02.12.2012
21:45 Uhr
Mörderischer Frieden Spiellfilm Deutschland 2007 | BR-alpha

Die jungen Bundeswehrsoldaten Tom und Charly sind mit ihrer KFOR-Friedenstruppe im Kosovo stationiert. Ihr Auftrag lautet: Frieden sichern. Der brutale Krieg zwischen den verfeindeten Serben und Albanern ist zwar offiziell vorbei, doch der Hass zwischen den Menschen schwelt weiter. Als Tom und Charly die junge Serbin Mirjana vor dem Todesschuss des jugendlichen Heckenschützen Durcan retten, werden sie in ein Geflecht aus Schuld, Manipulation, Liebe und Rachsucht verstrickt.

Matlentan, ein Ort im Kosovo, kurz nach Ende des Krieges 1999. Immer noch wird gemordet und geplündert, nur unter anderen Vorzeichen. Waren vorher Albaner die Opfer und Serben die Täter, so ist es nun umgekehrt. Tom und Charly sind mit ihrer Bundeswehr-Kompanie in einem schier aussichtslosen KFOR-Einsatz, der zwischen den verfeindeten Ethnien Frieden stiften soll. Sie sollen das serbische Ghetto im Ort vor den angekündigten, bewaffneten Racheakten der Albaner schützen. Zudem versucht ihre Kompanie seit Langem das zentrale albanische Waffenlager aufzuspüren.
Als ein Scharfschütze zuschlägt, verändert sich für die beiden Soldaten alles. Charly wird bei dem eigenmächtigen Versuch, die junge Serbin Mirjana vor den Kugeln zu retten, verletzt. Tom hetzt dem Killer hinterher, fest entschlossen, ihn mit der Waffe zu stellen. Doch dann steht er einem halbwüchsigen albanischen Jungen gegenüber. Durcan hält ein Scharfschützen-Gewehr in seiner Hand. Bald wird Durcans Motiv klar: Mirjanas Vater, der Arzt Dr. Jovovic, hatte die serbischen Massaker an den Albanern mit zu verantworten, und auch Durcans Familie auf dem Gewissen. Während Charly sich während seines Krankenhausaufenthaltes in Mirjana verliebt, versucht Tom vergeblich, von dem inhaftierten Durcan Informationen über das gefährliche Waffenlager zu erhalten. Als Durcan in den Untergrund flieht, gerät er wieder unter den Einfluss des albanischen Kommandanten Envers, der nach dem Tod seiner Eltern Vormund und militärischer Vorgesetzter in einer Person wurde. Tom und Charly möchten Mirjana und ihre Eltern aus der akuten Lebensgefahr befreien und nach Deutschland in Sicherheit bringen, was zunächst unmöglich scheint.

