15.08.2013
20:15 Uhr
Kleines Land Dokumentation Frankreich / Griechenland 2012 - Thema: Griechenland | arte
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Die Arbeitslosigkeit in Griechenland hat ein Rekordhoch erreicht. Mehr als die Hälfte der 15- bis 24-jährigen Griechen ist arbeitslos, bei den 25- bis 29-Jährigen ist es ein Drittel. Um sich selbst eine Perspektive zu schaffen, versuchen immer mehr Griechen ihr Heil außerhalb der Städte und machen sich auf dem Land oder den Inseln in der Ägäis selbstständig. Die Dokumentation begleitet einen von ihnen auf die Insel Ikaria, die ohnehin vom Glück gesegnet zu sein scheint, werden hier doch überdurchschnittlich viele Menschen über hundert Jahre alt.

Unter Arbeitslosigkeit, Finanzdebakel und Sparpolitik leiden in Griechenland vor allem die Jugendlichen. Das gilt auch für Athen. Immer mehr junge Griechen verlassen daher die Hauptstadt, um auf dem Land ein neues Leben zu beginnen. Dort sehen sie die Möglichkeit, sich etwas Eigenes aufzubauen. Die Dokumentation begleitet den Informatikingenieur Theodoros, der aus Athen auf die Insel Ikaria im Ägäischen Meer gezogen ist. Dort hat er seine gesamten Ersparnisse in eine Ruine und in Landwirtschaftsmaschinen im Wert von 4.000 Euro investiert.

Doch das Bauernleben ist schwerer als er dachte: Als der Sommer kommt, vernichtet die Trockenheit alles, was er geschaffen hat. Theodoros ist ruiniert und entmutigt. Doch zum Glück kommen die Inselbewohner ihm und den anderen "Stadtflüchtlingen" zu Hilfe.

Ikaria ist eine ungewöhnliche Insel: Da hier erstaunlich viele Menschen bei guter Gesundheit das hundertste Lebensjahr erreichen, ist das "kleine Land" immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Studien aus der ganzen Welt. Warum sind die Inselbewohner so glücklich und ausgeglichen? Liegt es an der besonderen Ernährung oder an der solidarischen Gesellschaft, am Klima oder an dem besonderen Tagesrhythmus, der den Menschen hier ausnehmend viel Zeit zum Leben lässt? Auf jeden Fall sehen sich die jungen Menschen in ihrer Entscheidung bestätigt: Weit weg von Athen und der Krise ist Ikaria der richtige Ort, um noch einmal ganz von vorn zu beginnen.

Die Dokumentation von Nikos Dayandas wurde mit dem WWF-Preis des World Wildlife Funds und im März 2013 mit dem Preis ERT 3 des Internationalen Dokumentarfilmfestivals Thessaloniki ausgezeichnet.

  • Thementag: Griechenland

Die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Krise Griechenlands ist seit Jahren in den Medien präsent. Aber nicht die Ursachen des wirtschaftlichen Niedergangs will der Griechenland-Thementag in den Mittelpunkt rücken, sondern den Alltag der Menschen in einem stark gebeutelten Land. In zahlreichen Dokumentationen kommen Bewohner ganz unterschiedlicher Regionen - aus den Städten ebenso wie vom Land und von den zahlreichen Inseln - zu Wort. Sie erzählen offen und ehrlich sowohl von ihren Niederlagen als auch von ihren Träumen und der Suche nach neuen Perspektiven.

Seit vier Jahren kämpft Griechenland nun schon mit der Krise. Doch allmählich und fast unmerklich beginnen sich, die Gewohnheiten zu ändern: Überall im Land wird mit kühnen Initiativen versucht, die schlimmsten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen aufzufangen. Trotz oder gerade wegen der Krise zeichnen sich dabei neue Zukunftsperspektiven ab. Weil seit 2009 in Untersuchungen und Statistiken bereits viel über die Ursachen der Krise Griechenlands berichtet wurde, macht sie ARTE nicht noch einmal explizit zum Thema.

Der Thementag unternimmt vielmehr eine Reise in dieses gebeutelte Land, bei der die Griechen selbst zu Wort kommen, um ihre Träume und Projekte vorzustellen. Er begleitet sie in ihre Familien, in die Stadt, aufs Land und auf die Inseln und fühlt den Puls dieses Landes, das nach einem brutalen Schlag nun wieder neuen Mut fasst. Die packenden Dokumentationen setzen sich mit verschiedenen Facetten der aktuellen Lebensbedingungen in Griechenland auseinander und zeigen, dass auch die Griechen nach den tiefer liegenden Gründen der Krise forschen, aus der sie heute mit Mut, Entschlossenheit und Fantasie einen Ausweg suchen. Eines ist gewiss: Nichts wird mehr wie früher sein. Außerdem geht der Griechenland-Tag auch auf die antike Zivilisation ein, die Wiege Europas, und entdeckt das Land der unvergleichlichen Inseln und Gebirge mit seinen vielfältigen Traditionen wieder neu. Denn nach wie vor ist Griechenland eines der beliebtesten Reiseziele der Welt.

Der ARTE-Griechenland-Tag wartet mit 17 Dokumentationen und zwei Filmen auf, darunter sind zehn Erstausstrahlungen. Die meisten Beiträge wurden von griechischen Filmemachern geschrieben und gedreht und von dortigen Produktionsunternehmen mit Unterstützung von ARTE und seinem internationalen Partner, dem griechischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ERT, koproduziert, der überraschend zum 11. Juni dieses Jahres sein Programm einstellen musste, um nach einer drastischen Reduzierung der Belegschaft in absehbarer Zeit neu zu starten.

Das ambitionierte Vorhaben der Filmemacher gab ihnen die Möglichkeit, den Zuschauern aus authentischer Perspektive Einblicke in das neue Griechenland nahe zu bringen. Denn das Land hat sich zu einem regelrechten Labor entwickelt, in dem sich derzeit viele Veränderungen vollziehen. Dabei wird die Zukunft Griechenlands entworfen und gleichzeitig ein neues Kapitel europäischer Geschichte geschrieben. Durch das Programm des Tages führt vor Ort die griechische Journalistin Dimitra Kouzi.

Donnerstag, 15.08.13
20:15 - 21:10 (55 Min.)
Stereo HD-TV