• 13.03.2011
      14:55 Uhr
      Die Auflehnung Fernsehfilm Deutschland 2010 - Zum 85. Geburtstag von Siegfried Lenz | arte
       

      Auf Frank Wittmanns Hof sterben die Fische, sein Bruder Willy, ein Unternehmer für Teespezialitäten, verliert seinen Geschmackssinn. Verluste, die das ungleiche Brüderpaar verbindet, sie allerdings auch von Konventionen trennt.

      Sonntag, 13.03.11
      14:55 - 16:30 Uhr (95 Min.)
      95 Min.
      Stereo HD-TV

      Auf Frank Wittmanns Hof sterben die Fische, sein Bruder Willy, ein Unternehmer für Teespezialitäten, verliert seinen Geschmackssinn. Verluste, die das ungleiche Brüderpaar verbindet, sie allerdings auch von Konventionen trennt.

       

      Rund um das idyllische Landhaus des Fischermeisters Frank Wittmann beginnen die Fassaden langsam zu bröckeln. Ein Haus, ein Hof vielmehr, den Frank und sein Bruder Willy Wittmann nach dem Tod ihrer Eltern geerbt haben. Allerdings ist nur Frank in der Heimat geblieben, um gemeinsam mit seiner Familie die elterliche Fischzucht weiterzubetreiben. Willy hingegen war damals in die weite Welt aufgebrochen.
      Sein außergewöhnlicher Geschmackssinn bescherte ihm eine einträgliche Karriere als Teehändler - und die Hochzeit mit der schönen Tekla. Eines Tages steht der so gar nicht ländliche Bruder Willy aber wieder vor den Türen seiner Kindheit. Beim gemeinsamen Essen gesteht der einst so erfolgreiche Geschäftsmann seinem Bruder Frank, dass er seinen Geschmackssinn verloren hat und nicht mehr als Teehändler arbeiten kann. Zu allem Unglück hat Tekla ihn auch noch verlassen.
      Willy zieht wieder im elterlichen Haus ein, er wird an diesem Ort allerdings keine Kindheitserinnerungen entdecken, sondern allzu großzügig ausgebreitete Gegenwart: Auch sein Bruder Frank ist mittlerweile in Schwierigkeiten. Er hat hohe Schulden, zudem fallen Raubvögel regelmäßig in die Teichanlage ein und bedienen sich ungefragt an Franks mühsam gezüchteten Fischen. Frank greift wütend zur Waffe, um sein Hab und Gut zu verteidigen - ohne Waffenschein, gegen eine gesetzlich geschützte Vogelart. Seine Aggression scheint anzuschwellen, als er erfährt, dass seine Tochter Ute Bernhard Drews heiraten will, einen ehemaligen Mitarbeiter, den Frank wegen mehrerer Betrügereien hochkantig hinausgeschmissen hatte. Wirklich beeindruckt schien das Drews allerdings nicht zu haben, rasch hatte er sich selbstständig gemacht, seine Nerzzucht betreibt er mittlerweile erfolgreich. Als Ute ihren Auserwählten mit einer anderen erwischt, erscheint auch ihr das wahre Gesicht ihres Zukünftigen entlarvt. Diesmal ist es allerdings sie selbst, die den dreisten Kerl seiner Existenz berauben, ihn dem Nichts aussetzen möchte. Wutentbrannt lässt sie alle Nerze frei.
      Willy scheint hingegen bei der Suche nach dem persönlichen Frieden, auf die andere Seite des Hasses zu setzen: Zwischen ihm und Corinna, einer Freundin von Ute, bahnt sich eine schüchterne Liebe an.

      "Die Auflehnung" - das ist eigentlich ein 400-Seiten-Roman von Siegfried Lenz. Manfred Stelzers Verfilmung verarbeitet unterschiedliche Arten und Ursachen von Widerständen, sei es solche gegen Mitmenschen, gegen die Natur oder gegen sich selbst. Mal werden sie offen, mal verdeckter ausgetragen. Jedem Widerstand scheint aber letztlich die Suche, der Wunsch nach Harmonie zugrunde zu liegen - und sei es nur um der Harmonie selbst willen.
      Im Unterschied zu den beiden vorhergehenden Lenzadaptionen - "Mann im Strom", "Feuerschiff" - ist die Thematik dieses Romans alltags- und lebensnah. Dazu trägt mitunter die ruhig gehaltene Inszenierung bei, lange Kameraeinstellungen geben dem Zuschauer Zeit, sich auf das Geschehen einzulassen. Auch die Natur kommt nicht zu kurz, im Gegenteil, sie scheint mit jedem menschlichen Gesichtsausdruck gleichberechtigt.
      Die Besetzung könnte passender nicht sein, die Lenz-Trilogie scheint für Jan Fedder geschrieben. Der deutsche Schauspieler und Synchronsprecher wurde 1955 in Hamburg geboren, seine erste größere Rolle hatte er im Film "Das Boot" (Regie: Wolfgang Petersen) als Pilgrim. Ob den tauchenden "Mann im Strom" Jan Hinrichs, den Kapitän Freytag auf dem "Feuerschiff", beide hat Fedder mit großem Erfolg im Film verkörpert, für den "Mann im Strom" erhielt er 2006 den Deutschen Fernsehpreis.
      In der Rolle des gefallenen Geschäftsmannes macht André Hennicke jedem realen Spießer ernsthafte Konkurrenz. Insbesondere durch Auftritte in den Serien "Polizeiruf 110", "Tatort" oder "Bella Block", ist der Deutsche bekanntgeworden, in Petzolds "Toter Mann" und in Schippers "Mitte Ende August" erinnert der 52-Jährige erneut an seinen Ruf als Charakterschauspier.

      Wird geladen...
      Sonntag, 13.03.11
      14:55 - 16:30 Uhr (95 Min.)
      95 Min.
      Stereo HD-TV

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 26.07.2017