• 22.05.2017
      12:15 Uhr
      Schätze der Welt - Erbe der Menschheit Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen - Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz, Slowenien | 3sat
       

      Es ist das erste archäologische Welterbe unter Wasser. Ein Erbe so außergewöhnlich reich an prähistorischen Funden, dass es sogar mit "Weltwundern" wie den Ägyptischen Pyramiden verglichen wurde, denn die Siedlungen stammen aus der Zeit von 3919 bis 933 vor Christus.

      Montag, 22.05.17
      12:15 - 12:30 Uhr (15 Min.)
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      Neu im Programm
      Stereo

      Es ist das erste archäologische Welterbe unter Wasser. Ein Erbe so außergewöhnlich reich an prähistorischen Funden, dass es sogar mit "Weltwundern" wie den Ägyptischen Pyramiden verglichen wurde, denn die Siedlungen stammen aus der Zeit von 3919 bis 933 vor Christus.

       
      • Welterbe im Taucheranzug?

      Schon seit Generationen kennen die Menschen am Bodensee oder am Zürichsee die abgenagten Holzstümpfe, die bei Niedrigwasser hier und da aus dem Schlick ragen. Doch sie wussten lange Zeit nicht, dass diese zu vorgeschichtlichen Pfahlbauten gehören, die aus der Stein-, Kupfer oder frühen Eisenzeit stammen. Am Zürichsee wurden in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erstmals die Reste der Pfahlbauten von einem Altertumsforscher untersucht, und Europa hatte damit seine archäologische Sensation: Die Überreste der Holzhäuser, die von Wasser und Schlick gut konserviert wurden, waren bis zu 6000 Jahre alt. Diese Entdeckungen stellten eine Initialzündung der heimischen Archäologie dar. Beschäftigte sich ein Wissenschaftler mit der Zeitspanne von 4000 v. Ch. - 933 v. Ch., dann ging es meist um Ägypter, Sumerer, Babylonier oder um die Griechen. Die Pfahlbauten zeigten: Auch hierzulande lebte man nicht "auf den Bäumen".

      • Das Pfahlbaufieber ergriff die Archeologen

      Es brach ein regelrechtes Pfahlbau-Fieber aus, und immer mehr dieser Holzstümpfe wurden gefunden. Auf der Welterbeliste stehen heute insgesamt 111 Fundstellen in den sechs Alpenanrainern Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz und Slowenien. Doch gleich nach der Entdeckung begann auch ein jahrzehntelanger Streit über die seltsame Architektur der Bauten. Was hatte es mit den Pfählen auf sich? Standen sie von Anfang an im See, oder sollten die Häuser dadurch nur vor Hochwasser geschützt werden? Warum baute man im Wasser? Warum verschwand um 933 schlagartig diese Bauweise?

      • Warum zog es Siedler aufs Wasser?

      Bis heute ist nicht restlos geklärt, was die Bewohner der Jungsteinzeit und der Bronzezeit auf den See führte. Meist hätten "unsere" Vorfahren auch einige Meter weiter auf trockenem Land bauen können, und das wesentlich dauerhafter und solider. Die Lebenserwartung eines Pfahlbaus betrug nur ca. 25 Jahre. Die meisten Pfahlbaudörfer an den großen Voralpenseen standen nicht mitten im See, sondern eher in der Uferzone. Ein gewisser Schutz vor Tieren und Angreifern war zwar gegeben, aber sicherlich war das nicht Hauptgrund der Bauweise. Die Seen und Flüsse waren in der Stein-, Bronze und Eisenzeit rege mit Booten befahren. Deshalb siedelte man an diesen Hauptverkehrswegen. Und die Ufer waren meist nicht bewaldet, Rodungen waren mit Stein oder Bronzebeilen eine langwierige Sache.

      • Nur rund um die Alpen wurde auf Pfählen gelebt

      Eine bisher ungeklärte Frage ist, warum nur rund um die Alpen - vor allem im deutschschweizerischen Alpenvorland - exzessiv auf Pfählen gelebt wurde. Zwar gibt es auch Ansiedlungen in der Poebene und an Seen in Frankreich - aber das Gros der Siedlungen auf Pfählen (über 50 alleine am Bodensee) mit jeweils ca. 100 Siedlern gibt es nur im Voralpenland. Ein Indiz zur Klärung der Frage könnten die klimatischen Veränderungen sein: Die Alpen waren lange Zeit nicht durchgehend besiedelt, weil sie in einer Kaltzeit vergletschert waren. Kerngebiet des Lebens in der Steinzeit waren die Landschaften zwischen Nordsee, Rhein, Main, Donau, Elbe und Saale. Man nimmt an, dass Kulturtechniken wie Ackerbau zu einer Überbevölkerung in diesem Gebiet führten und so die Menschheit zur Besiedelung der damals unwegsamen Bodenseeregion zwang.