Fünf Jahre dauerte es, bis der gebürtige Münchner Rudolf Schweiger, der 1999 die 'Kaleidoskop Film & Fernsehproduktion' (u. a. TV-Reihe "Notruf") gründete, seinen Plan, einen abendfüllenden Spielfilm über deutsche Soldaten im Kosovo zu machen, durchsetzen konnte. Dass ihn diese Thematik besonders interessierte, war schon bei dem unter anderem mit dem Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis ausgezeichneten Kurzfilm 'Snipers Alley' (2002) erkennbar. Auch da geht es um zwei Blauhelmsoldaten, die einer von einem Heckenschützen schwer verletzten Zivilistin helfen wollen, es aber laut 'Befehl von oben' nicht dürfen. 'Mörderischer Frieden' basiert im Prinzip auf dieser 14 Minuten langen Arbeit von Schweiger. Sein Spielfilm wirft Fragen auf, die zunehmend und gerade auch brandaktuell die öffentliche Diskussion bestimmen: Welchen humanitären Nutzen bringen militärische Auslandseinsätze? Und welche Folgen haben sie für die Beteiligten? Wie hoch ist der Preis, den man für eine verbotene Liebe ebenso zu zahlen hat wie für naive Hilfsbereitschaft? - Am Ende bleibt die ewige Hoffnung auf den Sieg der Menschlichkeit. Die Rolle des Charly besetzte Schweiger mit dem jungen Berliner Schauspieler Max Riemelt, Jahrgang 1984, den Dominik Graf für seine neue, als Meilenstein der TV-Geschichte gepriesenen Serie "Im Angesichts des Verbrechens" als Hauptdarsteller engagierte und in der Rolle des Polizisten Marek Gorsksy zu Höchstleistungen trieb. Der Autodidakt Riemelt wuchs in Berlin-Mitte auf. Seine ersten schauspielerischen Gehversuche unternahm er mit elf Jahren in der Theatergruppe seiner Schule und auf der Kindertheaterbühne einer Verwandten. Sein Fernsehdebüt gab er 1997 in einer Nebenrolle des Zweiteilers "Eine Familie zum Küssen". Ein Jahr später erspielte er sich in der Miniserie "Zwei Allein" erste Popularität. Es folgten seitdem knapp vierzig Fernseh- und Kinoproduktionen. Wichtig für Riemelts rasante Weiterentwicklung war die Zusammenarbeit mit Regisseur Dennis Gansel in der Coming-of-Age-Komödie "Mädchen, Mädchen" und vor allem die Hauptrollen in dessen Dramen "Napola - Elite für den Führer", die ihm 2005 die Auszeichnung als bester Darsteller beim Festival von Karlsbad und Ernennung zum Shooting Star des Europäischen Kinos einbrachte, sowie in "Die Welle", der 2008 zweiterfolgreichster deutscher Film des Jahres wurde. Fast genau so wichtig wurde Dominik Graf für den jungen aufstrebenden Star: 2006 stand Riemelt unter dessen DDR-Liebesdrama "Der rote Kakadu" vor der Kamera und erhielt für seine Leistung 2006 den Bayerischen Filmpreis als bester männlicher Nachwuchsschauspieler. Ihre gemeinsame Arbeit, die in Berlin angesiedelte Mafia-Serie "Im Angesicht des Verbrechens", gehört schon jetzt zu den Sternstunden der Fernsehgeschichte - hier nur eine stellvertretende Kritik: "... Bewundernswert, wie wuchtig und dicht das alles gestaltet ist: Grafs Kunst erinnert an Robert Altmans 'Short Cuts', mit Dutzenden von Cliffhangern, zwischendurch arbeitet er mit Splitscreens und versteht es jederzeit, den Überblick zu behalten. Ein Meisterwerk des Kriminalfilms" (Rüdiger Suchsland).

"Glaubwürdiges Kriegsdrama um zwei junge deutsche Blauhelm-Soldaten, die im Kosovo zwischen die Fronten geraten. ... Dem Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten in Personalunion gelingt es in seinem intensiven Drama, die Angst der Protagonisten spürbar zu machen" (Blickpunkt:Film). "Man spürt in jeder Szene, dass Schweiger ... nichts dem Zufall überlassen hat, Authentizität um jeden Preis abbilden will. So wird dem Zuschauer schnell klar, wie gefährlich und unberechenbar die Situation für alle Beteiligten ist und wie überfordert, verloren und allein gelassen sich UN-Blauhelme fühlen müssen in einer ihnen fremden Welt, in der abgrundtiefer Hass jeden Moment zu gewaltsamen Übergriffen mit Todesfolge führen kann. Auch die alptraumhafte Angst, die durch Tretminen verursacht werden kann, macht dieses Kriegsdrama - fast körperlich spürbar - deutlich. ...." (Blickpunkt:Film). "Die Handlung von 'Mörderischer Frieden' ... hat alles, was der Zuschauer von einem Spielfilm erwartet. Helden und Schurken, Opfer, die auch mal die Bösen waren, Liebe und Leid, Feinde in den eigenen Reihen und unschuldig Verstrickte. ... Bemerkenswert ... vor allem eines: Fast 15 Jahre ist es her, dass die Bundeswehr in ihren ersten Auslandseinsatz zog - und erst jetzt wird die Truppe mit einem abendfüllenden Spielfilm gewürdigt" (Focus). "Regisseur Rudolf Schweiger traut sich auf ein politisch delikates Gebiet. Die Dimensionen des Problems sind sehr nuanciert dargestellt, indem alle Seiten zur Rede kommen. Realitätsgetreu werden auch Probleme wie die psychische Belastung der Soldaten und die Stimmungen der Bevölkerung gegen die westlichen Besatzer angesprochen" (Filmreporter.de).

Sonntag, 02.12.12
21:45 - 23:10 (85 Min.)
Stereo Untertitel für Gehörgeschädigte