• 20.01.2017
      02:35 Uhr
      Nachtcafé - Das Beste Demenz - wie damit leben? | SWR Fernsehen BW
       

      Es ist ein meist schleichender Verfall: Zuerst lässt das Kurzzeitgedächtnis nach, dann schwinden Sprache und Motorik und schließlich die ganze Persönlichkeit. Wer die Diagnose "Demenz" erhält, hat Angst, den Verstand und damit sich selbst zu verlieren. Doch auch für die Angehörigen von Dementen beginnt dann eine schwierige Zeit - selbst bei scheinbar einfachen Dingen wie eine Einkaufsliste schreiben oder nur den eigenen Namen zu kennen geht es nicht ohne Hilfe. Wieland Backes fragt nach, zum Beispiel den Pädagogen und Demenzexperten Dr. Udo Baer.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 20.01.17
      02:35 - 04:00 Uhr (85 Min.)
      85 Min.
      Stereo

      Es ist ein meist schleichender Verfall: Zuerst lässt das Kurzzeitgedächtnis nach, dann schwinden Sprache und Motorik und schließlich die ganze Persönlichkeit. Wer die Diagnose "Demenz" erhält, hat Angst, den Verstand und damit sich selbst zu verlieren. Doch auch für die Angehörigen von Dementen beginnt dann eine schwierige Zeit - selbst bei scheinbar einfachen Dingen wie eine Einkaufsliste schreiben oder nur den eigenen Namen zu kennen geht es nicht ohne Hilfe. Wieland Backes fragt nach, zum Beispiel den Pädagogen und Demenzexperten Dr. Udo Baer.

       

      Ob als Angehöriger oder als Patient, mit Demenz leben kann völlig unterschiedlich sein: Während die einen in Liebe und Partnerschaft die unglückliche Krankheit gemeinsam durchstehen, egal was kommen mag, halten andere den Belastungen nicht dauerhaft stand und fühlen sich von der Gesellschaft allein gelassen. Dabei ist Demenz längst zur Volkskrankheit geworden, allein in Deutschland gibt es 1,5 Millionen Betroffene, nach Einschätzung von Experten wird sich die Zahl der Fälle bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Wie können Angehörige den geliebten Kranken unterstützen? Wo liegen die Grenzen der Belastbarkeit auch im Umfeld? Was ist bei dieser Krankheit genetisch bedingt, wo kann man vorbeugen? Was bedeutet das für die Zukunft unserer Gesellschaft?

      • Gäste:

      Barbara und Sepp Friedrich sind seit fast 50 Jahren verheiratet und haben gemeinsam bisher jede Krise gemeistert. Doch die Demenz von Sepp lässt sich nicht aufhalten und belastet den Alltag der beiden. Trotzdem bleiben sie optimistisch: "Wir können nicht jammern. Wir halten als Paar zusammen und wünschen uns, dass wir so lange wie möglich zusammenbleiben."

      Therapeut und Demenz-Experte Udo Baer kennt das Gefühlsleben von Erkrankten und plädiert für einen würdevollen Umgang mit ihnen. Er weiß: Auch wenn das Gedächtnis des Gehirns nachlässt, bleibt ein Gedächtnis des Herzens. Und daher "ist es möglich, sie über Sinneskontakte und Gefühle zu erreichen. Deshalb sind Geborgenheit, Nähe und Vertrauen so wichtig."

      Als der Ehemann von Marie-Luise Schneider an Demenz erkrankte, änderte sich ihr Leben schlagartig. Durch die intensive Pflege und die ständige Belastung stieß sie an ihre Grenzen - schließlich musste sie ihn nach 33 Jahren Ehe in ein Pflegeheim geben. Sie entschied sich für einen Platz in Polen, 900 Kilometer entfernt von zu Hause. "Ich zweifle nicht an meiner Entscheidung. Ich musste an mich selbst denken, es ging nicht anders."

      Neurologin Barbara Tettenborn beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Demenz-Prävention. "Es gibt kein Heilmittel gegen diese Krankheit. So wie wir Falten bekommen, altert eben auch das Gehirn. Die entscheidende Frage ist, wann man dement wird", sagt sie. Auch den Krankheitsverlauf könne man hinauszögern. Sie rät, richtig vorzusorgen, zum Beispiel durch viel Sport.

      Der Schauspieler Helmut Zierl erlebte die Krankheit zehn Jahre lang bei seinem Vater. Die beiden hatten zeitlebens ein sehr inniges Verhältnis, weshalb ihn die Veränderung des Vaters zunächst traurig stimmte. Doch Zierl ist sicher, dass sein Vater bis zu seinem Tod mit 90 Jahren ein sehr glückliches und lebenswertes Leben führen konnte: "Mein Vater war immer ein unglaublich positiver Mensch! Trotz Demenz hat er nie seinen Humor verloren."

      Mit 42 Jahren erhielt Hans Herbers Frau Yvonne die Diagnose Alzheimer und wurde bald zum Pflegefall. Er kümmerte sich aufopferungsvoll um sie und hatte dabei Unterstützung von Sandra, einer Freundin der Familie. Doch aus anfänglicher Freundschaft wurde tiefe Liebe. Heute lebt Hans Herber mit seinem Sohn und den beiden Frauen unter einem Dach, aber von der Beziehung zu Sandra weiß seine Frau nichts. "Ich habe mich innerlich verabschiedet. Ihr Lächeln berührt mich noch, aber ich liebe Sandra", sagt er.

      An der Bar: Eva Jacob stand jahrzehntelang mit ihren Schwestern Johanna, Rosi und Hannelore als "Jacob Sisters" auf der Bühne. Nach dem Tod von Hannelore traten sie weiterhin zu dritt auf, doch seit 2012 leidet die älteste Schwester Johanna an Demenz und lebt in einem Pflegeheim. "Sie kann sich aber noch immer an unsere Hits erinnern und singt sie mit mir im Heim. Dann denkt sie, sie steht auf der Bühne und die Leute sind ihr Publikum. Das macht mich glücklich", sagt Eva.

      Das Nachtcafé ist keine Arena für Exhibitionisten und Voyeure. Zynismus und Krokodilstränen haben keinen Platz, wohl aber Menschen aller Art, die den Zuschauern etwas zu erzählen haben.

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      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 20.01.17
      02:35 - 04:00 Uhr (85 Min.)
      85 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 19.02.2017