02.12.2012
09:00 Uhr
Metropolis Flucht nach Venedig - THEMA: Metropolen im Mittelalter | PHOENIX

Der berühmte Nürnberger Maler Albrecht Dürer bereist die Weltstadt an der Lagune. Mit ihm erkundet der Film eine erstaunlich gut organisierte und verwaltete Handelsmetropole, die ihrer Zeit weit voraus war. Venedig war die reichste Metropole des Mittelalters. Man könnte die Stadt als einen der ersten "Global Player" der Weltgeschichte bezeichnen. Doch die weit verzweigten Handelsbeziehungen brachten nicht nur Vorteile.

Mit der größten Flotte ihrer Zeit beherrschte der Stadtstaat über Jahrhunderte das Mittelmeer, unterhielt Handelsbeziehungen mit dem Nahen und Fernen Osten und versorgte Europa mit Luxusgütern aus aller Welt. Gewürze, Perlen, Edelsteine, Seide, edle Düfte und Brokatstoffe machten Venedig berühmt und füllten die Kassen. Die Staatseinnahmen der Republik übertrafen die anderer Großmächte wie England oder Spanien. 200.000 Einwohner lebten und arbeiteten in der mittelalterlichen Lagunenstadt, mehr als doppelt so viele wie heute.

Mit dem regen Schiffsverkehr wanderten aber auch "blinde" Passagiere ein, die die Stadt nachhaltig veränderten. Seuchen wie Pest oder Syphilis verbreiteten sich schnell in der dicht besiedelten Metropole und töteten mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Andere "Invasoren" wirkten unbemerkt. Mit den großen Frachtschiffen waren im Mittelalter Austern in die Lagune eingeschleppt worden, die die heimischen Artgenossen in nur wenigen Jahrzehnten völlig verdrängten. Die ökologischen Veränderungen wurden erst kürzlich bei einer Grabung auf der Insel Lazaretto Nuovo entdeckt.

Albrecht Dürer floh 1494 vor der Pest aus seiner Heimat und nutzte die besonderen Umstände, um in Venedig mehr über neue Maltechniken und Erfindungen zu erfahren. Beispielsweise verfolgte er mit großem Interesse die Entstehung von Bellinis Meisterwerk "Die Prozession auf dem Markusplatz", die das außergewöhnliche Selbstbewusstsein der venezianischen Kaufleute auf nie gekannte Weise in Szene setzte. Bilder wie dieses könnten jenseits seines künstlerischen Wertes als Anfang der Kundenwerbung interpretiert werden. Es sollte den Betrachter beeindrucken und Vertrauen in das Wirtschaftspotenzial der Handelsmetropole stärken.

Sonntag, 02.12.12
09:00 - 09:45 (45 Min.)
Stereo