03.12.2012
01:35 Uhr
Fashion! (1/3) Golden Eighties | arte

Vom Aufstieg der Designer-Superstars bis zum viel zu frühen Tod von Alexander McQueen: Die Dokumentationsreihe erzählt drei Jahrzehnte Modegeschichte, in denen die Vorherrschaft der Haute Couture gebrochen wurde und die Globalisierung bei den Luxusmarken Einzug hielt. Und sie macht deutlich, inwieweit Geschichte, Politik und kulturelles Geschehen die Mode beeinflussen - und umgekehrt.
Im Mittelpunkt des ersten Teils stehen die Modeschöpfer Thierry Mugler, Claude Montana, Jean-Paul Gaultier und Azzedine Alaïa, die die goldenen 80er Jahre der Mode verkörpern.

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre stehen in Paris vier junge Modeschöpfer - Thierry Mugler, Claude Montana, Jean-Paul Gaultier und Azzedine Alaïa - in den Startlöchern, um die französische Haute Couture zu revolutionieren. Durch sie wird Paris zur weltweiten führenden Stilmetropole avancieren.
Jean-Paul Gaultier, der schon bald als Enfant terrible der Modewelt gilt, wird 1952 geboren und wächst im Pariser Vorort Arcueil auf. 1970 kommt er zum Modehaus Pierre Cardin. Ende der 70er Jahre macht er sich mit seinen unkonventionellen Kreationen selbstständig. Er bricht mit der überlieferten Kleiderordnung, mit den Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Unterschieden. Gaultier ist der erste Moderschöpfer, der sich selbst als Star inszeniert. Seine Ästhetik spiegelt sich in den Fotografien von Pierre et Gilles, in den Videoclips von Les Rita Mitsouko und in den Bühnenshows von Yvette Horner wider.
Azzedine Alaïa wird in 1940 in Tunis geboren und kommt mit 17 Jahren nach Paris. Er arbeitet für verschiedene Modehäuser. Zu seinen treuen Kundinnen zählen Greta Garbo, Arletty, Andrée Putman und Louise de Vilmorin. 1981 bringt er seine eigene Kollektion heraus. Er kreiert eine körperbetonte Mode, die ihren Käuferinnen ein animalisch-katzenhaftes Aussehen verleiht.
Claude Montana kommt 1949 zur Welt. Mit 20 Jahren entwirft er seine erste erfolgreiche Schmuckkollektion. 1976 schlägt seine erste Fashion-Show ein wie eine Bombe. Das begnadete Farbgenie arbeitet ausschließlich mit Uni-Tönen. Von Malerei und Bildhauerei geradezu besessen, kreiert er Mode mit stark reduzierten Formen und sehr klarer Struktur. 1979 gründet er sein eigenes Unternehmen.
Thierry Mugler wird 1948 in Straßburg geboren. Der Kunstgewerbestudent und Tänzer kommt mit 23 Jahren nach Paris. Seine Kreationen sind körper- und umrissbetont mit starker Akzentuierung der Weiblichkeit. Seine Models widersprechen jeglicher Norm mit ihren XXL-Schultern, ihrer Wespentaille und den endlos langen Beinen. Thierry Mugler zelebriert als einer der ersten Modenschauen als visuelle Kunstform und Unterhaltung. Mit ihren Fashion-Events, die über eine Stunde dauern und bei denen scharenweise Models und Stars den Laufsteg bevölkern, entwickeln die vier Modeschöpfer eine betont erotische Mode als Hommage an den weiblichen Körper mit aggressiven, futuristischen, fast bedrohlichen Entwürfen. Diese Ästhetik prägt die gesamten 80er Jahre. Sie ergänzt perfekt die aufkommende Fitnesswelle und einen vom athletischen, leistungsfähigen Körper besessenen Trainingskult.
Dank des Rückhalts im eigenen Land finden die vier Modeschöpfer auch im Ausland Anerkennung und Nachahmer: Den berühmten 80er Jahre-Look findet man in fast allen Fernsehserien dieser Zeit. Auf der anderen Seite des Atlantiks verliert die Mode jedoch ihre ironische, rebellische Komponente, wirkt konservativ und verkörpert den Einfluss von Macht und Geld: Es ist die Symbolik der Reagan-Jahre. Ihre höheren Weihen erhalten die Vier, als ihre Dienste von den weltweiten Ikonen der Popkultur in Anspruch genommen werden, zum Beispiel von Tina Turner, Grace Jones, Madonna und George Michael, der Thierry Mugler sogar die Regie für den Videoclip zur Single "Too Funky" überlässt. Die französische Mode ist auf dem besten Weg, ihre Ästhetik in der ganzen Welt durchzusetzen ...

30 Jahre Mode, die so nah erscheinen und doch schon so fern sind. Ausführlich und mit viel Liebe zum Detail verknüpft die dreiteilige Dokumentationsreihe die Schicksale ihrer Protagonisten, ordnet Phänomene, Begleiterscheinungen und Strömungen ein, wirft mit dem Wissen von heute einen Blick auf die Briefwechsel von damals und zeichnet so das fundierte Porträt einer Epoche, das sich auf ganz verschiedene und individuelle Weise interpretieren lässt. Filmemacher Olivier Nicklaus macht deutlich, inwieweit Geschichte, Politik und kulturelles Geschehen die Mode beeinflussen und welchen Einfluss die Mode selbst auf die Gesellschaft besitzt, indem sie Bewegungen, soziale und kulturelle Strömungen sichtbar macht.
Jede Folge beginnt mit einem scheinbar unbedeutenden Ereignis, das sich für das folgende Jahrzehnt als prägend erweisen soll, und zeichnet die Karriere von vier Modeschöpfern nach, die in dieser Dekade wegweisend waren. In einer Mischung aus Geschichte und Geschichtchen, aus Skandalen und Schicksalen wird ein Modejahrzehnt nacherzählt, aber auch das kulturelle, politische und soziale Leben jener Zeit.

Nacht von Sonntag auf Montag, 03.12.12
01:35 - 02:30 (55 Min.) VPS 01:40
Stereo HD-TV