07.07.2011
23:40 Uhr
Sasori - Scorpion Spielfilm Japan 1972 | arte
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Nachdem Nami Matsushima von ihrem Geliebten Sugimi, einem verbrecherischen Polizeibeamten, der sie als Spitzel benutzte, verraten wurde, möchte sie sich. Doch sie wird verhaftet und in eines der härtesten Zuchthäuser Japans eingesperrt.

Nach einem erfolglosen Fluchtversuch mit der Mitinsassin Yuki wird der Aufenthalt im Gefängnis immer gewalttätiger. Nun wird sie nicht nur von den selbstgerechten Aufsehern gefoltert und gedemütigt, sondern muss auch die Übergriffe von ihren sadistischen Mitinsassinnen ertragen, da diese seit ihrer Flucht unter Kollektivstrafen leiden müssen. Nami Matsushima wird zu Sasori, dem Skorpion, der scheinbar alles duldet, um dann plötzlich seinen tödlichen Stachel zu benutzen. Sogar die schlimmste Folter lässt Sasori ihren Schmerz nicht zeigen, und sie kann ihre Rachsucht durch geglückte Gegenangriffe befriedigen. Die Härte in ihren Augen lässt selbst den abgebrühtesten Wächter schwach werden. Beim kollektiven Arbeitsdienst, bei dem alle Gefangenen stundenlang Löcher buddeln und wieder zuschütten müssen, kommt es zu Unruhen unter den Insassen, die in einer Revolte gegen die Aufseher des Zuchthauses enden. Sie besetzen das Lagerhaus und fordern neben Essen und besseren Haftbedingungen auch die Übergabe von Nami Matsushima ein, die nicht bei ihnen ist, um sie aufs Neue foltern zu können. Den Wärtern gelingt es, die von den Frauen besetzten Lagerhallen zu stürmen, und Nami kann während dieses Durcheinanders fliehen. Nach langem Leiden kann sie endlich in Freiheit Rache an ihren Peinigern üben.

Der Film ist der erste von vier "Female Prisoner"-Filmen mit Meiko Kaji in der Hauptrolle. Die insgesamt sechsteilige Filmreihe zählt zum japanischen Exploitation-Kino, einer Art Softporno-Variante oder auch "Pinku Eiga" ("pinker Film") genannt, und verbindet Sex und Gewalt mit einer weiblichen Identifikationsfigur. Schon von der ersten Szene des Films an ist die Rollenverteilung eindeutig: Männliche Autoritätspersonen greifen zum Äußersten, um weibliche Untergebene zu unterdrücken.

Durch die fast fehlenden Dialoge kommt die Präsenz der Hauptdarstellerin Meiko Kaji mit ihrer eindrucksvollen Mimik besonders zur Geltung. Die elegante Cinemascope-Fotografie und die für die damalige Zeit geradezu avantgardistischen Regieeinfälle sorgen für Faszination und Spannung. Auf der optischen Ebene verschmelzen Kunst- und Schmuddelkino zu einem reizvollen Ganzen.

Die japanischen Zuschauer identifizierten sich mit Sasori, die für sie das unterdrückte Volk unter dem straff organisierten und kapitalistischen Staat verkörperte, welches in die Knie gehen musste und sich schließlich wehrte.
Shunya Ito wurde für diesen Film zum besten neuen Regietalent vom japanischen Regisseurverband ernannt, und auch seine Folgefilme machten von sich reden: Der Film "Gray Sunset" bescherte Shunya Ito 1985 internationale Anerkennung, indem er den japanischen Academy Prize gewann. Sein letzter Film "Rosuto kuraimu: Senkô" über die Geschichte eines berühmten Überfalls aus dem Jahre 1968 hatte 2010 Premiere.

Die Rolle der Rächerin Nami machte Meiko Kaji zu einer der wichtigsten Schauspielerinnen im japanischen Exploitation-Kino.

Donnerstag, 07.07.11
23:40 - 01:05 (85 Min.)
Stereo