03.12.2012
01:15 Uhr
Joana und die Mächte der Finsternis Hexenjagd in Afrika | hr-fernsehen

Joana ist fast noch ein Kind, als ihr Martyrium beginnt. Gemeinsam mit ihren drei Geschwistern und den Eltern lebt sie in Benin-City in Nigeria. Die Familie gehört zur Mittelschicht des Landes, man ist wohlhabend und gebildet. Joana fühlt sich sicher - bis ihr Vater glaubt, dass sie Schuld an seinen schlecht laufenden Geschäften sei. Die Mutter Joyce, eine praktizierende Christin, wird aus dem Haus gejagt, die beiden Töchter werden wenig später verstoßen. Man wirft ihnen vor, verhext zu sein. Joana sei eine "Wasserhexe", eine "Obanje". Durch bestimmte Rituale könne das Negative ausgetrieben und das Positive aktiviert werden.

Joana muss sich zum ersten Mal einem bizarren und bedrohlichen Ritual unterziehen. Sie und ihre Schwester überleben und fliehen zu ihrer Großmutter. Mit 21 Jahren lernt Joana Toni kennen, einen jungen Nigerianer, der in Wien viel Geld verdient. Die beiden heiraten gemäß afrikanischer Tradition in Nigeria, aber wenig später verlangt auch er von Joana ein reinigendes Hexenritual. Während der okkulten Zeremonie, die in Nigeria durchgeführt wird, werden ihr immer wieder mit Drogen gemischte Getränke eingeflößt, die ihr Bewusstsein lähmen und ihr Erinnerungsvermögen schwächen. In Wien angekommen, muss Joana bald feststellen, dass ihr Ehemann Toni dort kein Reisebüro betreibt, sondern afrikanische Mädchen auf den Strich schickt. Sie zeigt ihn an, verlässt ihn und beginnt ein neues Leben. Sie schreibt sich ihre Geschichte von der Seele. Ohne ihren zweiten Mann Harald und ohne Therapie und die Arbeit an ihrem Buch, meint Joana, hätte auch sie, wie die meisten Opfer des Hexenwahns, keine Chance gehabt, sich selbst wiederzufinden und ein angstfreies Leben zu führen - ohne "magische" Abhängigkeit. Heute kämpft sie in ihrem Verein EXIT für die Rechte afrikanischer Frauen in Europa und Afrika.

Wer Hexenverfolgung für ein mittelalterliches Phänomen hält, der irrt. Mindestens 100.000 Frauen und Kinder wurden seit 1960 in Afrika wegen Hexerei getötet. Hexen, so der afrikanische Glaube, sind Schuld an Krankheiten, persönlichem Unglück, Aids, Epidemien und ökonomischem Misserfolg.
Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte Joanas und begleitet Joana in das okkulte Afrika, in dem heute Hexenwahn und Voodoo-Religion mit Charismatisch-Christlichem verschmelzen.

Nacht von Sonntag auf Montag, 03.12.12
01:15 - 02:45 (90 Min.)
Stereo