Das malerische Dorf Campodimele in den Auruncibergen zwischen Rom und Neapel nennen Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation den "Ort der ewigen Jugend". Die Bewohner leben nicht nur länger, bekommen seltener Krebs, Herzbeschwerden oder Diabetes, sondern sind auch im hohen Alter noch aktiv und gesund. Die Lebenserwartung in dem 660-Seelen-Dorf liegt bei etwa 90 Jahren - das entspricht bei Männern ungefähr 10 - 15 Jahre mehr als im restlichen Italien.
Bereits seit den 1980er-Jahren interessiert sich die Wissenschaft für dieses Dorf; im Sommer 2012 hat nun die Universität La Sapienza in Rom ein sensationelles Ergebnis präsentiert: die Identifizierung eines genetischen "Defekts", der Ursache für die Langlebigkeit der Bewohner von Campodimele ist. Er sorgt dafür, dass der "schlechte Cholesterinwert" niedrig bleibt - die Blutgefäße bleiben so bei den Bewohnern des abgeschiedenen Dorfs, die über Jahrhunderte weitgehend unter sich geblieben sind, länger fit. Dazu kommt ein Lebensstil, der kaum Stress kennt, aber von harter körperlicher Arbeit geprägt ist. Der Speiseplan folgt dem natürlichen Jahresrhythmus der Pflanzen und Tiere. Unter den Zutaten sind viele uralte Sorten von Zwiebeln und Kichererbsen, die anderswo durch Importware ersetzt wurden. Jeden Morgen geht beispielsweise der hoch betagte Giuseppe vier Kilometer zu Fuß in seinen Gemüsegarten, jeden Tag kocht Maria Laura Sepe ihre einfachen Gerichte, mit Zutaten, die überwiegend vom Ort selbst stammen. Sie und viele andere Bewohner sowie Forscher über Campodimele hat der Autor begleitet und auch über die wechselvolle Geschichte des Ortes befragt.
Andreas Miekisch lebt und arbeitet seit Jahren in Italien, ist Absolvent einer römischen Filmhochschule und Autor zahlreicher Feature und Dokumentationen für Hörfunk und Fernsehen.
Wiederholung von 11.05 Uhr


