderen Mitteln gegen Can vorzugehen. Das aber führt nur zu einer weiteren Eskalation - und zu einer verhängnisvollen Katastrophe.

      "Wut" entwickelt minuziös das gewaltsame Aufeinandertreffen zweier Welten: der des arrivierten Alt-68er-Bildungsbürgertums mit jener der türkischen Migranten. Es ist die Geschichte eines Dialogs, der nicht zustande kommt, weder zwischen noch innerhalb beider Familien. Regisseur Züli Aladag hat mit seinem kühn und packend erzählten Film ein heißes Eisen angefasst. Schon vor seiner Erstausstrahlung im Herbst 2007 hatte der Film eine hitzige Debatte entfacht: Einerseits wurde ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen, denn er zeige den "Fremden als Täter", zum Teil sogar "voll heimlicher Bewunderung" für dessen "Kultur der Ehre", die sich durch "Frauen- und Homosexuellenverachtung" sowie durch "die Rückkehr des Faustrechts" charakterisiere (Spiegelonline). Andererseits wurde die in "Wut" geäußerte Kritik an der "unreflektierten Xenophobie der ach so liberalen Deutschen und ihrer heimlichen Sehnsucht nach der harten Hand" gelobt (Freitag).

      Soviel Mut zur Unangepasstheit zahlte sich bei den deutschen und internationalen Film- und Fernsehfestivals aus: "Wut" erhielt das Prädikat "besonders wertvoll" der Filmbewertungsstelle Wiesbaden und wurde mit vier Adolf-Grimme-Preisen bedacht (Züli Aladag (Regie), Max Eipp (Buch), Wolf-Dietrich Brücker (Redaktion), Oktay Özdemir und August Zirner (stellvertretend für das Darstellerteam)).

      Der Film erhielt zwei Goldene Kameras als bester Fernsehfilm sowie für Corinna Harfouch als beste deutsche Schauspielerin. Weiterhin wurde "Wut" mit einem Fipa d'Argent bei den internationalen Fernsehfilmfestspielen in Biarritz, einer besonderen Anerkennung des Fernsehfilmfestivals Baden, der Gold World Medal auf dem New York Festival 2007 sowie dem Golden Gate Award des San Francisco International Film Festivals 2007 ausgezeichnet und war für den 3sat-Zuschauerpreis 2006 nominiert.

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