• 31.05.2011
      01:10 Uhr
      Sprengbagger 1010 Stummfilm Deutschland 1929 | arte
       

      Der Film "Sprenggbagger 1010" verbindet auf geschickte Art die Stilmittel des Industriefilms mit denen eines publikumswirksamen Melodramas, inszeniert von Carl Ludwig Achaz-Duisberg, einem Sohn des Großindustriellen Carl Duisberg.

      Nacht von Montag auf Dienstag, 31.05.11
      01:10 - 02:45 Uhr (95 Min.)
      95 Min.
      Stereo HD-TV

      Der Film "Sprenggbagger 1010" verbindet auf geschickte Art die Stilmittel des Industriefilms mit denen eines publikumswirksamen Melodramas, inszeniert von Carl Ludwig Achaz-Duisberg, einem Sohn des Großindustriellen Carl Duisberg.

       

      Stab und Besetzung

      Direktor March
      Olga Lossen, Direktionsassistentin
      Karl Hartmann, Ingenieur
      die alte Hartmann
      Camilla von Einerm, Gutsbesitzerin
      Regie Carl Ludwig Achaz-Duisberg
      Autor Carl Ludwig Achaz-Duisberg
      Dirigent Titus Engel
      Kamera Helmar Lerski
      Artur von Schwertführer
      Hugo von Kaweczynski
      Orchester WDR Rundfunkorchester Köln
      Produktion Terra Film Produktion
      Sonstige Mitwirkung Walter Gronostay
      Carl- Ludwig Achaz-Duisberg
      Bernd Thewes

      Karl Hartmann, ein ambitionierter Ingenieur, entwickelt einen gigantischen Bagger, mit dem in kurzer Zeit große Mengen von Braunkohle gefördert werden können. Die Beziehung zu seiner Jugendfreundin Camilla lässt ihn vorübergehend an der Mission seiner Erfindung zweifeln, doch zu verlockend ist die Aussicht auf Anerkennung und Karriere.

      Während der Generaldirektor des Braunkohlewerks Grund und Boden zusammenkauft, vollendet der Ingenieur die Konstruktion der Maschine, die bald darauf ihr zerstörerisches Werk an der Natur beginnt. Doch der Ingenieur zahlt am Ende einen hohen Preis für sein Streben - seine Freundin kommt bei einer Sprengung ums Leben.

      Mitten im westsächsischen Braunkohle-Tagebaugebiet, fanden im Sommer 1929 die Dreharbeiten zu einem der letzten deutschen Stummfilme statt. Vor der imposanten Kulisse der Leuna-Werke entwickelt sich ein packendes Melodram, das mitten hinein in das Konfliktfeld zwischen Natur und Technik führt.

      Der Film "Sprenggbagger 1010" verbindet auf geschickte Art die Stilmittel des Industriefilms mit denen eines publikumswirksamen Melodramas, inszeniert von Carl Ludwig Achaz-Duisberg, einem Sohn des Großindustriellen Carl Duisberg. Die Außenaufnahmen entstanden im Braunkohlegebiet rund um die Leuna-Werke. Die Kameramänner Helmar Lerski, Artur von Schwertführer und Hugo von Kaweczynski liefern von den Industrieanlagen und gewaltigen Baggern dokumentarische Bilder, die vom Geist der Neuen Sachlichkeit und einer ungebrochenen Technikbegeisterung inspiriert sind. Besetzt ist der Film mit bekannten Schauspielern der deutschen Stummfilmära, allen voran "Metropolis"-Star Heinrich George als skrupellosem Industriemogul.

      Wie die Zensurkarte von "Sprengbagger 1010" zeigt, wurde der Film kurz nach seiner Uraufführung um circa 1.000 Meter gekürzt, wobei insbesondere die dokumentarischen Industrieaufnahmen geschnitten wurden. Auch das Ende der Geschichte erfuhr eine signifikante Umdeutung: In der ursprünglichen Fassung gibt es ein Happy End - Karl und Camilla gehen im Zeichen einer rasanten Technisierung einer gemeinsamen Zukunft entgegen. In der überlieferten Filmfassung verliert Hartmann seine Freundin während der ersten Sprengung.

      Ein seltener Glücksfall ist die Überlieferung der seinerzeit für diesen Film komponierten Begleitmusik des Komponisten Walter Gronostay (1906-1937), der sich als Schüler von Arnold Schönberg schon früh den jungen Medien Film und Rundfunk zuwandte und der auch in den 30er Jahre zahlreiche Filmmusiken schrieb. Mit seinem sicheren Instinkt für aktuelle Theaterentwicklungen und Mut zum Experiment wurde das Allroundtalent Gronostay zum Pionier in der Anwendung neuer musikalischer Mittel für die jungen Medien. Er schrieb, neben diversen Instrumentalstücken, Musik für Hörspiele und Filmmusik zu über 30 Spielfilmen, Dokumentar- und Werbefilmen. Zeitgenössische Rezensionen sehen in ihm den "Typus eines radikalen, bedenkenlosen Gegenwartsmenschen, der alle Zeitströmungen aufgreift, um sie zu Musik zu machen. Er ist der typische Gebrauchsmusiker, der sich bewusst in Gegensatz zur "hohen Kunst" stellt. Er tastet alle aktuellen Ausdrucksformen der Gegenwart ab: Zeittheater, Kurzoper, Radio und Schallplatte". Sein Nachlass wird in der Berliner Akademie der Künste aufbewahrt, darunter auch die handschriftliche Originalpartitur zu "Sprengbagger 1010". Gronostay geht hier experimentierfreudig ans Werk: Seine Besetzung sieht neben einem erweiterten Kammerorchester auch Gasflaschen, Werkssirenen und einen achtköpfigen Sprechchor vor.

      Im Auftrag von ZDF/ARTE wurde die Partitur vom Mainzer Komponisten Bernd Thewes auf die überlieferte Filmfassung hin eingerichtet und liegt nun in einem neuen Notensatz für Filmaufführungen mit Livemusik bereit. Die Musik wurde mit Chor und Effektinstrumenten im März 2011 vom WDR Rundfunkorchester Köln unter der Leitung von Titus Engel eingespielt und am 18.03.2011 in der Zeche Zollverein, Essen, der Öffentlichkeit präsentiert.
      Von dem Film ist eine einzige Kopie im Bestand des Bundesfilmarchivs, Berlin, erhalten. Diese Kopie wurde in Kooperation mit ZDF/ARTE digital restauriert und liegt nun in einer hochwertigen HD-Fassung für den Einsatz in Kino- und Konzertsälen vor. Sie trägt die historischen Zwischentitel der damaligen gekürzten Fassung.

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      Nacht von Montag auf Dienstag, 31.05.11
      01:10 - 02:45 Uhr (95 Min.)
      95 Min.
      Stereo HD-TV

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