• 26.07.2017
      23:40 Uhr
      Elite-Hochschulen Europas Die London School of Economics | arte
       

      Die London School of Economics liegt mitten im Herzen der britischen Hauptstadt, auf halbem Wege zwischen den Banken, der Innenstadt und dem Westminster-Palast. Die auf Sozial- und Wirtschaftswissenschaften spezialisierte Universität steht heute vor der Herausforderung eines paradoxen Pluralismus: Ihr Gleichgewicht von sozial engagierten, linken Ideen bis hin zu ultraliberalen, rechten Konzepten ist heute bedroht – denn sie fungiert als internationale Kaderschmiede für eine wirtschaftliche und finanzielle Elite. Bei ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunderts standen vor allem soziale Anliegen im Fokus.

      Mittwoch, 26.07.17
      23:40 - 00:30 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Stereo HD-TV

      Die London School of Economics liegt mitten im Herzen der britischen Hauptstadt, auf halbem Wege zwischen den Banken, der Innenstadt und dem Westminster-Palast. Die auf Sozial- und Wirtschaftswissenschaften spezialisierte Universität steht heute vor der Herausforderung eines paradoxen Pluralismus: Ihr Gleichgewicht von sozial engagierten, linken Ideen bis hin zu ultraliberalen, rechten Konzepten ist heute bedroht – denn sie fungiert als internationale Kaderschmiede für eine wirtschaftliche und finanzielle Elite. Bei ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunderts standen vor allem soziale Anliegen im Fokus.

       

      Im Londoner Zentrum, auf halbem Wege zwischen den Banken, der Innenstadt und dem Parlamentssitz im Westminster-Palast, befindet sich die London School of Economics (LSE). Schon als die LSE im Jahr 1895 von Mitgliedern der Fabian Society, die fünf Jahre später zu den Gründungsorganisationen der Labour Party gehörte, ins Leben gerufen wurde, war es ihr Anliegen, die britische Gesellschaft zu verändern: „For the betterment of society“.
      Hauptaugenmerk lag hierbei auf der Armutsbekämpfung. Dazu sollte die Schule eine Elite von Experten auf den damals neuen Fachgebieten wie Ökonomie, Finanzwissenschaft und Soziologie ausbilden. Dass die LSE ihren Grundprinzipien treu geblieben ist, wurde durch die Gründung des International Inequalities Institute, das seinen Sitz in der LSE hat, zum Ausdruck gebracht. An der Schule gibt es ein sehr strenges Auswahlverfahren: Die Hälfte der 10.000 Studierenden und der Lehrkräfte kommen aus insgesamt 140 Ländern.
      Die LSE brachte bis 2010 16 Nobelpreisträger hervor und bildete 34 zukünftige Staats- oder Regierungschefs aus. Ganz zu schweigen von den Dutzenden von Ministern und Abgeordneten, von Unternehmern und Geschäftsleuten aus aller Welt. Die LSE ist mit Politik und Wirtschaft stark verbunden. An der LSE entstand die moderne Theorie des Wohlfahrtsstaates. Es folgten heftige Angriffe von Friedrich Hayek auf John Maynard Keynes' Theorien - aus ihr schöpfte Tony Blair wiederum die Leitgedanken seines „Dritten Weges“ zwischen Wirtschaftsliberalismus und Staatssozialismus. Seit der konservativen Revolution der Thatcher-Jahre musste sich die LSE jedoch immer mehr durch private Fonds finanzieren. Nach und nach wurde sie zur renommierten Ausbildungsstätte von Wirtschafts- und Finanzmanagern, um die sich Banken, Börsen und multinationale Unternehmen inzwischen reißen.
      Die von einer Gruppe sozialistischer Intellektueller gegründete Schule stand zweifellos im Zentrum der großen politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts – heute muss man sich allerdings fragen, ob die London School of Economics nur noch als Kaderschmiede des Kapitals fungiert.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 25.11.2017