• 07.12.2017
      11:30 Uhr
      NaturNah: Für Hirsch und Käfer Wildbrücken über der A7 | NDR Fernsehen Mediathek
       

      Wenn Autobahnen oder breite Wasserwege die natürlichen Wanderungen von Wildtieren versperren, droht Inzucht und letztlich das Aussterben einiger Arten. Die Politik hat reagiert und Gelder für Wildbrücken über die Autobahnen freigegeben. Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein plant, organisiert und bepflanzt diese Brücken. Nur - wie finden die Tiere den richtigen Weg? Björn Schulz lockt sie mit artgerechten "Zubringern" von hüben nach drüben.

      Donnerstag, 07.12.17
      11:30 - 12:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Wenn Autobahnen oder breite Wasserwege die natürlichen Wanderungen von Wildtieren versperren, droht Inzucht und letztlich das Aussterben einiger Arten. Die Politik hat reagiert und Gelder für Wildbrücken über die Autobahnen freigegeben. Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein plant, organisiert und bepflanzt diese Brücken. Nur - wie finden die Tiere den richtigen Weg? Björn Schulz lockt sie mit artgerechten "Zubringern" von hüben nach drüben.

       

      Stab und Besetzung

      Produktion Frederik Keunecke
      Autor Ralf Bartels
      Redaktion Christian Pipke

      Björn Schulz ist Mitarbeiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Er hat einen schweren Job, er will ein Stück die Welt retten, zumindest in Schleswig-Holstein. Denn in Sachen Artenvielfalt sieht es im nördlichsten Bundesland gar nicht gut aus. Im Süden Schleswig-Holsteins stellt die Elbe ein unüberwindbares Hindernis dar, das einen genetischen Austausch mit den meisten Arten beispielsweise aus Niedersachsen verhindert. Und von Nord nach Süd zerteilen Autobahnen das Land. Auch sie sind für die meisten Arten unüberwindlich.

      Das Paradebeispiel dafür ist der Rothirsch. Anders als das Damwild ist das Rotwild weniger standorttreu, sondern zieht entlang uralter Wanderwege durch das Land. Wären da nicht die Autobahnen. Das Ergebnis: Seit Jahrzehnten gibt es nur noch vereinzelte Populationen von Rotwild, die in Waldinseln zwischen Autobahnen eingesperrt sind. Es drohte Inzucht und letztlich das Aussterben dieser Art.

      Das leuchtete irgendwann auch der Politik ein, es wurden Gelder für Wildbrücken über die Autobahnen freigegeben, auf denen der Rothirsch endlich wieder seine Ostverwandschaft auf der anderen Seite der Grenze besuchen konnte. Gerade werden auf der A7 wieder zwei neue Brücken gebaut, Kosten: gut zehn Millionen Euro.

      Aber es geht nicht nur um das Rotwild. Betroffen sind vielerlei Arten, die nicht fliegen oder schwimmen können, der Käfer, der Frosch, der Dachs. Viele Arten sind in ihrem Lebensraum von diesen Insellagen eingeschränkt.

      Björn Schulz ist für alle Wildbrücken im Land zuständig. Sein Job ist es, das Hinterland der Brücken so zu verändern, dass möglichst viele Arten die Brücken nutzen können. Er kauft hektarweise Land auf, damit es renaturiert werden kann, verhandelt mit Förstern, Jägern, Bauern über die Nutzung angrenzender Flächen, bespricht mit den Tiefbaufirmen die Gestaltung der Querungshilfen für die Tiere, trifft sich mit Naturschützern, die vielleicht wieder eine aussterbende Art entdeckt haben, die es zu retten gilt.

      Und dann agiert Schulz nicht anders als die Straßenbauer. Er muss ein Naturwegenetz schaffen, das zu den Wildbrücken führt. Ein Netz aus Trockenrasenkorridoren, Moorflächenverbindungen, Grabensystemen und Waldverbindungen, damit möglichst viele Arten die Chance haben, durch Wege in ihrem Habitat die Wildbrücken überhaupt zu finden.

      Beim Rothirsch macht sich Björn Schulz deswegen keine Sorgen; der erste wurde schon an der noch im Bau befindlichen Brücke bei Brokenlande gesichtet. Was dem Biologen wirklich am Herzen liegt, ist beispielsweise der Thymian-Blattkäfer. Den Winzling gibt es in ganz Norddeutschland nur noch auf einer einzigen kleinen Fläche ganz in der Nähe der geplanten Brücke bei Bad Bramstedt. Aber auch er muss es irgendwann einmal über die Brücke schaffen, wenn seine Art erhalten werden soll. Und dafür braucht er einen Korridor aus Trockenrasenflächen und Thymianpflanzen. Denn Flügel hat der kleine Käfer nicht.

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      Donnerstag, 07.12.17
      11:30 - 12:00 Uhr (30 Min.)
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