• 20.05.2017
      02:00 Uhr
      Kunstraum Wolfram Kastner: "Sisyphos" | ARD-alpha
       

      "Malen ist für mich eine ganz wichtige Widerstandstätigkeit. Denn die Wirklichkeit ist für mich in mancher Hinsicht eine permanente Provokation, und damit ich davon kein Magengeschwür bekomme und den ganzen Frust in mich hineinfresse, male ich", sagt Wolfram Kastner. Er ist ein Künstler, dessen Arbeiten immer wieder als öffentliche Provokation angelegt und dann auch so aufgefasst werden. Viele seiner Aktionen fordern zur direkten Auseinandersetzung vor Ort heraus. Dass dies aber nicht Selbstzweck ist, sondern einem tiefen Bedürfnis nach adäquater künstlerischer und politischer Stellungnahme entspringt, zeigt dieser Film.

      Nacht von Freitag auf Samstag, 20.05.17
      02:00 - 02:15 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      "Malen ist für mich eine ganz wichtige Widerstandstätigkeit. Denn die Wirklichkeit ist für mich in mancher Hinsicht eine permanente Provokation, und damit ich davon kein Magengeschwür bekomme und den ganzen Frust in mich hineinfresse, male ich", sagt Wolfram Kastner. Er ist ein Künstler, dessen Arbeiten immer wieder als öffentliche Provokation angelegt und dann auch so aufgefasst werden. Viele seiner Aktionen fordern zur direkten Auseinandersetzung vor Ort heraus. Dass dies aber nicht Selbstzweck ist, sondern einem tiefen Bedürfnis nach adäquater künstlerischer und politischer Stellungnahme entspringt, zeigt dieser Film.

       

      "Malen ist für mich eine ganz wichtige Widerstandstätigkeit. Denn die Wirklichkeit ist für mich in mancher Hinsicht eine permanente Provokation, und damit ich davon kein Magengeschwür bekomme und den ganzen Frust in mich hineinfresse, male ich", sagt Wolfram Kastner vor der weißen Leinwand.

      Er ist ein Künstler, dessen Arbeiten immer wieder als öffentliche Provokation angelegt und dann auch so aufgefasst werden. Viele seiner Aktionen fordern zur direkten Auseinandersetzung vor Ort heraus. Dass dies aber nicht Selbstzweck ist, sondern einem tiefen Bedürfnis nach adäquater künstlerischer und politischer Stellungnahme entspringt, zeigt dieser Film.

      Wolfram Kastner malt ein Ölbild. "Ich bin AUCH ein Maler, unter anderem. Aber ich bin ein Künstler, der sich mit verschiedenen Prozessen, mit verschiedenen Bildgestaltungsmöglichkeiten auseinander setzt. Das Malen eines Bildes auf einer Leinwand ist für mich gleichbedeutend mit dem Malen eines Bildes in der Öffentlichkeit".

      Wie er das versteht, zeigt der Künstler beispielsweise anlässlich des alljährlich stattfindenden Volkstrauertages vor dem Grab des unbekannten Soldaten. In Kampfmontur verwickelt er Passanten in Diskussionen. "Ich denke, dass der Volkstrauertag wirklich eine militaristische Veranstaltung ist. Denn ginge es tatsächlich um Trauer, bräuchte man dazu keine Maschinenpistolen", meint Kastner.

      Zurück ins Atelier, vor die Leinwand: Kastner beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Motiv des Sisyphos. Allerdings ist ihm die klassische Variante des glücklich den schweren Stein schiebenden Märtyrers zu resignativ. "Vielmehr könnte Sisyphos etwas Sinnvolles tun und den Stein einfach liegen lassen. Er könnte eine sinnvollere Tätigkeit ausführen, die dazu beitragen könnte, die Welt zu verändern", mutmaßt der Künstler.

      10. Mai, Jahrestag der Bücherverbrennungen 1933 in Deutschland. Wolfram Kastner brennt seit 2003 alljährlich einen Brandfleck in den Rasen am Königsplatz mitten in München. Es soll kein Gras über die Geschichte wachsen! Bis in die späten Abendstunden hinein werden anschließend Texte aus damals verbrannten Büchern gelesen. Gegen viele Widerstände hat es der Künstler erreicht, dass für diese Veranstaltung, die ursprünglich verboten wurde, inzwischen eine breite Öffentlichkeit gewonnen werden konnte.

      In Herbst 2013 ruft Wolfram Kastner das Projekt "hier wohnte" ins Leben. Weiße Koffer vor meiner Haustüre? Was soll das? Der Koffer als Symbol für das Elend der Deportation, denn auf den Inhalt eines Koffers wurde die Existenz jüdischer Mitbürger reduziert, bevor sie deportiert wurden.

      Im Gemälde von Wolfram Kastner wird Sisyphos nach und nach eingemauert von Panzern, Atomkraftwerken und - raketen, Kirchen, Bankgebäuden, und sitzt resigniert auf seinem Stein.

      "Es muss etwas aufbrechen, ich weiß noch nicht was, aber dass etwas aufbricht, ist sicher". Wolfram Kastner will nicht aufgeben, er gehört zu den Künstlern, für die Kunst und Politik keine akademischen Größen sind, sondern mit Leben gefüllt werden sollen. "Das Bild muss ganz anders werden, ich muss alles wieder ändern"! beschließt der Künstler, und setzt sich auf den Stein, der er nicht mehr anschieben will.

      Von der Idee zum Kunstwerk ist es nicht immer ein leichter Weg - Kunstraum macht diesen Weg transparenter.

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      Nacht von Freitag auf Samstag, 20.05.17
      02:00 - 02:15 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 26.05.2017