21.07.2011
02:15 Uhr
So teuer wie möglich Der letzte Kampf der Atomindustrie | Das Erste

Das Ende des Atomzeitalters ist beschlossene Sache, jedenfalls für die Bundesregierung. Für die Betreiber der Kraftwerke beginnt eine neue Zeitrechnung. Hubert Seipel dokumentiert die Entscheidungsschlacht um den Atomausstieg in Deutschland.

Es war der letzte Versuch, die Sache noch einmal zu Gunsten der Atomwirtschaft zu drehen. Mit einer Wutrede griff Jürgen Großmann, RWE-Vorstandsvorsitzender, Bundeskanzlerin Merkel Ende Mai vor den eigenen Parteifreunden frontal an. Die Union gehe beim Atomausstieg blauäugig vor, rügte er den geplanten Ausstieg aus der Atomkraft. Auch Johannes Teyssen, Chef des größten Elektrizitätskonzerns Eon verkündet gleichfalls, dass die Atomwende die Regierung teuer zu stehen kommen könne. Die großen Unternehmen der Branche würden gegebenenfalls gegen die Bundesregierung klagen, wenn die Regierung die Laufzeiten für die Atommeiler kürzt. Erst Recht, wenn die Brennelementesteuer trotz Ausstieg beibehalten werde.

Nun ist das Ende des Atomzeitalters beschlossen - mit einer halbierten Brennelementesteuer - und die großen Energieversorger rüsten zur letzten Schlacht. Jetzt geht es für sie darum, dass nach Jahrzehnten der Milliarden-Gewinne das Ende des lukrativen Geschäftes abgemildert wird; wie die zu erwartenden Mindereinnahmen der Energieriesen und ihrer Aktionäre kompensiert werden. Der letzte Kampf wird hart, denn seit der Atomkatastrophe von Fukushima ist ein bewährter Slogan Geschichte: Aufstieg und Wohlstand Deutschlands, so die ehemalige Dauerbotschaft, seien untrennbar mit Atomenergie verknüpft. Keine Lobby war so erfolgreich wie die der AKW-Betreiber Eon, RWE, EnbW und Vattenfall. Niemand hat seine Interessen über Jahrzehnte so beinhart gegen alle Bedenken umgesetzt.

Hubert Seipel dokumentiert den letzten Kampf der Atomindustrie und untersucht, wieso Deutschland so lange auf die Kernenergie setze...

Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 21.07.11
02:15 - 03:00 (45 Min.)
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