02.12.2012
06:00 Uhr
Capriccio Das Kulturmagazin des Bayerischen Fernsehens | Einsfestival

Themen:

  • Bubenreuth und die Beatles: Die sagenhafte Geschichte der Instrumentenbauer in Mittelfranken
  • Energiewende oder Landschaftsschutz? Das Speicherkraftwerk von Schneizlreuth
  • "Die Verteidigung der Missionarsstellung": Der neue Wolf-Haas-Roman
  • Schönheit oder Kitsch: Die neue Weihnachtsbeleuchtung auf dem Viktualienmarkt in München
  • The XX: Die Band der Gegenwart!
  • Bubenreuth und die Beatles: Die sagenhafte Geschichte der Instrumentenbauer in Mittelfranken

In den 50er-Jahren siedelten sich rund 2000 Instrumentenbauer aus dem Sudetenland im kleinen mittelfränkischen Ort Bubenreuth an. Bald spielte John Lennon auf einer Framus-Gitarre und Paul McCartney auf einem Höfner-Bass aus Bubenreuth. Die Geschichte einer gelungenen Integration.

Um 1900 war das böhmische Schönbach (das heutige Luby in Tschechien) ein Zentrum des Instrumentenbaus. Das handwerkliche Wissen sowie das benötigte jahrzehntelang gelagerte Holz wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Dann kam der Zweite Weltkrieg - und nach Kriegsende war Schönbach tschechisch. Die deutschen Bewohner mussten ihre Heimat verlassen. Die rund 2000 Instrumentenbauer schafften es allerdings dennoch, sich ihr einzigartiges gewerbliches Zusammenspiel und Wissen zu bewahren: Sie konnten sich in Bubenreuth bei Erlangen ansiedeln, wo vorher nur rund 700 Einwohner wohnten. Vor dem Zweiten Weltkrieg ein kleines Bauerndorf, hat sich Bubenreuth, nachdem es die Schönbacher aufnahm, in einen der wichtigsten Instrumentenbauer-Orte verwandelt, mit den vier großen Herstellern Höfner, Kliera, Hoyer und Framus.

Schon in den 50er-Jahren verkaufte man von hieraus wieder in die Welt, USA und England zählten zu den wichtigsten Kunden. Musiker, deren Pop gerade die Welt eroberten, kauften hier ein, spielten E-Gitarren und E-Bässe aus Mittelfranken! Legendär etwa Paul McCartneys violinenförmiger E-Bass von Höfner.

Wir haben vor Ort Zeitzeugen befragt, mit Firmenbesitzern und Historikern über die einzigartige Geschichte gesprochen. Ein Verein will dieser Geschichte auch ein Museum widmen, das "Bubenreutheum" - derzeit gibt es davon allerdings erst eine vorläufige Dauerausstellung im Rathaus. Ohne Bubenreuth jedenfalls hätte die Popgeschichte anders geklungen!

  • Energiewende oder Landschaftsschutz? Das Speicherkraftwerk von Schneizlreuth

Weil die Sonne nachts nicht scheint, muss Energie gespeichert werden. Einfach geht das mit einem Pumpspeicherkraftwerk. Und so eines will Max Aicher bauen. Die Bürger von Schneizlreuth und Bad Reichenhall fürchten um ihre schöne Landschaft.

Die Stromerzeugung aus Solaranlagen oder Windkraft läuft nicht stetig, sondern eben nur wenn genug Licht da ist, oder wenn Wind bläst. Zwischenspeicher, die den Strom auch in Flauten und bei Nacht verfügbar machen, sind also keine schlechte Idee! Pumpspeicherkraftwerke tun genau dies: Mit überzähligem Strom wird Wasser in die Höhe gepumpt, das später, wenn Strom benötigt wird, Turbinen antreiben kann. Ein geeignetes Gelände für eines dieser Speicherkraftwerke hat Unternehmer Max Aicher jetzt in Schneizlreuth im Berchtesgadener Land gefunden. Der Poschberg scheint ideal: relativ steil, mit einem Plateau oben und einem Höhenunterschied zu seinem Fuß von ca. 600 Metern. Unten gibt es schon eine Grube, in der Dolomit abgebaut wird, diese könnte den unteren Speichersee bilden. Oben allerdings müsste ein schöner Bergmischwald abgeholzt werden, um einen Speichersee anlegen zu können.

