• 03.02.2011
      23:05 Uhr
      Stalins Gigantomanie: Die Bohrinsel von Aserbaidschan Film von Marc Wolfensberger | MDR FERNSEHEN
       

      Die älteste Bohrinsel der Welt steht mitten im Kaspischen Meer. 1949 auf Anordnung von Stalin errichtet, gehört sie heute Aserbaidschan und ist noch immer in Betrieb.

      Donnerstag, 03.02.11
      23:05 - 00:00 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo

      Die älteste Bohrinsel der Welt steht mitten im Kaspischen Meer. 1949 auf Anordnung von Stalin errichtet, gehört sie heute Aserbaidschan und ist noch immer in Betrieb.

       

      Erstmals durfte ein westliches Filmteam den Alltag in dieser 'Stadt auf dem Meer' begleiten. Immerhin ist das krakenförmige Gebilde strategische Militärzone mit strengstem Zutrittsverbot. Darüber hinaus haben ihr die 60 Jahre auf offener See zugesetzt und inzwischen hält sie eher schlecht als recht zusammen.

      Der Film spürt der Geschichte des sozialistischen Vorzeigeprojektes nach, lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, die sowohl dessen Blütezeit als auch Katastrophen miterlebt haben. Er begleitet Männer und Frauen durch ihren Alltag, die sich für ein Leben in der 'Stadt im Meer' entschieden haben. Manche von ihnen verbinden bereits Jahrzehnte mit der Bohrinsel. In 20 Jahren werden die Vorkommen dort erschöpft sein. Was wird dann aus dem Riesenkraken mitten im Kaspischen Meer?

      1949 erfüllte sich Stalin mit dem Bau der Bohrinsel seine Vision eines Universums auf dem Wasser, einer Megalopolis des schwarzen Goldes, die Symbol für die Vormachtstellung des Sowjetblocks gegenüber dem Westen sein sollte: 300 Kilometer Brücken, 2.000 wackelige Plattformen, aber auch eine Bibliothek, eine Moschee, eine Limonadenfabrik, ein Festsaal mit 500 Sitzplätzen sowie ein öffentlicher Park. Die gesamte Anlage bietet Platz für bis zu 5.000 Arbeiter - Frauen und Männer - und das in einer Entfernung von über 6 Schiffsstunden von der Küste.

      Obwohl diese Stadt auf dem Meer nur für eine Nutzungsdauer von 25 Jahren gebaut wurde, sucht sie noch heute ihresgleichen. Die Plattform ist zur strategischen Militärzone mit strengstem Zutrittsverbot erklärt worden - zu Recht: 60 Jahre nachdem sie erbaut wurde, hält diese gigantische Krake aus Beton und Metall mehr schlecht als recht: Brücken stürzen ein, zahlreiche Plattformen sind verwahrlost. Außerdem sinkt die Rentabilität permanent: die Produktionskosten pro Barrel betragen hier inzwischen 35 Dollar - im Gegensatz zu 5 Dollar in den Golfstaaten. Was wird geschehen mit den Erdölfelsen? Soll man sie für Millionen von Dollar abreißen? Soll man sie aufgeben und eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes riskieren? Einen Hotelkomplex daraus machen? Eines ist sicher: die Behörden werden schon bald entscheiden müssen.

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      Donnerstag, 03.02.11
      23:05 - 00:00 Uhr (55 Min.)
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