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14.10.2017

09:05 bis 09:35

MDR Kultur

Erfundene Wahrheit

Tatsachenberichte in der Literatur

Verlage und Autoren leben zu einem beträchtlichen Teil von Tatsachenberichte aus den Krisenregionen unseres Erdballs. Aber, sind all diese abenteuerlichen Berichte wirklich wahr?


Darf man den biografischen Texten von reuigen IS-Kämpfern wirklich trauen? Erzählen die Berichte über Reisen durch die mörderischen Stammesgebiete Afghanistans tatsächlich selbst Erlebtes? Haben die zwischen zwei Buchdeckel gepressten Exekutionen in den Krisenregionen Afrikas wirklich stattgefunden?
Das Spiel mit der erfundenen Wahrheit gelang der Kölner Reisejournalistin und Buchautorin Ulla Ackermann mit ihrer gefälschten Autobiografie "Mitten in Afrika - Zuhause zwischen Paradies und Hölle" (2003 Hoffmann und Campe Hamburg) mit der sie es wochenlang auf die Spiegelbestsellerliste schaffte.
Das Fälschen in der Literatur hat Tradition. Zum Beispiel schickte sich der Lektor Karl Emmerich Krämer (Diederichs Verlag Düsseldorf) unter dem Namen George Forestier selbstgeschriebene Gedichte über seine Erlebnisse als Soldat im 2. Weltkrieg und lieferte mit dem 1952 erschienen Lyrikband "Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße" den Kriegsheimkehrern ein poetisches Alibi.
Die Liste der "Verfehlungen" ist lang und reicht über den Bericht der belgischen Autorin Misha Defonseca "Überleben unter Wölfen" (Gloucester, Massachusetts 1997) als vermeintliche Holocaust-Überlebende bis hin zu Senait Mehari, die ihr Leben als Kindersoldatin an der Eritreischen Befreiungsfront beschreibt (Senait Mehari "Feuerherz" Droemer-Verlag 2004). Die Aufdeckung der Fälschung dauert oft Jahrzehnte und hatte im Fall von Misha Defonseca, deren Buch in 20 Sprachen übersetzt wurde, auch finanzielle Konsequenzen. Sie wurde im Jahr 2014 dazu verurteilt rund 16,3 Millionen Euro an ihren Verleger zurückzuzahlen.
Ein überaus erfolgreicher "Fälscher" kommt aus Mitteldeutschland. Als herauskam, dass Karl May seine Indianergeschichten erfunden hatte, sorgte das keinesfalls für Entsetzen sondern für noch höhere Verkaufszahlen. Warum also sollen die heute tätigen Buchverlage nicht auf diesen Karl-May-Effekt setzen?
Von Rainer Link
(Ursendung)
Zum Autor: Der Journalist Rainer Link lebt in Hamburg und schreibt seit vielen Jahren Hörfunk-Feature z.B. "Ernstfall Satire" (MDR 2016). Für sein Feature "Sterben mit Dr.Kusch" (DLF 2014) erhielt er den "Deutschen Sozialpreis".
Regie: Stefan Kanis
Produktion: MDR 2017


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