      • Frühester Metallfund in Mitteleuropa

      Das Weltkulturerbe Pfahlbauten umfasst mehr als ein paar fast verrottete Holzpfähle. Die Archäologen konnten sich inzwischen ein sehr genaues Bild von den Pfahlbaubewohnern machen, denn in der Umgebung der Siedlungen wurde im Schlick so manches gefunden, was sich an Land über so viele Jahre nicht erhalten hätte. Holzfragmente ehemaliger Beile und Bögen, eine Holzkelle, Samen, Steinwerkzeug, frühe Textilien, geflochtene Bastschnüre, Mützen aus Bast (wie sie auch Ötzi trug), ein Wagenrad, eine Kupferaxt, ein Pfeilschaft - verklebt mit Birkenpech, Pfeilspitzen und Keramiken mit Nahrungsresten.

      Im Federseemoor und dem Bodensee wurde eine Scheibe aus Kupfer gefunden, die zu den frühesten Metallfunden in Mitteleuropa gehört und Perlen aus Kalkstein mit einem zugehörigen "Spezialbohrer". Dieser dokumentiert die Existenz einer spezialisierten Perlen- und Schmuckindustrie. Die Archäologen konnten aus dieser Vielzahl von Funden, die sich immer sehr genau datieren lassen, ein sehr genaues Bild der Lebensweise machen. In den Sedimentschichten des Sees lassen sich immer auch Holzproben finden, die mit der Dendrochronologie (anhand der Jahresringe von Bäumen) aufs Jahr genau bestimmt werden können.

      • Rekonstruktionen im Pfahlbauten-Museum

      Ein Ergebnis: Die verschiedenen frühen Pfahlbausiedlungen sind nicht einer einheitlichen Kultur zuzuordnen. Zwar stand man im regen Austausch, doch die Gruppen waren recht heterogen. Das Pfahlbauten-Museum Unteruhldingen mit seinen Nachbauten jungsteinzeitlicher und bronzezeitlicher Häuser erzählt anhand der Funde vom Leben der ersten sesshaften Bewohner am See. In Unteruhldingen wurden Modelle von verschiedenen Pfahlbauten, die am Bodensee gefunden wurden, zu einem einmaligen Ensemble zusammengetragen. Sie bestehen meist aus einem Nadel- oder Laubholz-Gerüst, in dem die Zwischenräume mit Lehm ausgefüllt wurden. Weitverbreitet sind Dächer aus Schilf, aber auch Schindeln wurden in den Sedimentschichten gefunden. In einem Haus lebten schätzungsweise fünf bis fünfzehn Siedler. Die Konstruktionsweise war nicht einheitlich, sondern änderte sich über die Jahre. So sind in Unteruhldingen auch Rekonstruktionen der ersten Bauten von 4000 v. Chr. aus dem Federseemoor zu bestaunen sowie eine "Wasserburg" nach dem Vorbild der Ausgrabungen bei Buchau (ca. 1050 v. Chr.).

      • Kultur(ge)schichten der Seeböden

      Das eigentliche Weltkulturerbe Pfahlbauten ist kein "leichtes" Erbe, denn es kann nur im Taucheranzug besichtigt werden, oder in den Labors der Archäologen und in Museen. Auch der Begriff Pfahlbauten ist eigentlich irreführend. Denn die jungneolithischen, bronze- und eisenzeitlichen Pfahlbauten rund um die Alpen sind ja nicht erhalten geblieben, sondern nur Orte im Schlick, die einzigartige Einblicke in die Welt der frühen Bauern gewähren. Daher scheint ein Vergleich mit den ägyptischen Pyramiden etwas vermessen, aber in seiner archäologischen Bedeutung und vor allem den geografischen Dimensionen könnte es vergleichbar sein. Die Pfahlbauten umspannten den gesamten Alpenraum, und auch in allen Sprachen, die dort gesprochen werden, klingen sie ähnlich: "Palafittes" oder "Palafitte" auf Französisch und Italienisch und etwas abweichend "Kolisca" auf Slowenisch.Die Erstsendung der "Schätze der Welt" über die Pfahlbauten rund um die Alpen beginnt in Italien, wo die ältesten liegen. Von dort führt der Film auf einer Reise zunächst nach Slowenien - zum Fund eines hölzernen Rads und dann weiter über die österreichischen Seen zum Federseemoor und dem Bodensee. Die Schweiz und Frankreich sind die letzten Stationen der Reise durch die Welt der Pfahlbauern.

      Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

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