02.12.2012
05:55 Uhr
Die rote Bombe (3/3) Im Namen des Friedens | PHOENIX

Im Schlußfilm der dreiteiligen Discovery-Dokumentation über die Rote Bombe beschreiben Akteure von einst, wie es der UdSSR in den frühen 50er Jahren gelingen konnte, die Atommacht USA zu überrunden. Der Mann, der diese Ära prägen sollte, heißt Andrej Sacharow. Seine Einsicht in den Wahnwitz seines Tuns kam zu spät, sein persönliches Opfer konnte das Wettrüsten nicht verhindern.

Die Geschichte der Atombombe beginnt in der englischen Universitätsstadt Cambridge, als der Physiker Ernest Rutherford 1919 neue Wege in der Kernforschung beschritt, die unweigerlich ins Atomzeitalter führen sollten. Bereits anerkannte Forscher wie der Däne Niels Bohr oder der Deutsche Albert Einstein bemühten sich wie Rutherford um die Entdeckung subatomarer Substanzen, um dem Ziel einer damals lediglich theoretisch vorstellbaren Kernspaltung näherzukommen.

Zu Rutherfords begabtesten Studenten zählten in den Zwanziger Jahren der Amerikaner Robert Oppenheimer und der Russe Yuli Khariton. Beide Männer sollten die Entwicklung der Atombombe wesentlich mitbestimmen. Anders als sein amerikanischer Kollege wirkte Yuli Khariton stets im Verborgenen. Erst der Zerfall der Sowjetunion und die damit verbundene Öffnung zahlreicher Archive macht es möglich, daß nunmehr auch jene Menschen bekannt werden, die im Bereich des ehemaligen Roten Riesen für das Ankurbeln der Rüstungsspirale zuständig waren.

Noch nie gezeigte Archivaufnahmen, nachgestellte Szenen, fachkundige Kommentare und vor allem die Erzählungen der wichtigsten handelnden Personen, soferne sie noch leben, machen diese Produktion zu einer packenden Begegnung mit einem hochbrisanten Stück Zeitgeschichte. Frappierend die Freimütigkeit, in der frühere KGB-Spitzel oder KP-Forscher aus der Schuleplaudern.

Yuli Khariton zum Beispiel, der mittlerweile über neunzig Jahre alt ist, berichtet, wie er von Lawrentij Berija, dem vermutlich skrupellosesten aller KGB-Chefs, 1943 dem sowjetrussischen Physiker Igor Kurtschatow zugeteilt wurde, um für die UdSSR eine Atombombe zu entwickeln.

Stalin und sein gefürchteter Geheimdienstchef hatten lange gebraucht, um die Berichte ihrer Spione über die Aktivitäten der Westmächte in Sachen Atombombe überhaupt ernst zu nehmen. Waren die USA und Großbritannien schon seit Beginn des Zweiten Weltkriegs bemüht, den vermeintlichen Vorsprung Nazi-Deutschlands im Bereich der angewandten Atomphysik aufzuholen, so dauerte es bis ins Jahr 1943, ehe Stalin und Berija ihrerseits die Order ausgaben, eine Atombombe unter dem Zeichen von Hammer und Sichel zu bauen.

Unter der Federführung Robert Oppenheimers machten die Arbeiten am Manhattan Project, wie die Geheimaktion der USA genannt wurde, große Fortschritte. Ein aus Hitler-Deutschland vertriebener deutscher Physiker, Klaus Fuchs, sorgte dafür, daß selbst die geheimsten Pläne aus Los Alamos, dem US-Atomforschungszentrum in New Mexico, im Nervenzentrum des KGB landeten.

Fuchs, der ein überzeugter Kommunist war, konnte bis nach dem Krieg völlig ungehindert alle Unterlagen zum Bau einer Atombombe nach Moskau schicken. Trotzdem waren die USA die ersten, die im Juli 1945 erfolgreich die Zündung einer Atombombe testeten. Was auf "Trinity Site" von Oppenheimer und seiner Crew bejubelt wurde, ließ der damals neu gewählte Präsident Harry Truman am 6. und 8. August 1945 in die Tat umsetzen. Die Menschen von Hiroshima und Nagasaki hatten den Preis zu zahlen, daß die USA nunmehr über ein Machtmittel verfügte, das nicht einmal Albert Einstein für machbar gehalten hatte.

Die Reaktion Stalins auf die Bomben von Hiroshima und Nagasaki war ein Wutausbruch. Sein Befehl: Die UdSSR muß innerhalb von fünf Jahren gleichfalls über eine Atombombe verfügen. Klaus Fuchs ließ seine Genossen im Kreml nicht hängen, das gigantische Wettrüsten zwischen West und Ost wurde im Sommer 1945 eröffnet.

Nacht von Samstag auf Sonntag, 02.12.12
05:55 - 06:45 (50 Min.)
Stereo