Anwohner fürchten massive Erdhubarbeiten, die wohl etwa vier Jahre dauern würden. Würde der Aushub mit Lastwagen befördert, bekäme auch der nahe Luftkurort Bad Reichenhall Probleme - dann würden hier statt 1.000 wohl 3.000 LKWs täglich durchrollen. Die Kommunen Schneizlreuth und Bad Reichenhall sprechen sich gegen die bisherigen Pläne aus. Sie fürchten das hohe Verkehrsaufkommen und Überlandleitungen, die das Landschaftsbild zerschneiden würden. Unternehmer Aicher denkt daher mittlerweile über ein unterirdisches Förderband nach, das den Aushub bis in das von ihm betriebene Stahlwerk Annahütte in Hammerau transportieren würde, dort zum Teil verwertet und zum Teil per Zug weiter verfrachtet werden könnte. Auch die Stromleitungen könnten unterirdisch verlaufen. Wir haben mit Max Aicher, mit den Bürgermeistern von Schneizlreuth und Bad Reichenhall, sowie mit Umweltschützern über die Pläne gesprochen.

  • "Die Verteidigung der Missionarsstellung": Der neue Wolf-Haas-Roman

Bekannt geworden ist Wolf Haas durch seine skurrilen Krimis mit dem Privatdetektiv Brenner. Sein neuer Roman ist zwar kein Krimi, aber geschrieben in der gewohnt witzig-anarchischen Erzählweise, die Wolf Haas eigen ist.

Auf die Idee zu seinem Roman kam Wolf Haas, als er im Radio einen Psychologen sagen hörte, dass man den Zustand der Verliebtheit als eine Art Psychose bezeichnen könne. Und so lässt Haas seinen Protagonisten mit dem Namen Benjamin Lee Baumgartner immer wieder in die Verliebtheit taumeln, während parallel Tierseuchen ausbrechen. BSE, die Vogelgrippe, EHEC. Die Schweinegrippe befällt den Verliebten schließlich sogar selbst. Baumgartner bekommt schließlich Angst, sich zu verlieben, kämpft dagegen an.

"Seit einigen Büchern setze ich mich hin und denke, jetzt schreibe ich ein ganz normales Buch", sagt Wolf Haas im Interview, "aber mittendrin merke ich immer, dass es viel witzigere Kurven gibt, die ich einbauen könnte, als gut abgehangene Prosa herunterzustricken." Und so ist auch sein neuer Roman viel mehr als nur die gute Erzählung eines Plots, sondern ein Text, der seine Leser immer wieder auch formal überrascht - der sie etwa auffordert, sich Ortsbeschreibungen selbst hinzuzudenken, oder auch einmal ins Chinesische hinüberwechselt. Wir haben Wolf Haas getroffen und uns mit ihm über die Art, wie er Bücher schreibt, unterhalten, darüber, wie die Handlung von der der Form dominiert wird, über Sprachfixierung - und übers Flirten!

Überraschend, innovativ, mit ungewöhnlicher Bildsprache, genauen Recherchen und einer eigenen Haltung. Die Texte, die Bilder, die Musikalität machen Capriccio so besonders. Unser Kulturmagazin wäre nicht möglich ohne ein festes Team außergewöhnlicher Autoren, die mit ihrer Kreativität und ihrem Einsatz Woche für Woche das Besondere wollen.

Sonntag, 02.12.12
06:00 - 06:30 (30 Min.)
Stereo