• 16.01.2011
      13:00 Uhr
      Protokoll einer Katastrophe Das Schneechaos 1978 | NDR Fernsehen
       

      Der Norden Deutschlands versinkt - am 28. Dezember 1978 - binnen weniger Stunden unter einem mehrere Zentimeter dicken Eispanzer - die Folge des gefrierenden Regens. Dann setzt ein 78-stündiger Schneesturm ein. Nichts bewegt sich mehr.

      Sonntag, 16.01.11
      13:00 - 13:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Der Norden Deutschlands versinkt - am 28. Dezember 1978 - binnen weniger Stunden unter einem mehrere Zentimeter dicken Eispanzer - die Folge des gefrierenden Regens. Dann setzt ein 78-stündiger Schneesturm ein. Nichts bewegt sich mehr.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Katja Herr

      Am Morgen des 28. Dezember 1978 liegt die Temperatur in ganz Deutschland bei etwa zehn Grad über Null. Es ist typisches Weihnachtstauwetter. Am Mittag fallen in Flensburg ein paar Regentropfen, dann Schneeflocken, aber am Nachmittag sowie in der Nacht stürzen die Temperaturen plötzlich um bis zu 30 Grad Celsius. Die Warm-Kalt-Front schiebt sich bedrohlich vom Norden in den Süden, vom Westen in den Osten, über die innerdeutsche Grenze hinweg. Ein physikalisches Wunder, das für die Betroffenen zu beiden Seiten der Grenze katastrophale Auswirkungen hat.

      Es herrscht Friedhofsruhe. Kinder erfrieren in selbst gebauten Iglus, Erwachsene in ihren Autos, die in Schneewehen stecken bleiben, Helfer werden von Panzern überrollt, und das Vieh stirbt massenweise qualvoll, weil kein Wasser, kein Futter mehr da ist und keine Maschine mehr geht. Hunderte Ortschaften bleiben für Tage komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Knopfdruckgesellschaft der Endsiebziger ist über Nacht lahm gelegt. Tiefkühltruhen, Pumpen, elektrisches Licht, Elektroherde, Heizungen - nichts geht mehr. Bundeswehr und Nationale Volksarmee sind im Einsatz.

      Die Folgen dieser Schneekatastrophe sind verheerend. 17 Todesopfer und Schäden in Höhe von 140 Millionen Mark - das ist die Bilanz der Katastrophe in der Bundesrepublik.
      Eine gravierende Folge in der DDR ist, dass die Energieversorgung für zwei Tage komplett zusammenbricht. Im Braunkohleabbau droht eine Anlage nach der anderen stillzustehen.

      In der DDR gibt es keine offiziellen Zahlen über die entstandenen Schäden, aber mindestens fünf Menschen sterben auch hier. Die ostdeutsche Wirtschaft hat Jahrzehnte an den Folgen des Winters 1978/79 zu tragen.
      In diesem Winter aber spielen sich hinter den sieben Meter hohen Schneewehen auch Szenen großer Hilfsbereitschaft und Solidarität ab. Eine fast vergessene Katastrophe, die von Betroffenen und Zeitzeugen und reichlich vorhandenem Archivmaterial interessant und emotional rekonstruiert wird.

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      Sonntag, 16.01.11
      13:00 - 13:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

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