16.05.2012

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Gewaltfrieden

(1/2) Die Legende vom Dolchstoß und der Vertrag von Versailles

16 zu 9 Format Stereo HD-TV

arte

Freitag, 11.11.11 | 20:15 - 21:45 (90 Min.)

Kultur

Dieser Sendetermin liegt in der Vergangenheit

Inhalt der Sendung

Herbst 1918: Die Lage für Deutschland ist aussichtslos, der erste Weltkrieg für Deutschland verloren. Die Revolution bricht aus und der harte Kampf um die Macht beginnt. Der Friedensvertrag der Siegermächte ist kaum zu erfüllen.

Während der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, nach Compiègne aufbricht, um über einen Waffenstillstand zu verhandeln, revoltieren in Kiel die Matrosen. Sie tragen die Revolution nach Berlin und ins gesamte Reich. Der Kaiser wird zur Abdankung gezwungen, Erzberger muss auf Weisung Hindenburgs ein außergewöhnlich hartes Waffenstillstandsabkommen unterzeichnen, das bereits Vorbote des harten Vertrages von Versailles ist. Der Matrose Wöllke beteiligt sich am Aufstand der Matrosen in Kiel.

Später macht er sich auf nach Berlin zu seiner hungernden Familie und wird in die Straßenkämpfe von 1918/1919 verwickelt. Scheidemann und Liebknecht rufen am 9. November die Republik aus. Vor den Augen Erzbergers und des scharfsichtigen liberalen Beobachters Harry Graf Kessler entspinnen sich die Konflikte der Revolutionszeit zwischen Sozialdemokraten, Freikorps, den Räten und später den Spartakisten sowie den konservativen Eliten des Heeres und der Verwaltung.

Die neuen sozialdemokratischen Machthaber um Reichspräsident Ebert und Reichswehrminister Noske schmieden eine Allianz mit den alten konservativen Kräften des Heeres, um die Revolution von links niederzuschlagen. Nach der Ermordung der Spartakisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg droht die junge Republik auseinanderzubrechen.

Basierend auf Protokollen, Tagebüchern und anderen historischen Dokumenten erzählt Regisseur Bernd Fischerauer in dem zweiteiligen Dokumentarspiel die dramatische und folgenreiche Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Zwischen Waffenstillstandsabkommen, Friedensvertrag, Kieler Matrosenaufstand, Ausrufung der Republik und Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg überstürzen sich die Ereignisse. Doch dem Film gelingt es, die Wirren nach dem Ersten Weltkrieg in übersichtlicher und spannender Form zu vermitteln. "Gewaltfrieden" schafft es, zu den historischen Daten mitreißende Bilder, Figuren und Dialoge zu liefern und auf diese Weise ein Stück deutscher Geschichte anschaulich und einprägsam zu vermitteln.

Der Vertrag von Versailles, bei dessen Sichtung Philipp Scheidemann den viel zitierten Satz "Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in solche Fesseln legt" äußerte, sah für das Deutsche Reich Reparationszahlungen in Höhe von circa 132 Milliarden Goldmark vor. Das war das Dreifache seines Bruttosozialproduktes vor dem Krieg. Die letzte Schuldenrate zahlte Deutschland am 3. Oktober 2010.

Der Regisseur des Films, der Österreicher Bernd Fischerauer, ist Absolvent des Max-Reinhardt-Seminars in Wien. Neben seiner Theaterarbeit führte er auch Regie in zahlreichen Serien und Filmen, wie beispielsweise in "Die Wiesingers", "Liebe und andere Katastrophen" oder dem Werk "Gipfelsturm", ein Film über die Erstbesteigung der Zugspitze. 2008 führte er Regie im Dokumentarspiel "Hitler vor Gericht", ein Jahr später folgte "Der Staat ist für den Menschen da", ein Dokumentarspiel über den Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee 1948. Die Drehbücher zu beiden Filmen verfasste Bernd Fischerauer selbst, gemeinsam mit Klaus Gietinger. In "Gewaltfrieden" setzt sich diese erfolgreiche Zusammenarbeit fort.

Auch Klaus Gietinger hat sich über die genannten Drehbücher hinaus ausführlich mit der Geschichte Deutschlands befasst. 2006 hatte sein Dokumentarfilm "Rosa Luxemburg in China" Premiere. Auch seine Bücher, "Eine Leiche im Landwehrkanal - Die Ermordung der Rosa Luxemburg" und "Der Konterrevolutionär", eine Biografie über Waldemar Pabst, handeln von der Zeit, die auch in "Gewaltfrieden" beschrieben wird. Als Autor und Regisseur des skurrilen Kinofilms "Daheim sterben die Leut'" wurde er 1986 für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Der Film "Die Konterrevolution - Der Kapp-Lüttwitz-Putsch" von 2011 entstand ebenfalls in der Zusammenarbeit zwischen Bernd Fischerauer und Klaus Gietinger. Er schließt direkt an die Produktion "Gewaltfrieden" an und rekonstruiert die Umstände nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, die zum ersten Staatsstreich gegen die Weimarer Republik geführt haben.

Stab und Besetzung

Darsteller/Regie 
Friedrich Ebert Jürgen Tarrach
Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau Mathieu Carrière
Wilhelm Groener Alexander Held
Philipp Scheidemann George Meyer-Goll
Walther Freiherr von Lüttwitz Hans-Michael Rehberg
Harry Graf von Kessler Roland Renner
Matthias Erzberger Hans Hohlbein
Erich Ludendorff Christian Hoening
Otto Landsberg Stephan Boden
Gustav Noske Torsten Münchow
Ferdinand Foch Serge Avedikian
Paul von Hindenburg Rainer Basedow
Karl Liebknecht Uwe Poppe
Rosa Luxemburg Adriana Alteras
Waldemar Pabst André Röhner
Benno Wöllke Benjamin Kramme
Kamera Markus Fraunholz
Musik Hannes M. Schalle
Regie Bernd Fischerauer

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SENDER: ARTE - SENDETITEL: Gewaltfrieden - Die Legende vom Dolchstoß und der Vertrag von Versailles - UNTERTITEL:  (Erstausstrahlung Deutschland 19.02.2010) -
In der Wohnung von Graf Kessler. Graf Kessler kauft ein Bild von Grosz (Markus Boniberger).
Im Salonwagen von Marschall Foch. Am Tisch sitzen die Verhandlungspartner. Von links: der deutsche Dometscher (Mike Maass), Erzberger (Hans Hohlbein), Ferdinand Foch (Mitte) und der französische Dolmetscher (Patrice-Luc Doumeyrou, 2. von rechts).

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