14.02.2012
00:30 Uhr
Astronauten, Wikinger und Geister Dokumentarfilm Großbritannien 2010 | arte
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Der 19-jährige Filmstudent Robert Haines fotografiert im Jahr 1972 die Menschen in seiner Heimatstadt Merthyr Tydfil im Süden von Wales. Fast 40 Jahre später findet Haines - inzwischen erfolgreicher Journalist und Fotograf - die Fotos wieder.

Im Süden von Wales, dem früheren Zentrum der britischen Kohle- und Eisenindustrie, liegen die Kleinstadt Merthyr Tydfil und das Dorf Heolgerrig. Dort beginnt Anfang der 70er Jahre der damals 19-jährige Filmstudent Robert Haines, seine Familie, seine Freunde und manchmal auch völlig Fremde zu fotografieren. Für ihn sind diese Bilder Aufnahmen ganz gewöhnlicher Menschen, die ein ganz gewöhnliches Leben führen, und so landen die Fotos in einem Pappkarton und werden vergessen.
Erst knapp 40 Jahre später öffnet Haines diesen Karton wieder und findet etwas Unerwartetes: Er stößt auf Porträts von Menschen, die jetzt gar nicht mehr gewöhnlich scheinen, Fotos von großer Präsenz und Kraft, die davon erzählen, wie eine Industrie, ganze Berufsstände, eine Region und ihre Dorfgemeinschaften Geschichte werden.
Und plötzlich will jeder diese Bilder sehen, ein Fotobuch entsteht, mehrere Ausstellungen folgen, Fernsehen und Zeitungen berichten über die "vergessenen Fotos". Haines entscheidet sich, zurück nach Merthyr und Heolgerrig zu gehen und dort nach den Menschen zu suchen, die er damals fotografiert hat. Er will herausfinden, was aus ihnen geworden ist. Und er trifft tatsächlich nicht wenige seiner ehemaligen "Motive" wieder, redet mit ihnen, hört ihren Erzählungen zu und macht daraus das vielschichtige Porträt einer Gemeinde, poetisch und elegisch, lustig und anrührend, bildschön und eigenwillig. Haines zeigt, dass kein Leben "gewöhnlich" ist, wenn man wirklich hinsieht.

Robert Haines studierte Film an der Universität von Westminster/London. Er arbeitete als Kameramann, Journalist und Fotograf unter anderen für die BBC. In der letzten Zeit konzentrierte er sich auf künstlerische Fotografie, seine Arbeiten wurden in Galerien in Großbritannien und in Paris ausgestellt und fanden ein internationales Publikum.
Das Buch mit seinen frühen Fotografien aus Wales erschien 2009 unter dem Titel "Once Upon a Time in Wales".
"Astronauten, Wikinger und Geister" ist sein erster Dokumentarfilm. Er wurde beim Newport International Film Festival mit dem Preis als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Nacht von Montag auf Dienstag, 14.02.12
00:30 - 01:30 (60 Min.)
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